Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

nfries.  heuvel  ,Hügel,  Anhöhe1  (LexFris  1,  513;  MnlWb  3,  675f.;  De  Vries
1971,256).
Zugrunde  liegt  eine  westgermanische  Ausgangsförm  mit  Frikativ  b  im  Inlaut
  nach  Vokal,  der  im  Altsächsischen  durch  b  oder  v  wiedergegeben  wird.
Das  Mittelfränkische  bewahrt  den  westgermanischen  Lautstand.  Das  Rheinfränkische
  und  das  Ostfränkische  verwenden  das  Zeichen  (b),  das  Oberdeutsche
  der  älteren  Zeit  hat  für  frk.  b  meist  (p),  das  Spätalthochdeutsche  hat  statt
(p)  meist  (b)  (AhdGr  §§  88,  b  und  134).  Auf  dieser  differenzierten  Entwicklung
  von  germ.  b  beruht  die  Variation  des  medialen  Konsonanten  in  den  rezenten
  Mundarten  und  in  den  Flurnamenbelegen  des  Untersuchungsgebietes.
ln  den  rezenten  Mundarten  überwiegt  die  Bedeutung  ,HügeP,  während
,Höcker,  Auswuchs1  etc.  allenfalls  noch  Nebenbedeutungen  darstellen  (Die-FENBACH/WÜLCKER
  672;  DWB  10,  1849f.;  siehe  auch  Abschnitt  C).  Das
Wort  wird  auch  in  der  Rechtsbedeutung  ,Grenzhügel‘  verwendet.  In  den  Österreichischen
  Weistümem  findet  sich  ein  Beleg  aus  der  Gde.  Hornstein  im
Burgenland;  1670  verdilliget  einer  einen  hofier  hotterbaumb  stain  oder  hübet
...  so  ist  der  thätter  demselben  der  ihne  ergriffen  hat  ein  oxen  zue  geben
schuldig  (zitiert  nach  DRW  6,  22).
Lehnwort  aus  dem  Mittelniederländischen  ist  frz.  hovel  ,Erhöhung';  mnl.
hovel  und  hoevel  sollen  durch  jüngere  Zuwanderung  in  die  Pikardie  und  die
östliche  Normandie  gelangt  sein  (FEW  16,  235).
Nach  Teuchert  1972,  171f.  bietet  das  Niederdeutsche  aus  dem  westlichen
niederfränkisch-rheinisch-westfälischen  Raum  die  ältesten  Namenbelege  für  Hübel.
  Da  das  Wort  in  Ostfalen  fehle,  sei  das  märkische  Vorkommen  mit  niederländischen
  Siedlungsbewegungen  zu  verbinden.  Die  Annahme  Valtavuos
1957,  54f.,  Hübel  sei  ein  „ausgesprochen  fränkisches  Wort“,  das  bis  an  die  Grenze
  Belgiens  und  der  Niederlande  reiche  und  das  aus  dem  rheinfränkischen  Gebiet
in  das  alemannische  und  aus  dem  ostfränkischen  Gebiet  in  das  nordbairische  gewandert
  sei,  stellt  DEBUS  1965,  259  in  Frage:  „ob  Hübel  nicht  ein  altes  bodenständiges,
  ehemals  großflächig  verbreitetes  Wort  gewesen  ist,  das  neben  anderen
Wörtern  -  wie  Berg,  Hügel,  Buckel,  Bühl,  Klippel  u.  a.  -  im  Wortfeld  für  Bodenerhebungen
  seine  ganz  bestimmte  Funktion  hatte  und  dann  durch  Bedeutungsausgleich
  innerhalb  dieses  Feldes  allmählich  verdrängt  wurde.“  Auch  im  Hessischen
  Flurnamenatlas  wird  ein  vorfränkischer  Ursprung  von  Hübel  in  Erwägung
gezogen  mit  dem  Argument  des  häufigen  Vorkommens  „von  Hübel  als  Wort  und
in  Namen  in  Mittel-  und  Nordhessen  sowie  den  nördlichen  [...]  und  östlichen
Anschlussgebieten“  (HessFlnAtl  Karte  73  und  Kommentar),  während
Valtavuo  1957,  54  dieses  Vorkommen  mit  dem  Vorstoß  der  Franken  erklärt.

niederländischen  /?^ve/-Toponymen  vgl.  auch  Schönfeld  1950,  37  und  Moerman
1956,  98f.  -  Frühmittelniederländische  Belege  sind  10.  Jh.  huvil  (Wachtendoncksche
  Psalmen),  1240  houel  (Limburg),  vgl.  EWN  2,  430f.  und  VroegMnlWb  2,
2124.

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