Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

der  Flurname  im  Raum  Bitburg-Trier-Saarburg  (JUNGANDREAS  1962,  309f.).
Die  Pfalz  hat  das  Appellativ  wie  aueh  den  Flurnamen  Driesch,  Dreisch,  Dreis,
Driescht  ,unbebautes  Land;  Ödland,  das  bestenfalls  als  Viehweide  dient4;  es
fällt  auf,  dass  hier  als  drittes  Genus  auch  das  Femininum  vertreten  ist,  und
zwar  im  nördlichen  Teil  des  Verbreitungsgebietes,  welches  hauptsächlich  die
Westpfalz  umfasst;  in  der  fruchtbaren  Vorderpfalz  ist  das  Wort  weitgehend
unbekannt.  Auch  das  Adjektiv  ist  für  diesen  Raum  belegt;  als  Flurname
kommt  Driesch  auch  als  Grund-  und  Bestimmungswort  zahlreicher  Komposita
  vor  (PfäLZWb  2,  505f.;  Zink  1923,  150).  Im  Saarbrücker  Land  herrscht  das
Maskulinum  in  der  Bedeutung  ,Brachweide;  trockene  Wiese;  kleine  Wiese4
vor  (SCHÖN  51).  Die  moselfränkische  Mundart  an  unterer  Saar  und  Obermosel
kennt  die  neutralen  Substantive  Dre.isch  .Brache,  Brachland4  und  Driesch
.Ödland4  sowie  das  Adjektiv  dre.isch  .brach4  (CüNRATH  40f.).  In  Luxemburg
hat  Dreisch!  Treis  eh,  Dreesch  m.,  Dreischer  PI.  die  Bedeutung  .unbeackertes,
liegen  gelassenes  Ackerland,  das  durch  Selbstbesamung  mit  einer  Grasnarbe
überzogen  ist4;  das  Adjektiv  dreisch  bedeutet  .unbeackert4  (Anen  1945,  122;
Lux  Wb  1,  226).  Für  Lothringen  gilt  allgemein  die  Form  Driesch,  in  Puttelange-aux-Lacs
  /  Püttlingen  (c011  Sarralbe)  Triesch,  in  Lixing-les-Rouhling  (con
Sarreguemines-Campagne)  Triisch,  in  Thionville  /  Diedenhofen  und  Sierckles-Bains
  Dreisch;  die  Bedeutungen  sind  .brachliegendes  Land;  Trift,  Weideland4
  (DtLothrWb  103).  Südlich  im  Untersuchungsraum  und  daran  anschließend
  begegnen:  das  Adjektiv  driesch  in  drei  westlich  der  Vogesen  gelegenen
  Orten  (Harskirchen,  Oermingen  und  Waldhambach)  des  Arr.  Saverne  /
Zabern  (ElsWb  2,  766)  sowie  das  Schwäbische  mit  einem  singulären,  wohl  als
fachsprachlich  zu  deutendem  Vorkommen  im  Welzheimer  Wald  zwischen
Stuttgart  und  Aalen  in  der  Lautform  Dreusch  (Dittmaier  1960,  714;
SchwäbWb  2,  375);  dem  Badischen  und  Schweizerischen  fehlt  das  Wort  ganz.
D. Im  historischen  und  rezenten  Flurnamenmaterial  des  ASFSL  finden  sich  in
erster  Linie  die  Varianten  d(t)riesch,  d(t)ri(s)ch,  d(t)re(s)ch,  d(t)reisch,
d(t)rüsch,  m./n.,  als  Plural  d(t)rieschen,  d(t)rieschern.  Diese  Lautvarianten,
wie  auch  die  in  Abschnitt  C  verzeichneten,  erklären  sich  aus  der  Entwicklung
des  germ.  /eu/  zu  den  ahd.  Diphthongen  /eo/  und  /iu/  (AhdGr  §  47);  aus  ersterem
  resultieren  über  die  Zwischenstufe  /io/  ahd.  und  mhd.  /¡e/,  während  der
ahd.  Diphthong  /iu/  spätahd.  zu  langem  Monophthong  /ü/,  geschrieben  (iu),
wird  (MhdGr  §  L  44).  Ferner  spielen  spontane  Lautwandel  und  mundartliche
Sonderentwicklungen  eine  Rolle.  Die  gelegentlich  in  Zusammenhang  mit
Driesch  gebrachten  Toponyme  wie  z.  B.  Dreis  bei  Wittlich  oder  die  häufiger
vorkommenden  Dreisbäche,  vgl.  Förstemann  II,  1,  741  f.,  gehören  wohl
kaum  hierher,  sondern  eher  zu  ahd.  *  dreis  .wallende,  sprudelnde  Quelle4
(Dolch/Greule  1991,  108);  daher  sind  entsprechende  Belege  aus  dem
Untersuchungsraum  hier  nicht  berücksichtigt.
Dass  sowohl  maskulines  als  auch  neutrales,  vereinzelt  gar  feminines  Genus
auftritt,  mag  daran  liegen,  dass  zunächst  das  Adjektiv  entstanden  ist  (das  se¬95


            
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