Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

(Hard  1963,  282f).  In  den  südlichen  Niederlanden  und  am  Niederrhein  ist
schon  im  späten  Mittelalter  eine  Bedeutungsverschiebung  zu  ,Gemeindeweide1
  {ghemeene  weide  /  pascuum  publicum)  eingetreten;  wegen  Unrentabilität
wurden  diese  Driesche  nicht  mehr  umgebrochen,  sondern  als  Dauerweide  für
alle  Nutzungsberechtigten  der  Gemeinde  hegen  gelassen,  also  der  Allmende
zugeschlagen  (Foerste  1966,  59f.).  Von  Westflandern  bis  nach  Aachen  und
Köln  schließlich  kann  der  Driesch  auch  ein  Dorfanger  (dorpsplein)  sein
(Gysseling  1975,  259).  Hier  ist  der  Driesch  ein  Teil  einer  Siedelform,  die  bis
in  das  Hochmittelalter  zurückgeht:  Es  handelt  sich  um  die  ,Platzsiedlung‘,  das
ist  ein  Platz  oder  Anger,  der  Driesch  genannt  wird  und  der  von  mehreren  Hofstellen
  umgeben  ist;  der  Driesch  selber  dient  dabei  als  Weideplatz  oder  auch
als  Gerichtsort  (LexMa  3,  1400).  Kaum  noch  als  Appellativ,  sondern  fast  nur
noch  als  Name  kommt  Driesch  in  Südostflandem  und  in  Brabant  vor
(DlTTMAIER  1960,  719).  In  Oberdeutschland,  wo  Driesch  fast  vollständig
fehlt,  gilt  Egart,  Egerten  f.  (KLUGE  227).  Es  wurde  festgestellt,  dass  die  im
Rheinischen  Wörterbuch  für  Driesch  angegebenen  Bedeutungen  mit  auffallender
  Parallelität  im  Oberdeutschen  für  Egart  zutreffen  (BADER  3,  1973,  170-172).
  Festzuhalten  ist,  dass  sich  als  mutmaßliche  Grundbedeutung  im  Wesentlichen
  die  des  ruhenden,  grasbewachsenen  Ackerlandes  herausgestellt  hat,  von
der  alle  anderen  Bedeutungen  ausgehen  (Dittmaier  1960,  721;  Foerste
1966,  60).  Das  rezente  Vorkommen  des  Wortes  als  Appellativ  sowie  als  Flurname
  im  deutschsprachigen  Raum  erschließt  sich  aus  einer  Durchsicht  der
einschlägigen  Mundartwörterbücher  sowie  der  Flurnamenarbeiten  zu  Teilgebieten
  des  Namenraums:4’  In  Schleswig-Holstein  bedeutet  Dreesch  f./m.  Ruhender
  Acker,  Ackerland,  das  in  Weide  liegt,  Viehtrift4,  in  Niedersachsen  ist
Dresch,  Dresche,  Dreschen  m./f./n.  das  ,trockene,  meist  als  Weide  genutzte
Brachland4  sowie  ein  ,wieder  in  Kultur  genommenes  Ackerstück,  das  vorher
zu  Weidezwecken  liegengelassen  war4.  Diese  Bedeutungen  haben  auch  die
Driesch-Flurnamen  (NsächsWb  3,  518;  Scheuermann  1995,  115;
SchleswHWb  1,  849).
In  der  westfalischen  Mundart  begegnet  verstreut  noch  das  Adjektiv  dreisk,
dreesk  brachliegend,  unbebaut4,  häufiger  aber  das  Substantiv  Dreisk,  Dreesk
m.  (teils  auch  f.  und  n.)  ,(vorübergehend)  brachliegendes,  unbebautes  Ackerstück4,
  ,mit  Gras  und/oder  Unkraut  bewachsenes  Stück  Land4  etc.  Abgesehen
vom  Hochsauerland  und  dem  Niederungsgebiet  im  Quellbereich  von  Ems  und
Lippe  ist  Driesch  im  größten  Teil  Westfalens  als  Flurname  vertreten.  Allgemein
  verbreitete  Formen  sind  dreisch,  dreisk,  dreesch  sowie  die  standardsprachliche
  Schreibform  driesch  (jeweils  als  Adjektiv  und  als  Substantiv);
ferner  sind  Diminutivbildungen,  Bildungen  mit  hyperkorrektem  hochdeutschen
  Anlaut  t-  und  Formen  mit  sekundärem  -t  belegt  (WestfFlNAtl  Nr.  15;

53  Vgl.  auch  DWB  2,  1408  (s.  v.  Driesch)  sowie  DWB  22,  486-487  (s.  v.  Triesch);
ferner  Weigand  1,  378  sowie  Diefenbach-Wülcker  369.

93
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.