Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

nordfries.  Hamm,  Haam  ,ein  Landkomplex  mit  mehr  oder  weniger  natürlicher
Begrenzung,  welcher  der  Gemeinde  zu  bestimmten  Zwecken  diente‘  in  der
ursprünglichen  Bedeutung  ,Land  in  einer  Flussbiegung4,  dann  ,Landzunge,
Flusswiese,  umgrenztes  Stück  Acker,  Weide4,  aber  auch  ,Waldgebiet4  und
dann  sekundär  Befestigung4.  In  Schleswig-Holstein  kommt  auch  die  umgelautete
  Nebenform  Hemme  vor.  Wahrscheinlich  liegt  LERCHNER  1965,  95ff.
richtig,  wenn  er  die  von  IEW  555  vorgeschlagene  Trennung  von  hamm  ,eingefriedetes
  Land4  (vgl.  das  Verb  hemmen  .hindern4  zur  gut  belegten  idg.  Wurzel
  *kem-  ,zusammendrücken,  pressen,  hindern4,  mit  Ablaut  *komo-  Eingeengtes4,
  wobei  diese  Bedeutung  nur  germanisch,  d.  h.  im  Friesischen  und  z.  T.
im  Niederdeutschen,  begegnet)  und  ahd.  hamma  ,Hinterschenkel,  Kniekehle4,
aengl.  hamm,  zu  *kondmo-  ,Schienbein,  Knochen4  (IEW  613f.),  für  nicht
gerechtfertig  hält.  Beide  Wörter  dürften  etymologisch  zusammengehören  und
differenzieren  sich  in  der  Semantik  und  in  der  räumlichen  Verbreitung:  Es
wird  germ.  *hamma-  ,eingehegtes  Land4  angesetzt,  während  die  umgelauteten
Formen  in  der  gleichen  Bedeutung  auf  germ.  *hamja-  oder  *hamjö-  zurückzuführen
  sind;  währenddessen  bildet  germ.  *hammö-  .Hinterschenkel4  die
Grundlage  der  oberdeutschen  Form,  bei  gleicher  Grundbedeutung  der  Wurzel
mit  abweichender  Stammbildung  und  völlig  verschiedener  semantischer  Entwicklung.

Hamm  m.  ,Flusskrümmung4  ist  in  der  Germania  und  in  der  Romania  bereits
in  älteren  Siedlungsnamen  belegt,  vgl.:
(1)  Hamm  am  Rhein  (Lkr.  Alzey-Worms):  782  in  Hammo,  789  in  Hamme
(Glöckner  1963,  Nr.  1860,1452;  ShessWb  3,  74);
(2)  Hamma,  unbek.,  an  der  Maasbeek  (B,  Prov.  Westflandern,  Arr.  Brügge):
  888  kop.  961  in  loco  nuncupante  Hamma  super  fluv  io  Marsbeke
(Gysseling  444);
(3)  tHam  bei  Burstede  (NL,  Prov.  Utrecht):  918/48  inter  Holanuuehg  et
Fengrimahuson  Ham  (Künzel/Blok/Verhoeff  163);
(4)  Hamm  (Eifelkreis  Bitburg-Prüm):  1052  Ham  (GYSSELING  444);
(5)  Han-sur-Meuse  (F,  Meuse,  con  Saint-Mihiel):  1105  kop.  apud  Haum
[<  *Hamm],  1195  or.  Hamum  supram  Mosam;m
(6)  Hamm  an  der  Sieg  (Lkr.  Altenkirchen):  1131  Hamm  (GYSSELING  444);
(7)  Hamm,  Stadt  Luxemburg  (L,  Kt.  Luxemburg):  1140  Ham  (ebd.);
(8)  Hamme,  Stadt  Bochum:  1150  Hemme  (Jellingfiaus  75);
(9)  Ham-sous-Varsberg  (F,  Moselle,  con  Boulay-Moselle  /  Bolchen):  1181
Hamps  (HAUBR1CHS  1992,  656),  1231  Harns  (ebd.),  1279  or.  lat.  johanes
  ...  dictus  de  ham  (AD  Mos  H  1727),  1283  or.  frz.  la  court  de
Hamp  (AD  MM  B  566  Nr.  10),  1283  kop.  1485-1540  dt.  ham  /  gegen
han  by  Warsperg  (AD  Mos  10  F  3  fol  38v  u.  39),  1284  frz.  ham  unter

129 Haubrichs  1992,  656:  „Der  Ort  liegt  in  einer  Flußschlinge  der  Maas.  Das  ist  charakteristisch
  für  zahlreiche  westdeutsche  *  hamma-Orte.“

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