Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

1.2.  Der  Saar-Mosel-Raum  im  Kontext  einer  interdisziplinären
  Diskussion
Die  Fragestellungen,  die  aus  der  besonderen  Lage  des  Saar-Mosel-Raums  an
der  Schnittstelle  zwischen  nördlichen  und  südlichen  Einflüssen  resultieren,
und  das  damit  verbundene  Problem  der  sprachlichen  und  siedlungsgeschichtlichen
  Genese  dieses  Raumes  sind  in  einen  interdisziplinären  Diskurs  einzubetten:
  Allein  die  Rekonstruktion  der  sprachlichen  Varietäten,  die  man  gemeinhin
  unter  dem  Begriff,westgermanisch1  resümiert,  beschäftigt  schon  seit
langem  verschiedene  Fachwissenschaften.  Nicht  nur  die  Philologien,  sondern
auch  die  Geschichtswissenschaft  und  die  Vor-  und  Frühgeschichte  tragen  ergänzend
  zur  intensiven  interdisziplinär  geführten  Grundlagendiskussion  bei
(Besse  1997;  Buchmüller-Pfaff  1990;  Kunz  2000;  Haubrichs  1987a,
1994,  2003b,  2007b;  Jochum-GodglüCK  1995;  PlTZ  1997,  2003b;  Puhl
1999;  Schorr  1993,2000;  Stein  1989).
1.3.  Forschungsstand
Dass  eine  sprachhistorische  Beschreibung  der  Gebiete  des  Saar-Mosel-Raums
nur  in  enger  Verknüpfung  mit  der  Sprach-  und  Siedlungsgeschichte  der  gern
der  Franci  möglich  ist,  ist  von  der  Forschung  seit  langem  erkannt  und  unterschiedlich
  dargestellt  worden.  Diesbezüglich  stellt  sich  die  Frage
[...]  der  Genese  der  in  ihren  Resten  beschreibbaren  historischen  Sprachen  des
Altenglischen,  Altfriesischen,  Altsächsischen,  Altniederfränkischen  (bzw.  Altniederländischen),
  Althochdeutschen  und  Langobardischen  aus  unterschiedlichen,
  freilich  untereinander  in  komplexen  Verwandtschaftsbeziehungen  stehenden
  gentilen  Varietäten,  die  man  unter  dem  Begriff  westgermanisch‘  zu  subsumieren
  pflegt  (Pitz/Schorr  2003,  62).
Die  Entstehung  der  von  der  gens  der  Franci  gesprochenen  westgermanischen
  Varietät  wird  in  der  Forschung  differenziert  diskutiert  (Haubricfis
1996,  1998,  1999a;  NEUß  1998,  171  ff.;  Runde  1997;  Tiefenbach  1998).  Bereits
  im  3.  Jahrhundert,  als  die  Franken  in  historischen  Quellen  greifbar  werden,
  ist  ihr  Stammesverbund  aus  zahlreichen  kleineren  Gruppierungen  zusammengefugt.
  „Die  vorherrschenden  Elemente  gehören  -  so  nimmt  man  inzwischen
  an  -  wohl  in  ,weser-rheingermanische‘  Zusammenhänge,  wobei  sich
Bezüge  zu  den  ursprünglich  nicht  zu  den  Franken  zu  rechnenden  Chatten/
Hessen  im  germanischen  Altsiedelland  wahrscheinlich  machen  lassen“  (PlTZ/
SCFtORR  2003,  63).  Um  die  Mitte  des  4.  Jahrhunderts  beginnt,  ausgehend  von
ihren  ursprünglichen  rechtsrheinischen  Territorien,  die  allmähliche  Expansion
der  Franken  in  die  Gebiete  des  Römischen  Reiches  (BÖHME  1974,  1996,
1998;  EWIG  1997,  1  Off.);  dabei  kam  der  recht  heterogene  ,  Stammesschwarm  ‘
im  Westen  in  Kontakt  mit  Sprechern  galloromanischer  Mundarten,  im  Süden
mit  den  eine  ,elbgermanische'  Varietät  sprechenden  Alemannen.  Auch  im  Os¬3


            
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