Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Heisterscheid  ist  der  zuerst  1517  belegte  Name  der  Burg  bei  Heisdorf  im  Eifeikreis
  Bitburg-Prüm  (Jungandreas  1962,  503).  Der  Name  des  Waldes
Heisterscheid  bei  der  Burgruine  Koppenstein  im  Hunsrück  ist  1548  als
Heisterschitt  belegt  (ebd.).
ln  rheinischen  Flurnamen  begegnet  auch  Hees,  besonders  in  den  alten  Kreisen
  Geldern  und  Mörs,  dann  auch  im  Raum  Düsseldorf,  Heinsberg,  Kempen,
Krefeld,  Kleve,  rechtsrheinisch  nur  singulär,  nördlich  der  Ruhr  gelegen  ist  der
schon  erwähnte  Heissi-Wald,  antik  silva  Caesia  (DlTTMAlER  104f.).  Neben
Hees  und  Heister  existiert  im  Rheinischen,  zwischen  Bad  Kreuznach  und  Düren,
  noch  eine  Form  mit  Heistert,  Hestert  (RheinWb  3,  480;  Dittmaier
107).
Im  Bergischen  hat  Heister,  Hester  feminines  Genus,1  1  die  Bedeutung  ist
Junger  Baum1.  Meist  sind  damit  Buchen  bezeichnet,  früher  auch  Eichen.  Sowohl
  als  Simplex  als  auch  als  Bestimmungswort  (-bach,  -feld,  -berg,  -husch,
-feld,  -hecken,  -kamp,  -stock)  ist  es  in  zahlreichen  Siedlungs-  und  Flurnamen
vertreten  (LEITHAEUSER  1901,213).
Auch  Hees,  das  ,alte  Wort  für  Busch-  oder  Gestrüppwald1,  ist  in  bergischen
Flur-  und  Siedlungsnamen  gut  belegt,  so  z.  B.  im  Katasterbezirk  Düsseldorf:
in  der  Hessen  und  Haisberg  (LEITHAEUSER  1901,  211).  Hesper,  der  Name  eines
  Baches  in  Werden,  der  von  LEITHAEUSER  ebenfalls  zu  Hees  gestellt  wird,
wird  freilich  neuerdings  überzeugend  anders  gedeutet:  Die  historischen  Belege
  809/27  kop.  10.  Jh.  A.  super  Hesepe  riuolo,  841  kop.  10.  Jh.  A.  fluuium
Hesapa  seien  aus  einem  altgermanischen  Gewässernamen  *Hasupö-,  zu
*haswa-  ,grau‘,  herzuleiten,  so  GYSSELING  490.
Im  Hessischen  steht  das  Wort  im  16./17.  Jahrhundert  stets  für  die  Buche,
teils  als  Simplex,  teils  als  Kompositum  Buchenheister  (VILMAR  161;  Buchenheister
  auch  im  SHessWb  1,  1  192).  Das  Nassauische  Namenbuch  nennt  zahlreiche
  Gemarkungsnamen,  in  denen  Heister  als  Simplex,  Grundwort  oder  Bestimmungswort
  vorkommt  (Kehrein  1872,  447f.).  Im  südhessischen  Flurnamenbuch
  lautet  ein  Beleg  von  1593  hej  den  heystern  (SHessFln  480).  Ob  der
Flurname  Heistenberg  (mda.  haisder-)  in  der  südlichen  Wetterau,  der  1590  als
heisten  berg  belegt  ist,  zu  Heister  gehört  (so  bei  VlELSMEIER  1,  1995,  210),  ist
fraglich;  vielleicht  liegt  sekundäre  (volksetymologische)  Angleichung  vor.
Im  Luxemburgischen  existiert  Heister  nur  noch  redensartlich:  duurch  den
Maischt  erduld  /  Däischterwald  dreiwen  bedeutet  ,in  die  Enge  treiben,  verwirren1
  (LuxWb  1,  189  und  2,  145),  während  für  den  angrenzenden  Saargau  das
Maskulinum  Hääschder  ,  Busch  allg.;  Hainbuche1  nachgewiesen  wird
(CONRATH  89).
Die  Pfälzer  Mundart  kennt  das  Appellativ  als  Heister  (alte  Landkreise
Rockenhausen  und  Bergzabern)  sowie  als  Heischder  (alter  Kr.  Ludwigshafen

150  Es  handelt  sich  wohl  um  das  sog.  unorganische  -t  wie  in  Obst,  Papst,  Habicht  etc.
151  So  auch  bei  Woeste  100.

135
            
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