Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

1.  Einleitung  (Maria  Völlono)
Ziel  der  vorliegenden  Studie  ist  eine  exemplarische  Beschreibung  der  wortgeographischen
  Stellung  des  Saar-Mosel-Raums  auf  namenkundlicher  Grundlage.
  Zur  Beurteilung  der  wortgeographischen  und  siedlungsgeschichtlichen
Stellung  des  Saar-Mosel-Raums  erschien  eine  Analyse  der  Flurnamen  besonders
  geeignet,  da  der  in  ihnen  konservierte  altertümliche  landwirtschaftliche
Sachwortschatz  zu  den  Denotatklassen  gehört,  die  sich  weniger  leicht  als  andere
  von  aktuellen  sprachlichen  Entwicklungen  verfremden  und  verdrängen
lassen,  oder,  wie  es  Wolfgang  Kleiber  ausgedrückt  hat,  die  „geradezu  am
Boden  kleben“  (KLEIBER  1975,  148).  „Nicht  zuletzt  die  dem  Appellativbereich
  noch  am  nächsten  stehenden  Flurnamen  eignen  sich  hervorragend  als
Quelle  für  die  historische  Dialektgeographie“  (Debus  1983,  932),  denn  sie  erfüllen
  die  an  historische  Quellenbelege  für  wortgeschichtliche  Studien  zu  richtenden
  Grundanforderungen  wie:  Nähe  zur  sprachlichen  Grundschicht,  eindeutige
  Lokalisierbarkeit  und  Datierbarkeit  sowie  relativ  dichtes  Vorkommen.
Materielle  Grundlage  der  Untersuchung  war  die  große  Sammlung  von  Siedlungs-
  und  Flurnamen  (ca.  500.000  Einzelbelege  samt  entsprechendem  Datensatz)
  aus  dem  Saarland,  dem  östlichen  Lothringen  und  den  westlich  der  Vogesen
  gelegenen  Teilen  des  Eisass  (sogenanntes  Krummes  Eisass).1  Vor  allem
sollte  der  für  die  Genese  des  westmitteldeutschen  Sprachraums  nicht  unwesentlichen
  Frage  nachgegangen  werden,  ob  sich  im  Namenschatz  des  Saar-Mosel-Raums
  auf  lexikalischer  Ebene  alte  Verbindungen  zu  den  ripuarischen
und  niederfränkischen  Dialektgebieten  im  Norden  und  Nordwesten  nachweisen
  lassen,  die  sich  dann  durch  von  Süden  vordringende  Neuerungen  immer
mehr  abgeschwächt  hätten2 *  (zu  ersten  Ergebnissen  in  dieser  Frage  vgl.  Haubrichs
  2004a,  2005;  Kunz  2008,  2009;  Pitz  2005;  Pitz/Schorr  2003;
VÖLLONO  2008).  Ansätze  und  Versuche  zu  einer  solchen  Rekonstruktion  im
Bereich  der  Lexik  wurden  bislang  nicht  in  erschöpfender  Weise  durchgeführt,
eine  Lücke,  die  durch  die  vorliegende  Studie  verringert  werden  konnte.  Im
Einzelnen  wurden  zur  Klärung  der  genannten  Fragestellung  Namenartikel  zu
ausgewählten,  im  Untersuchungsraum  vorkommenden  ,Nordwörtern4  und
,SüdwÖrtem4  angelegt.  Auf  der  Grundlage  der  in  den  Namenartikeln  gegebenen
  Einzeluntersuchungen  des  Flurnamenmaterials  wurde  eine  relative  Chronologie
  der  Namenwörter  erstellt;  so  konnten  einzelne  Flurnamenschichten
geschieden  werden,  deren  Analyse  wesentliche  Erkenntnisse  zur  Siedlungsgeschichte
  des  Saar-Mosel-Raums  sowie  zu  dessen  wortgeographischer  und
sprachgeschichtlicher  Stellung  erbracht  hat.

Vgl.  Kapitel  2.1.
2  Vgl.  Christmann  1938:  Er  geht  von  einer  Umgestaltung  der  ehemals  mehr  niederdeutsch-niederrheinischen
  Mundarten  der  Saarpfalz  durch  oberdeutsch-alemannische
  Einflüsse  aus  (S.  38  und  40).

1
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.