henden Mittelalter entlang des Rheins nach Norden zurückgedrängt wurden.
ln den Niederlanden wird der Lautwandel nicht in allen Gegenden durchgeführt:
Die Mundarten der Küstenlandschaft bewahren /ft/.1 19
Die heutigen Mundarten des gesamten friesischen Raumes kennen den
Lautwandel, wobei hier die ostfriesischen Mundarten ein Nebeneinander von
-ft- und -c/?/-Formen zeigen.1"11 Auch die schleswig-holsteinische Sprachlandschaft,1"1
das niedersächsische Gebiet und die hamburgische Gegend (s. u.)
kennen sowohl Formen mit -cht- als auch mit -ft-.
Im HambWb 2, 394 ist Gracht, Graft f. .breiter Graben, Kanal4 mit appellativischem
Gebrauch und Hinweisen auf Flurnamen belegt. Für das 16. und
17. Jahrhundert meldet das Wörterbuch nur Formen mit//. Das SchleswHWb
2, 462f. verweist auf Gracht f. ,der breite Graben um den Marschhof mit den
Varianten Graft und Grajf. Das NsäCHSWb 5, 660f. weist Graft, Gracht f.
.Graben4 auf, ohne Hinweise auf Flurnamen. Ferner sind Graft, Gräft f. .Graben
oder Ausgraben von Würmern zum Fischgang4 und Graft n. ,Grab, Grabstelle4
aufgefuhrt. Das Westfälische kennt Gracht f. .kleiner Graben4, Jede
grabenartige Vertiefung, sogar eine Holzrinne4 (WOESTE 83). Ostfriesisch ist
Gracht f. .Graben' neben Graft f. ,Grab; Graben oder Ausgraben z. B. von
Würmern zum Fischgang4 belegt (TEN Doornkaat KOOLMAN 1, 672).
In den rheinischen Mundarten ist der Lautwandel /ft/ > /xt/ allgemein eingetreten.
Charakteristisch für das Moselfränkische ist außerdem Ausfall des /x/
und Ersatzdehnung des Vokals (RheinWb 2, 1337f.)- Die Bedeutung .Wassergraben;
der Graben zu beiden Seiten der Landstrasse, alter Dorfgraben;
kleiner Graben zwischen Wiesen, mit Wasser gefüllt; vom Regen ausgehöhlte
Rinne4 ist appellativisch durchweg belegt. In Flurnamen kommt Gracht f.
(mda. auch Groicht) .Wassergraben, Straßenrinne, Bach im Dorf, Bergschlucht4
im Moselfränkischen, im Norden (linksrhein.) des ripuarischen Dialektraums
und im Süden (linksrhein.) des niederfränkischen Gebiets vor, vgl.
z. B. den historischen Flurnamen 1554 Scherfgens Gracht (Bergheim, Rhein-Erft-Kreis).
Die Lautvariante Grat ist in historischen Flurnamen des Rheinfränkischen
und des Moselfränkischen - Saarbrücken, Saarlouis, Merzig,
Saarburg - belegt,114 122 vgl. auch die Abschnitte A und D. Das Luxemburgische
114 Vgl. Hermann Jellinghaus: Die niederländischen Volksmundarten. Nach den Aufzeichnungen
der Niederländer. Norden/Leipzig 1892, 102f. Vgl. auch Moermann
1956, 75f., Schönfeld 1950, 67, 141, 161 und 166. Zum Lautwandel vgl. MndGr
§ 296. Eine Übersicht über den Lautwandel am Mittelrhein bietet Schützeichel
1955.
120 Vgl. Gildemacher 1993, 265-270; vgl. den Ortsnamen Graft (Nordholland), 12.
Jh. kop. ca. 1420: in Greft tres uncias (Künzel/Blok/Verhoeff 153).
121 Zu Flurnamen vgl. Clausen 1988, 43.
I2‘ Vgl. Dittmaier 90ff. und Karte 18; die Karte ist als Abb. 17 hier nochmals abgedruckt.