Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

arbeitete  ein  angehender  Jurist  vom  „Nationalen  Studentenbund  Tübingen“  gemeinsam
  mit  Vogel  Richtlinien  für  die  Saarpropaganda  aus,  zu  der  die  Studenten  in  ganz
besonderem  Maße  befähigt  schienen121:  Sie  sollten  in  eigener  Verantwortung  zu
Beginn  eines  jeden  Semesters  an  allen  deutschen  Hochschulen  Vorträge,  Lichtbildvorführungen
  und  Kundgebungen  in  die  Wege  leiten,  um  in  anschließenden  akademischen
  Erörterungsabenden  und  Arbeitsgemeinschaften  ausführlicher  über  die
Saarfrage  zu  debattieren.  Bei  Bedarf  konnten  Redner  der  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“
  angefordert  werden.  Die  Studierenden  sollten  darauf  drängen,  daß  ihre
eigenen  Bibliotheken  ebenso  wie  öffentliche  Lesehallen  mit  der  aktuellen  Literatur
des  Saargebiets  und  dem  Aufklärungsmaterial  der  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“
bestückt  wurden.  Ebenso  sollten  sie  auf  Dozenten  der  staatwissenschaftlichen,
historischen  und  juristischen  Fakultäten  hinwirken,  Lehrveranstaltungen  über  die
Saarfrage  anzubieten  und  entsprechende  Seminararbeiten  und  Dissertationen  anzuregen.
  Die  Aufklärung  sollte  nicht  an  den  Pforten  der  Hochschulen  haltmachen,
sondern  studentische  Redner  waren  aufgerufen,  auf  dem  flachen  Land  vor  Bauern
und  in  Industrievierteln  vor  der  Arbeiterschaft  in  zwangloser  Form  auf  die  besondere
Situation  der  Saar  hinzuweisen.  Entweder  sollten  die  Studierenden  eigenständige
akademische  Saargruppen  oder  zumindest  im  Rahmen  der  Allgemeinen  Studentenausschüsse
  ein  akademisches  Saaramt  ins  Leben  rufen.  Während  reichsdeutschen
Studierenden  ans  Herz  gelegt  wurde,  das  Saargebiet  in  Ferienwanderungen  zu
erkunden122 *,  sollten  ihre  saarländischen  Kommilitonen  in  deutsche  Familien  eingeführt
  werden.  Wer  über  persönliche  Kontakte  an  die  Saar  verfügte,  sollte  diese  durch
regelmäßigen  Briefverkehr  pflegen.  Die  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“  erhoffte  sich
von  dieser  Verbindung  weitaus  mehr,  als  nur  die  Festigung  bereits  bestehender
Bindungen:  Die  Studenten  sollten  als  Kuriere  zwischen  dem  besetzten  und  unbesetzten
  Teil  des  Reiches  Nachrichten  von  und  zur  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“  übermitteln122.
  Diese  Idee  war  nicht  neu:  Über  die  in  den  Jahren  1921  und  1922  gegründeten
  Rheinlandausschüsse  an  verschiedenen  deutschen  Universitäten  bezog  auch  die
getarnte  Staatsbehörde  RVP  wichtige  Informationen124.  Die  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“
  fand  in  den  durch  autoritäre  Universitätsstrukturen  geprägten  Studenten
bereitwillige  Helfer,  die  zum  Teil  persönliche  Erfahrungen  mit  der  Besatzungsmacht

schulringe  deutscher  Art“  in  Aachen.  Berlin,  Darmstadt,  Erlangen,  Freiburg,  Greifswald,  Karlsruhe,
Kiel,  München,  Stuttgart  und  Tübingen  der  Bundesorganisation  korporativ  bei:  Vgl.  Protokoll  der
Mitgliederversammlung  vom  07.05.22  (18.05.22),  in:  BA-R  8014/21.  In  den  Bänden  BA-R
8014/739-742  findet  sich  umfangreicher  Schriftwechsel  mit  Korporationen,  Verbindungen,  Hochschulringen
  und  den  Universitäten  selbst.
121  Vgl.  „Richtlinien  für  die  Teilnahme  der  Ortsverbände  des  Deutschen  Hochschulrings“  (Juni  1921),
in:  BA-R  8014/1020.
122  Für  Schulungswochen  stellte  die  GSV  Informationsmaterial  zur  Verfügung:  Vgl.  Gespräch  mit  Herrn
Hellwig  (04.06.2002)  sowie  Brief  Hellwigs  an  die  GSV  (21.07.32),  in:  BA-R  8014/1032;  SF  13
(1932)  16,  S.  250  f.  Vgl.  auch  SF  3  (1922)  18,  S.  268.
121  Vgl.  Das  Saargebiet  in  Gefahr!,  S.  6.
124  Vgl.  Herbert:  Best,  S.  69-73;  BayHStA,  Haupthilfsstelle  Pfalz  89.

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