Ältere Siedlungsnamen sind:
(1) Gracht, unbek., bei Veurne (B, Prov. Westflandern): 1128 Graf’ 1129
Fossa de Grat, 1131 Gratf 1187 Grath (Gysseung 419);112
(2) Gracht, unbek., bei Schelderode (?) (B, Prov. Ostflandern): 1189 Grat
(ebd.).
C. Der Lautwandel von /ft/ zu /xt/ ist charakteristisch für die niederländischen
Mundarten (außer den Küstenmundarten) und die niederländische Hochsprache
sowie für die Mundarten des westlichen niederdeutschen Raumes und für
den mittelfränkischen Dialektraum.11' Generell kommt das Lemma Gracht in
den niederländischen und niederdeutschen Sprachgebieten vor, entlang der
germanisch-romanischen Sprachgrenze bis in den Saar-Mosel-Raum, wo es
als Appellativ und als flurnamenbildendes Wort zu finden ist.
Interessante Aufschlüsse über den Lautwandel von /ft/ (hier aus vordt. pt)
zu /xt/ ergibt die Lautgeographie unter Heranziehung der diachronischen und
diatopischen Ausbreitung der Formen."4 Nach SCHÜTZEICHEL 1955, 275 wäre
der Lautwandel aufgrund ältester schriftlicher Namenzeugnisse vor allem im
trierisch-luxemburgischen und Koblenzer Raum"2 „in einem westlichen
Grenzsaum gegen romanisches Gebiet“ entstanden,1"’ wobei Erstbelege bereits
im 8. Jahrhundert aufitreten, vgl. den Ortsnamen Echternach < -ft- < Epternacum
(8. Jahrhundert)." Der Lautwandel breitete sich dementsprechend
vom Westen in die nieder- und mittelfränkischen Gebiete aus,IK und erfasste
die niedersächsischen und schließlich auch die friesischen Mundarten. Die
SCHÜTZElCHELsche These stützt sich weiterhin auf die Annahme südnördlicher
Sprachströmungen, durch welche die -cht- Formen dann seit dem ausge¬112
Vgl. auch Förstemann II, 1, 1088; ansonsten nennt er nur Belege mit -ft-.
113 Schützeichel 1955; MhdGr § E 39.
114 Über die Ursprünge dieses Lautwandels ist sich die Forschung nicht einig; Das Auftreten
von /xt/ für /ft/ im Niederländischen hatte einst Ascoli dazu gebracht, ans
Keltische zu denken (Graziadio lsaia Ascoli: Sprachwissenschaftliche Briefe,
Leipzig 1887, 22f.). Theodor Frings in seiner Geschichte der deutschen Sprache
geht von einem „belgisch-keltischen“ Substrat aus (Theodor Frings: Grundlegung
einer Geschichte der deutschen Sprache, 2. Auflage, Halle a. d. Saale 1950, 40),
was sehr zweifelhaft scheint, da das Galloromanische den Lautwandel nicht kennt,
so Schützeichel 1955.
115 Vgl. dazu Buchmüller-Pfaff 1990, 183 und 650ff.
116 Frings 1961, 387 denkt eher an einen zentralen Vorgang „im nordwestlichen
Westgermanisch, auf der Mitte zwischen niederländischer Küste und Weser“.
11 Buchmüller-Pfaff 1990, 183 und650ff.
1 ls Diese Erscheinung würde also vom Fränkischen ausgehen: die politische Macht und
die territoriale Expansion der Franken würden die außersprachlichen Grundlagen
für die charakteristische Ausbreitung dieses Phänomens bilden.
115