Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Dehnungs-/,  ist  ebenfalls  im  moselfränkischen  Teil  des  Untersuchungsgebiets
nachgewiesen:  Die  entsprechende  amtliche  Form  ist  meistens  Greth.
Eine  auffällige  Verbreitung  im  Untersuchungsraum  hat  die  Variante  Graf.  Im
sogenannten  Krummen  Eisass  und  im  rheinfränkischen  Lothringen  ist  in  Flurnamen
  (mit  historischen  Belegen)  die  Variante  Grat  belegt;  dies  korrespondiert
mit  dem  appellativischen  Beleg  aus  dem  ElsWb  1,  284,  wo  Grat  f.  ,Rinne  im
Boden,  Querfurche  im  Acker,  die  zur  Entwässerung  dient1  in  den  lothringisch
sprechenden  Gebieten  westlich  der  Vogesen  vorkommt.  Flistorische  Belege  sind
bereits  im  15.  Jahrhundert  nachweisbar,  vgl.  Helstroff:  15.  Jh.  E.  kop.  16.  Jh.  dt.
vff  die  grafte.  Vielleicht  gehören  die  Belege  in  Nalbach:  18.  Jh.  dt.  zwischen  den
graten,  Niedaltdorf:  1488  kop.  16.  Jh.  dt.  vff  rumlinger  graften  relikthaft  als  erlöse
  Form  von  nicht  umgelautetem  Gracht  auch  dazu.
Hist.  Gradt,  aber  amtl./mda.  Gret/Grät  ist  im  moselfränkischen  Merzig-Wadern
  und  im  rheinfränkischen  Arr.  Boulay-Moselle  /  Bolchen  belegt.
Ferner  ist  die  mda.  Variante  greint  (amtl.  Gret/Grat)  zu  verzeichnen:  Sie
taucht  im  Untersuchungsraum  in  den  moselfränkischen  Landkreisen  Merzig-Wadern
  und  Saarlouis  (auch  mit  stimmloser  Anlautokklusive  -k)  auf,  vgl.
z.  B.:  Bietzen:  amtl.  Auf  die  Weihersgräth  [of  di:  'vamjgremt],  Düppenweiler:
amtl.  Vogelgrat  ['fmolsgremt],  Fremersdorf:  amtl.  Auf  Hasenbruchgräth  [of  du
homzo'pruxs  kremt].
Zusammenfassend  kann  man  sagen,  dass  das  Lemma  im  Untersuchungsraum
  überwiegend  in  Flurnamen  des  nördlichen  Saarlandes  belegt  ist  vorwiegend
  mit  dem  charakteristischen  moselfränkischen  Ausfall  des  ch  und  Ersatzdehnung
  des  Vokals.  Es  lässt  sich  außerdem  erkennen,  dass  die  Flurnamen
von  Westen  nach  Osten  immer  seltener  werden.  In  Lothringen  kommen  sie  bis
Nied  und  Rossel  vor;  ein  (spärliches)  Vorkommen  der  Belege  -  auch  in  historischen
  Zeugnissen  -  in  Reliktlage  an  der  oberen  Saar  lässt  wohl  erkennen,
dass  dieses  Wort  einst  bis  an  den  Westrand  der  Vogesen  verbreitet  war.1  Das
Wort  ist  eindeutig  in  nördliche  Zusammenhänge  einzuordnen.
Ferner  ist  die  Lautvariante  Graft  zu  bewerten:  Sie  ist  im  Untersuchungsraum
  relikthaft  belegt,  und  zwar  an  der  oberen  Saar  und  im  Krummen  Eisass
mit  Ausläufern  im  nördlichen  Teil  des  Untersuchungsraums.  Es  handelt  sich
dabei  um  den  Reflex  der  oberdeutschen  Form  Graft  f.  ,Graben1,  die  in  historischen
  Flurnamen  im  Eisass  (HistWbEls  152)  und  -  in  anderer  Form  -  im
Oberdeutschen  nachzuweisen  ist  (Buck  1931,  88,  mit  aus  dem  8.  Jahrhundert
stammenden  Belegen,  jedoch  mit  der  Ablautform  Grift).  Die  Pfalz  kennt  die
Ablautform  Gruft,  die  nach  Christmann  1938,  26f.  für  Schiersfeld  bei
Obermoschel  in  der  Nordpfalz  für  1482  jnn  der  krofften,  1606  jnn  der  Grufft
und  1619  Krufft  urkundlich  belegt  ist  (zum  Appellativ  vgl.  PfäLZWb  3,  465).

126  Vgl.  dazu  Schorr  2000,  45.  Zu  den  saarländischen  Belegen  vgl.  auch  Christmann
1938,  26f.  Über  die  Flurnamen  im  Saarbrücker  Raum  vgl.  Bauer  1957,  267f.  und
Karte  4.
            
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