Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Frühbelege  einiger  Siedlungsnamen  (Nr.  1-4)  sowie  französische  Siedlungsnamen
  mit  Anlaut  fl  als  Ersatz  für  die  germanische  Lautkombination  [hl]  (Nr.
5  und  6)  hin:ä  77
(1)  Leer  (Lkr.  Leer):  1.  H.  9.  Jh.  kop.  1.  H.  11.  Jh.  Hlerr,
(2)  Buldern,  Stadt  Dülmen  (Kr.  Coesfeld):  889  kop.  12.  Jh.  M.  Bunhlaron;
(3)  Berl  bei  Sendenhorst  (Kr.  Warendorf):  10.  Jh.  or.  Beranhlara;
(4)  Marl  (Kr,  Recklinghausen):  10.  Jh.  or.  Meronhlare;
(5)  Mouflers  (F,  Somme):  844  kop.  ca.  1088  Masflariis\
(6)  Flers-en-Escrebieux  (F,  Nord):  975  or.  Flers,* 158
Der  Ansatz  des  Namenelementes  mit  Langvokal  kann  auch  aus  dem  Flurund
  Siedlungsnamenmaterial  des  ASFSL  gesichert  werden,  da  es  hier  eine
Entwicklung  von  /ä/  zu  /5/  gibt,  vgl.  die  historischen  Siedlungsnamenbelege
von  Lhor  (siehe  unten,  Nr.  16)  und  Lohr  (Nr.  17).
Als  einer  der  Ersten  hat  Josef  SCHNETZ  zunächst  in  einer  Monographie
(1912/13)  und  dann  in  zwei  Zeitschriftenbeiträgen  (1931,  1937)  das  „Lär-Problem“
  (Zitat  SCHNETZ)  erörtert,  nachdem  es  schon  früher  eine  stattliche  Anzahl
  von  einander  ausschließenden  und  meist  unhaltbaren  Erklärungsversuchen
  gegeben  hatte,  die  in  Schnetz  1912/13,  §  III  zusammengestellt  sind.
Das  Ergebnis  seines  Deutungsversuchs  ist,  dass  lär  die  Grundbedeutung  „natürlicher
  Weideplatz“  habe.  Den  Anstoß  dazu  liefert  ihm  die  Erklärung  des
Substantivs  laer  durch  Comelis  KlLlAAN  in  seinem  Etymologicum  Teutonicae
Linguae  (  Antwerpen  1599).  Die  Stelle  lautet  wie  folgt:  laer.  Locus  incultus  et
vacuus:  solum  incultum.  Et  pascuum  publicum.  Schnetz  sieht  sich  in  seiner
Annahme  bestätigt  durch  die  Untersuchung  der  Bestimmungswörter,  welche
häufig  Pflanzen-  und  Tiernamen  sowie  Größenangaben  sind.  Aufgrund  der
Verbreitung1''9  und  dem  mutmaßlichen  Alter  hält  er  lär  für  ein  spezifisch  fränkisches
  Wort.  Da  er  aber  nicht  die  Form  lär,  sondern  hlär  für  ursprünglich  hält,
plädiert  er  für  eine  etymologische  Trennung  von  aengl.  Ices  ,Weide4  (Schnetz
1912/13,  1931  und  1937;  vgl.  auch  die  Zusammenfassung  in  SCHNETZ  1997,
69).

breitete  Erscheinung,  vor  allem  allerdings  vor  Vokalen  und  im  Wesentlichen  nur  in
der  Verschriftung  als  Hyperkorrektur.  Jedoch  wird  nur  etymologisches  [hl]  mit  frikativer
  Qualität  von  fränkischem  /h/  im  Romanischen  zu  fl  (vgl.  Haubrichs/
Pfister  2008,  256f.).  Alte  Siedlungsnamenbelege  mit  der  Lautkombination  [hl]  gibt
es  auch  in  Räumen,  in  denen  nicht  mit  romanischem  Einfluss  zu  rechnen  ist,  vgl.
hier  die  Siedlungsnamen  Nr.  2-4.
157  Die  fränkische  initiale  Lautkombination  [hl]  kann  im  Romanischen  sowohl  mit  /  als
auch  mit  fl  wiedergegeben  werden  (Gamillscheg  1970,  116f.).
158  Belege  zu  Nr.  1-6:  Gysseling  127,  203,  361,  601,  665  und  719.
139  Nordhessen,  Westfalen,  Niederrhein,  Luxemburg,  südliche  Niederlande,  Belgien,
Nordfrankreich,  außerdem  am  Main,  in  Württemberg  und  Baden,  an  der  Nahe  und
in  Lothringen  um  Thionville  /  Diedenhofen  und  Metz.
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