Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

C. Das  Wort  hat  je  nach  Mundart  unterschiedliche  Bedeutungen:  ,eingehegtes
Land1  in  weiten  nordwestlichen  Bereichen,  d.  h.  in  den  Niederlanden  (nach
DWB  10,  308  ist  Hamm  m.  ,eingehegtes  Land4,  „ein  vorzüglich  niedersächsisches
  und  friesisches  Wort44),  vgl.  mnl.  ham,  hem  m./f.  ,eingefriedetes
Land4  (MnlWb  3,  63f.);’~  am  Niederrhein,  im  Rheinland,  sowie  im  übrigen
niederdeutschen  Sprachgebiet,  vgl.  asächs.  hamm  m.  (HOLTHAUSEN  1954,30),
mnd.  ham,  hamme,  nnd.  Hamm,  Hamme  ,Winkel,  Bucht,  Wiese4,  in  Mitteldeutschland
  und  darüber  hinaus  im  englischen  und  friesischen  Gebiet  (aengl.
ham,  ham(m),  hom(m)  st.  m.  .Weideland;  Wiesenland;  eingefriedetes  Land4;
OED  6,  1053),  vgl.  afries.  ham,  hemm  (ostfries.),  him  (westfries.)  m.  ,durch
Graben  (und  Deich)  eingefriedetes  Marschland,  Weide;  eingehegter  Kampfplatz,
  Ring  (beim  gerichtlichen  Zweikampf)4  (AfriesHdWb  210),  nordfries.
Hamm,  Haam,132 134
Im  Rheinischen  bzw.  im  Westmitteldeutschen  bedeutet  das  Wort  auch
,Flussufer;  Bucht  im  Flusse,  äußerer  bzw.  größerer  Bogen  einer  Flusskrümmung4
  (vgl.  auch  mnl.  hamme,  ham  f.  .Bucht  im  Wasser4  [MnlHdWb
236],  mnd.  ham,  hamme,  nnd.  Hamm,  Hamme  .Winkel,  Bucht,  Wiese4)  sowie
.Abhang,  Böschung  am  Strassengraben4  (an  der  Mosel).
Das  Oberdeutsche  zeigt  mit  Hamm  f.  .Hinterschenkel4  eine  völlig  verschiedene
  semantische  Entwicklung.  Althochdeutsch  ist  hamm,  hamma  f.  Kniekehle4
  (AhdWb  4,  667f.)  belegt,  vgl.  mhd.  hamme  st.  sw.  f.  ,Hinterschenkel;
das  sich  biegende  Glied4  (Lexer  1,  1164);  inwiefern  das  Wort  zu  ahd.  hamm,
hamma  f.,  mhd.  hamme  st.  sw.  f.  zu  stellen  ist,  dazu  vgl.  oben  Abschnitt  B.
Vgl.  aber  auch  die  parallele  Bedeutungsentwicklung  im  englischen  und  niederländischen
  Sprachraum:  aengl.  ham(m),  hom(m)  st.  m.  .Kniebeugung;  Hinterschenkel4,
  so  wie  mnl.  hamme,  ham  f.  ,Kniebeugung;  Schenkel4  (MnlHd-Wb
  236).
Die  semantische  Komplexität  des  Wortes  ergibt  sich  auch  aus  der  Auswertung
  der  einschlägigen  rezenten  Dialektwörterbücher  und  Flurnamenarbeiten:
Das  PfäLzWb  3,617  meldet  (im  appellativischen  Gebrauch)  Hamm,  Hammen
m.  .grasiger  Abhang4  und  .Flussufer4,  ohne  Hinweise  auf  Flurnamen.  Zink
1923,  147  meldet  für  die  Pfalz  mehrere  mit  -hamm  gebildete  Flurnamen  in  der
möglichen  Bedeutung  .Flussbiegung4,  z.  B.  1210  in  hammen  (Langenlosheim
a.  d.  Nahe),  1401  ein  auxve  gelegen  in  dem  Ryne  gein  Ascheymer  hamme  über.

Angelsachsen,  in:  Rudolf  SCHÜTZEICHEL/Matthias  Zender  (Hgg.):  Namenforschung.
  Festschrift  für  Adolf  Bach  zum  75.  Geburtstag  am  31.  Januar  1965,  Heidelberg
  1965,  300-312,  hier  308f.
132  Mnl.  hem  m.  ,ein  durch  Gräben  eingeffiedetes  Stück  Land1  ist  als  Appellativ  zuerst
in  einer  nordholländischen  lateinischen  Urkunde  von  1182-1206  belegt  (Lerchner
1965,96).
133  Eine  Nebenform  mit  Umlaut.
134  Vgl.  Lerchner  1965,95.

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