perior etwa für Teile Lothringens, für die Mosellande und auch für kleinere
Gebiete um Mainz, im Rheinengtal und an den Eifelrändern anhand sprachlicher
Kriterien immer deutlicher abzeichnet, dass eine intensive Frankonisierung
dieser Regionen wohl erst im 7. Jahrhundert begann (vgl. Haubrichs
2003a, 2003c und 2004b; PlTZ 199%; PlTZ/SCHORR 2003).
In der theoretischen Argumentation um die Genese von Sprachräumen
spielen neben dem Lehn- und Reliktwortschatz gerade die Namen eine herausragende
Rolle. Die toponomastischen Zeugnisse sind exakt datierbar und in aller
Regel auch im Raum präzise situierbar: Sie bieten also in der von spärlichen
schriftlichen Quellen charakterisierten Zeit der Spätantike und des frühen Mittelalters
eine hervorragende Quelle für sprachgeschichtliche Studien, vor allem
wenn sie in Kombination mit archäologischen Daten interpretiert werden.
In den genannten Gebieten konnte mit Hilfe toponomastischer Materialien
der Nachweis größerer und kleinerer romanischer Sprachinseln erbracht werden,
in denen sich sprachlebendiges Romanentum wohl über längere Zeiträume
nahezu ungestört erhielt, und die sich erst im Laufe des Frühmittelalters
allmählich auflösten.
Vor allem im Trierer Raum hat ein romanisches Bevölkerungselement die fränkische
Zusiedlung wohl über Jahrhunderte überdauert und dabei seinen eigentümlichen,
den ostfranzösischen Mundarten sehr nahestehenden Dialekt als
Zweitsprache neben dem auch hier immer mehr an Bedeutung gewinnenden Moselfränkischen
bewahrt. Vermutlich hat diese Trierer Moselromania die Francia
Rinensis mindestens bis in karolingische Zeit wie ein Querriegel durchschnitten
(Pitz/Schorr 2003, 67f.).
Durch diese Überlegungen und Erkenntnisse wird „die Frage nach den ethnischen
und sprachlichen Grundlagen des rheinischen Mitteldeutschen um eine
wichtige Komponente bereichert“ (Kleiber 1983, 155). Die sprach- und
siedlungsgeschichtlichen Verhältnisse sind auf jeden Fall regional differenziert
zu betrachten. Diese Betrachtungsweise hat sich an den historischen
Raumbildungen der merowingischen Zeit zu orientieren und das Prinzip des
kleinräumigen Vergleichs methodisch zu nutzen (exemplarisch dazu Haubrichs
1983a-b, 1999a; PUHL 1998, 1999; vgl. auch NEUß 1998, 173).
Ob das mittlere Rheinland, die Pfalz und die weiter westlich gelegenen Gebiete
des Saar-Mosel-Raums von Westen, aus dem Herzen des Merowingerreichs,
oder von Norden, aus dem Kölner Raum, fränkisch besiedelt worden
sind, bleibt nach wie vor strittig. Vielleicht stand beides nebeneinander. Die
Frage berührt im Grunde genommen das Verhältnis zwischen dem ripuarischen
Frankenreich einerseits und dem Westreich Chlodwigs und seiner
Nachfolger andererseits und hängt wesentlich mit der Interpretation der
Francia Rinensis beim spät überlieferten Geographen von Ravenna sowie mit
der ethnischen Interpretation archäologischer Forschungsergebnisse zusammen
(vgl. dazu aus philologischer Perspektive z. B. Schützeichel 1976,
84ff„ 143ff; HAUBRICHS 1999a mit der älteren Literatur, aus historischer Per¬5