Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

1972,  60  kommt  zum  gleichen  Ergebnis:  Die  Einheimischen  im  niedersächsischen
  Marschland  hätten  künstliche  Erhöhungen  mit  -hörst  benannt.  Auch
Langenbeck  1958,  87,1X9  der  den  -hörst-Namen  eine  eingehende  Studie  gewidmet
  hat,  geht  von  der  Bedeutung  ,  Erhöhung  im  Sumpfgebiet'  aus,  die  er
auch  am  Oberrhein  feststellen  kann.  Horst  ist  als  Siedlungsname  heute  im
Oberdeutschen  nur  in  der  Ortenau  vorhanden,  sonst  seit  alter  Zeit  fast  nur  auf
niederfränkischem  und  niedersächsischem  Boden  zu  finden.* 190  KLEIBER  1957,
183  erklärt,  dass  in  allen  Teilen  Badens  zahlreiche  Flurnamen  auf  -hörst-  zu
finden  sind,  wobei  Ortsnamen  nur  in  der  Ortenau  Vorkommen,  weswegen  er
eine  Einfuhr  des  Wortes  aus  Niederdeutschland  für  ausgeschlossen  hält.  Die
Häufung  von  /tonr-Namen  wäre  nach  KLEIBER  1957,  183  topographisch  bedingt,
  wobei  wiederum  LANGENBECK  1958,  51-108,  mit  Bezug  auf  die
Grundbedeutung  ,Erhöhung  im  Sumpfgebiet',  gerade  für  die  Ortenau  an  eine
Einfuhr  des  Lemmas  durch  die  Sachsen  zur  Zeit  Karls  des  Großen  denkt,  die
als  Kolonisten  wegen  ihrer  besonderen  Fähigkeit  zur  Kulturarbeit  in  diese  Gegend
  geholt  wurden.  Schröder  1933,  22f.191  betont  außerdem  die  Tatsache,
dass  die  Sachsen  in  ihren  alten  Sitzen  mit  dem  Wasser  der  Moore  und  der
Sümpfe  zu  kämpfen  hatten:  „Diesem  Kampf  entstammt  ein  bestimmtes  Siedlungswort,
  das  allein  den  Sachsen  eigen  ist  [...],  das  ist  das  Wort  hörst.“  Die
Theorie  von  der  ausschließlich  sächsischen  Geltung  des  Wortes  in  früher  Zeit
ist  freilich  unhaltbar,  da  sie  die  frühesten  Belege  aus  den  Niederlanden  (Abschnitt
  B,  Nr.  1,  5,  8)  außer  Acht  lässt.  Valtavuö  1957,  104  wiederum  postuliert
  deswegen  den  Niederrhein  als  die  ursprüngliche  Heimat  des  badischen
Hurst:  „Eine  Stütze  der  Niederffankentheorie  liefert  die  Tatsache,  dass  Namen
mit  -tung,  das  dem  niederrhein.  -donk  ,Hügel'  entspricht,  auch  in  Baden  anzutreffen
  sind.“
Im  Schwäbischen  ist  das  Wort  ebenfalls  (als  Maskulinum)  bezeugt,  sowohl
als  Appellativ  als  auch  als  Flurname.  Es  handelt  sich  dort  um  eine  Sonderform
der  Anlage  von  Beeten  bei  der  Kultivierung  nasser  Böden  (SchwäbWb  3,
1921).  JÄNICHEN  1970,  45-50  sieht  einen  Zusammenhang  zwischen  dieser
Sonderform  des  Ackerbaus  und  den  Siedlungsnamen  auf  -hurst-,  die  in  Süddeutschland
  nur  im  ehemaligen  Bruchgebiet  zwischen  Offenburg  und  Rastatt
auftreten.  Ob  das  Wort  ins  Schwäbische  „direkt  durch  niederdeutsche  Siedler
gebracht  wurde  oder  ob  etwa  dieser  spezielle  Ackerbau  im  Ansiedlungsgebiet
der  Kolonisten  am  Oberrhein  den  oberdeutschen  Verhältnissen  angepaßt  und
dann  erst  in  unser  Gebiet  übertragen  wurde,  läßt  sich  heute  noch  nicht  ausmachen“
  (ebd.,  49).  Die  Genusunterschiede,  die  bei  dieser  Erklärung  nicht  in

1X9  Mit  weiterer  Literatur.
190  Walther  Mitzka:  Die  Nordseeküste  und  ostdeutsche  Ortsnamen,  in:  ZONF  9
(1933),  3-9.
191  Edward  Schröder:  Sachsen  und  Cherusker,  in:  Niedersächsisches  Jahrbuch  für
Landesgeschichte  10  (1933),  5-28.

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