Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

büsch;  Gestrüpp1.  In  Flurnamen  kommt  Hurst  f.  in  der  Bedeutung  ,eine
Waldparzelle'  vor:  Damit  gebildete  Flurnamen  sind  bereits  im  16.  Jahrhundert
belegt.  Sehr  früh  belegte  Flurnamen  wie  z.  B.  840  Onzenhurst  (Unzhurst,  heute
  gehörig  zur  Gde.  Ottersweier  in  Mittelbaden,  Lkr.  Rastatt:  BUCK  1931,  116)
beziehen  sich  auf  die  Bedeutung  ,Hecke,  Busch,  Buschwald'.  Im  Badischen
kann  ursprüngliches  *hursti  zu  Hürst  umgelautet  und  zu  Fürst  bzw.  Hirsch
entrundet  werden.  Hurst  m.  ,Busch,  Hecke,  Wäldchen,  bes.  Waldstücke  im
Privatbesitz,  auch  abgeholzte  und  als  Felder  benutzte4  ist  im  Elsässischen  im
Obereisass  in  Geberschweier  (Arr.  Guebwiller),  in  Dürrenzen,  Winzenheim
und  Horburg  (Arr.  Colmar)  und  im  Untereisass  in  Meisengott  (Arr.  Selestat-Erstein)
  belegt;  das  Femininum  ist  im  Obereisass  in  Winzenheim,  in  Dürrenenzen
  (Arr.  Colmar)  und  in  Ribeauville  /  Rappoltsweiler  bezeugt.  Die  Ableitung
  Gehürst  n.  ,Gebüsch,  Gesträuch'  kommt  auch  vor  (ElsWb  1,  376).  Auf
bereits  im  13.  Jahrhundert  überlieferte  Flurnamen  weist  HistWbEls  180  hin.
Das  schwäbische  Wörterbuch  (SchwäbWb  3,  1921)  kennt  Hurst,  Hürst  m.
und  dazu  die  entrundete  Variante  Hirst  m.  ,Gesträuch,  Dickicht4.187  Nach  Angabe
  des  Wörterbuchs  ist  das  Lemma  im  Schwäbischen  stets  maskulin  bezeugt:
  In  Flurnamen  ist  es  wohl  recht  häufig  anzutreffen.  Die  Schweiz
(SchweizId  2,  1640f.)  kennt  Hurst  f.  ,Strauch,  Busch;  Gebüsch4  in  den  Kantonen
  Aargau,  Basel  und  Bern,  wobei  es  als  Maskulinum  in  den  Kantonen  Basel
  und  Luzern  und  als  Neutrum  im  Kanton  Zürich  belegt  ist,  und  Hürst  n.  ,eine
  lange,  waldige  Höhe4  (auch  in  Flurnamen)* 186 188  sowie  die  Ableitung  Gehürst
m.  ,Gesträuch,  Gestrüpp'.  Das  BayWb  1,  1167  belegt  Hurst  f.  ,die  Hecke4.
Die  Bedeutungsfrage  ist  nicht  sekundär,  da  sie  womöglich  Aufschlüsse
über  das  Vorhandensein  dieses  Wortes  am  Oberrhein  geben  kann.  JELLING-HAUS
  88ff.  nennt  für  die  sächsischen  Gebiete  Westfalens  alte  -/jor.s7-Siedlungsnamen
  (deren  älteste  851  belegt  sind,  vgl.  Abschnitt  B)  mit  der  Bedeutung
  .Gestrüpp4.18  Er  ergänzt:  „In  den  Namen  [bedeutet  Horst]  ehemaliger
Wald,  meist  an  Hügelhängen,  von  dem  nur  noch  Baumstümpfe  und  Gestrüpp
übrig  sind.  Nur  in  Altsachsen  und  Südengland.44,8,8  Interessanterweise  erklärt
er  zusätzlich,  dass  diese  Gebiete  etwas  höher  lagen  als  die  umliegenden  Fluren,
  „so  daß  man  am  Rande  des  Marschlandes  dieselben  geradezu  im  Sinne
von  ,höheres,  trockenes,  weniger  fruchtbares  Land4  verstand44.  Teuchert

ls'  In  Schwaben  gilt  auch  die  Bedeutung  ,Ackerbeet,  Bifang'  (SchwäbWb  3,  1921),
eine  Bedeutung  die  auch  Vollmann  1926,  27  und  41  kennt.  SchwäbWb  3,  1921
betont  für  Schwaben  außerdem  die  Bedeutungen  ,ein  Ackerstreifen,  so  breit  als  der
Sämann  werfen  kann,  meist  zwischen  2  Wasserfurchen"  (Überlieferung  bereits  im
14.  Jh.)  und  .Reihe  abgemähten  Grases4.
186  Schweiz.  Horst  m.  .Name  mehrerer  höher  gelegener  Gegenden4  leitet  sich  her  aus
nhd.  Horst  m.  .hochgelegenes,  aus  Gesträuch  gebautes  Raubvogelnest'  ebd.
187  Vgl.  auch  Bach  II,  1,  §  362.
188  Vgl.  auch  Trier  1952,72-81.

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