Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Betracht  gezogen  werden,  scheinen  nach  Kunze  1976,  169ff.  im  Alemannischen
  doch  auch  eine  Rolle  zu  spielen.  Nach  ihm  würde  im  Alemannischen
das  Maskulinum  der  Hurst  ein  oberdeutsches  Relikt  darstellen  -  mit  der  Bedeutung
  ,kleine  Erhebung1  wie  im  Englischen  das  „sich  von  daher  ohne
niederdeutschen  oder  oberrheinischen  Einfluß  spontan  zum  Beetbau-Terminus
entwickelt  [hat]“(ebd„  171).
Udo  EPH  1994,  776ff.  hat  die  Verbreitung  der  -hörst-  Namen  auf  dem  Kontinent
  eingehend  besprochen  und  großflächig  kartiert  (ebd.,  791  Karte  56):  Die
Ortsnamen  zeigen  deutliche  Konzentrationen  im  Gebiet  östlich  des  Ijssel-Meeres,
  in  Westfalen,  in  Schleswig-Holstein,  Mecklenburg  und  der  Ueckermünder
  Heide.  Die  Streuung  der  Namen  weiter  östlich  ist  auffällig,  sie  zeigt
aber,  dass  der  Namen  appellativisch  noch  lange  produktiv  war.  Die  Niederlande
  weisen  ebenfalls  eine  deutliche  Konzentration  auf,  während  westlich  des
Rheins  die  -/?or.s7-Namen  seltener  werden,  obwohl  das  Ausgreifen  nach  Flandern
  noch  erkennbar  ist.  Auffallend  bleibt,  dass  das  Wort  als  Siedlungsname
in  ganz  Süddeutschland  nur  in  der  Ortenau  vorkommt,  wie  auch  KLEIBER
1986a,  263  in  einem  späteren  Aufsatz  wohl  bemerkt  hat.
Udolph  1994  verweist  auf  den  Zusammenhang  mit  England,  das  eine  deutliche
  Konzentration  von  -/?«r.s7-Namen  im  Südosten,  in  Kent,  Sussex,  Surrey
und  Hampshire  aufzeigt.  Diese  Verbreitung  macht  nach  UDOLPH  1994  eine
Verbindung  über  die  Niederlande  hinweg  wahrscheinlich.  Wegen  der  auffälligen
  Lücken  von  hurst-  Belegen  an  der  niedersächsischen  Küste  kommt  er
zu  dem  Schluss:  „Die  kontinentalen  -//orsz-Namen  und  die  englischen  -hurst-Belege
  stehen  in  Verbindung  zueinander,  deren  Ausgangsbasen  weder
Schleswig-Holstein  noch  die  niedersächsische  Nordseeküste,  sondern  die  Niederlande
  und  Flandern  bilden“  (UDOLPH  1994,  796).
D. In  unserem  Gebiet  kommt  das  Lemma  sowohl  als  Grund-  als  auch  als  Bestimmungswort
  vor.  Die  Streuung  der  Flurnamenbelege  zeigt  eine  Konzentration
  im  nördlichen  Teil  des  Untersuchungsraums  mit  vereinzelten  Belegen
im  Süden  des  Untersuchungsgebiets,  im  sogenannten  Krummen  Eisass,  die  an
die  südliche  Verbreitung  dieses  Namenwortes  anknüpfen.  Nach  den  historischen
  Flurnamenbelegen  zu  urteilen  ist  es  möglich,  eine  Ausbreitung  des
Wortes  ab  dem  13.  Jahrhundert  anzunehmen.
Das  Wort  -  mit  mhd.  Lautstand  Hurst  oder  aber  mit  späterer  Senkung
Horst  -  begegnet  hier  vorwiegend  als  Maskulinum,  selten  als  Femininum.
Dittmaier  115  markierte  seinen  einzigen  maskulinen  (bezeichnenderweise
pfälzischen)  Flurnamenbeleg  noch  mit  Ausrufungszeichen  (1497  über  den
hörst,  Becherbach,  Lkr.  Bad  Kreuznach).  Die  diesbezüglichen  Angaben  der
Wörterbücher  zu  rezenten  Mundarten  sind  uneinheitlich  und  teilweise  unsicher:
  Das  ShessWb  3,  730  meldet  m./(f.),  das  PfälzWb  3,  1185  hat  m./f.,  das
ElsWb  1,  376  hat  m.  und  f.  in  einzelnen  Orten,  das  SchweizId  2,  1640f.
kennt  m./f./n.  Das  DWB  10,  1833f.  schließlich  kennt  für  Hurst  und  Horst  sowohl
  das  Maskulinum  als  auch  das  Femininum.  Von  einer  Isolation  der  mas¬157


            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.