urgerm. *preutan- ,müde werden1, idg. *treud- ,stoßen1 (LIV 65 If.) gehört
unter anderem das neuhochdeutsche Verb (verdrießen (EWA 2, 783f.). Mit
-.vC Suffigier ung (KLUGE 1926, § 210) entsteht aus *preut-a- das (gemein)germ.
Adjektiv *preutes-ka-. Aus diesem hätte lautgesetzlich allerdings
mhd. *drietsch resultieren müssen,^ belegt ist aber mhd. driesch. Hinsichtlich
der Etymologie bleiben also noch Fragen offen.
Auf westgermanischen Zusammenhang des Wortes Driesch weisen u. a.
KLUGE/MITZKA 1967, 143 sowie DWB 22, 486 hin; das Altenglische und das
Westfriesische sind nicht beteiligt. Ursprünglich handelt es sich um ein niederländisch-niederdeutsches,
dann auch westfälisches Wort - belegt sind die
Formen mnl. driesch, dreesch, dries m. ,braaktand‘ (MnlHdWb 152;
MNLWB 2, 404),s J mnd. dresch, drisch m. ,ruhender Acker, unbebautes Land,
das als Viehtrift dient1 (MndHdWb 1, 475; MndWb l, 573), westf. Dreisk,
Draisk m. ,ruhender Acker als Viehtrift1 (JELLINGHAUS 56; WOESTE 56).
Westfälische Siedler haben das Wort nach Mecklenburg-Vorpommern gebracht.
Ob das Vorkommen in den niederländischen Siedlungsgebieten an der
unteren Elbe und Weser bodenständig ist oder von den Siedlern stammt, wird
kontrovers diskutiert (Teuchert 1972, 195; Foerste 1966, 58 Anm. 6). ln
die Hochsprache wurde Driesch als agrarwissenschaftlicher Terminus zu Anfang
des 19. Jahrhunderts aufgenommen; im 20. Jahrhundert wurde es meist
,historisierend oder lexikalisch1 verwendet, so DWB NEUBEARB. 6, 1391. Die
Überlieferung des Wortes setzt im 9. Jahrhundert ein: Der altniederfränkische
Beleg de terra arabile in Wipinga accara ubi potest Seminare modios iii, in
Gegninga thriusca modios v von 814/40, kopial überliefert 941 im Liber
Traditionum des Klosters Blandinium, der späteren Center Sankt-Peter-Abteiül,
gilt als ältestes Zeugnis für das Appellativ. Der hier erwähnte
Driesch, der mit dem Genitiv eines Patronyms verbunden ist und, wie die Endung
-a anzeigt, im Dativ Singular steht, wird in der Gegend von Zulte (B,
Prov. Ostflandern, Arr. Gent) vermutet. Als Eigenname begegnet das Wort
erstmals im 11. Jahrhundert: ln einem Urbar der Abtei Werden heißt es in ei-Wortkunde,
in: Wörter und Sachen 6 (1914/15), 14-57, hier 24f, der für Driesch
eine germanische Urform *preut-sk erschlossen hat. Diese kann ihrem vokalischen
Lautstand nach überall dort gelten, wo das Wort als Driesch erscheint, während für
schwäb. Dreusch und einige Formen aus dem Untersuchungsgebiet (siehe unten,
Abschnitte C und D) germ. *priutisk anzusetzen ist.
Si< Vgl. das Adjektiv deutsch, das ebenfalls mit -.sTr-Suffix gebildet ist: ahd. diutisc,
mhd. tiutsch, diut(i)sch (Kluge 193f.).
Vgl. hierzu die Flurnamen 1285 van onsen ouden driesghen, 1299 doude driesch
(VroegMnlWb 1, 1092).
,0 Zu diesem und den folgenden Belegen vgl. Gysseling 286f., 963 und 978 sowie
Gysseling 1975, 258f.
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