Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

D. In  den  Flurnamenbelegen  des  Saar-Mosel-Raums,  deren  Überlieferung  im
14.  Jahrhundert  einsetzt,  herrscht  die  Form  mit  langem  o  vor,  die  auf  die  Hebung
  von  /ä/  >  /5/  zurückgeht.  Die  Namenformen  Lohr  und  das  etwas  weniger
häutig  begegnende  Lahr  gehören  als  dialektale  (und  wohl  auch  historische)
Varianten  zusammen.  Den  Vokal  e  (kurz  oder  lang)  zeigen  die  historischen
Belege  russelere,  rosseier  etc.,  rezent  Rosselwald,  die  seit  Beginn  des  14.
Jahrhunderts  für  die  Gemarkungen  Ensdorf,  Fraulautern,  Lisdorf  und  Schwalbach
  vorliegen.  Handelt  es  sich  bei  diesen  um  Komposita  mit  dem  Grundwort
*(h)lär-,  so  könnte  ahd.  (h)ros  n.  ,Ross‘  das  Bestimmungswort  sein.164  Nicht
auszuschließen  ist  jedoch,  dass  ein  eingliedriger  Name  vorliegt,  der  mit  dem
gehäuft  in  Südhessen  auftretenden  Flurnamen  Rossel  ,felsiger  Acker;  Steingeröll,
  bes.  an  einem  Berghang1  (HessFlnAtl  Karte  98  und  Kommentar;
SHeSSFln  782)165  zu  vergleichen  ist.  Das  mehrfache  Auftreten  (Ensdorf,
Fraulautern,  Lisdorf  und  Schwalbach,  alle  im  Lkr.  Saarlouis)  von  rosseier
scheint  für  ein  Appellativ  zu  sprechen,  ln  den  Belegen  aus  Ensdorf  und
Lisdorf  geht  jeweils  aus  dem  Kontext  hervor,  dass  russeler(e)  ein  Waldname
ist.  Alle  vier  Orte  liegen  nahe  beieinander,  sodass  es  sich  wohl  um  nur  ein
Waldgebiet  handelt,  das  sich  über  mehrere  Gemarkungen  erstreckt.
Wenn  ein  Namenwort  sich  auch  in  Siedlungsnamen  findet,  kann  das  Alter
leichter  erschlossen  werden,  da  die  Überlieferung  der  Siedlungsnamen  in  der
Regel  weiter  zurückreicht  als  die  der  Flurnamen.  Westgerm.  *(h)lär-  wurde
auch  im  Saar-Mosel-Raum  in  sekundären  Siedlungsnamen  produktiv,  daher
kann  hier  eine  alte  Überlieferung  gesichert  werden:
(11) Boler,  Gde.  Boust  (F,  Moselle,  con  Cattenom  /  Kattenhofen):  784/85
kop.  1191-1222  in  pago  Muslense  et  superßuviolo  Gandra  in  villa  que
vocatur  Fuckinseim  et  in  alio  loco  qui  dicitur  Bonelar  (WAMPACH
Echternach  I,  2,  Nr.  90),  1257  or.  Bonlar  (WAMPACH  Territorien  3,  Nr.
259),  1268  or.  Bonnelar  (AN  Pa  J  582  Nr.  19),  1298  or.  Boular
(WERVEKE  Marienthal,  Nr.  241),  1300  or.  Boulair  (AN  Lux  A  24),
1320  or.  Boylar  (WUERTH-PAQUET/WERVEKE  Luxembourg,  Nr.  6),

164  Es  vergleichen  sich  die  belgischen  Siedlungsnamen  Roeselare,  frz.  Roulers  (B,
Prov.  Westflandem):  821  kop.  ca.  1300  Roslar;  sowie  Roly  (B,  Prov.  Namur):
935/937  kop.  10.  Jh.  Roslerum.  Das  Bestimmungswort  ist  bei  diesen  nach
Gysseling  853  und  857  allerdings  germ.  rausa-  n.  ,(Schilf-)Rohr\
165  Man  vergleiche  für  das  Wort:  PfälzWb  5,  384f.  Rassel,  Rossel  f./m.,  Bedeutungen
(u.  a.)  .Kieselstein1,  .Steinhaufen1,  besonders  .Lesesteinhaufen  zwischen  Grundstücken,
  Äckern,  Weinbergen,  oder  an  deren  Wegseite1,  .Steinhaufen  im  Felde,  der
meist  mit  Dornen,  wilden  Birnbäumen  oder  Kirschbäumen  umsäumt  ist1,  .schlechtes,
  steiniges  Grundstück,  Ödland1,  .steiniger,  geröllhaltiger  Waldgrund1,  auch  Name
  einer  Waldabteilung;  ehemalige  Flurnamen:  1511  die  bach  yff  biss  gen  Rosselb,
1741  zum  Rossel.  -  Rhein  WB  7,  520:  Rossel  f,  übertragen  .Steingeröll,  auf  Feldern
zusammengelesen  und  an  felsigen  Hängen1,  auch  Stänrossel.

143
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.