Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

sein  mußten.  Sie  schienen  aufgrund  ihrer  biologischen  Rolle  als  Mutter  prädestiniert,
auch  außerhalb  des  familiären  Umfelds  „typisch  weibliche“  Wesensmerkmale
einzubringen  und  ihre  Pflicht  gegenüber  der  Gesellschaft  nun  eben  in  idealtypischen
Betätigungsfeldern  konservativer  Frauen  zu  erfüllen.
Nach  dem  Vorbild  anderer  Verbände  gründete  sich  Anfang  der  zwanziger  Jahre
stellvertretend  für  die  Bundesorganisation  ein  Frauenausschuß  aus  Mitgliedern  der
Berliner  Ortsgruppe,  der  im  Februar  1925  in  den  „Deutschen  Frauenausschuß  zur
Bekämpfung  der  Schuldlüge“  aufgenommen  wurde.  Dieser  hatte  sich  unter  der
Leitung  der  DVP-Reichstagsabgeordneten  Clara  Mende,  die  zumindest  zeitweise
auch  der  Berliner  Ortsgruppe  angehörte,  der  Revision  des  Versailler  Vertrages
verschrieben116.
Als  die  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“  im  Herbst  1919  im  nichtbesetzten  Teil  des
Reiches  Saarländervereinigungen  zu  initiieren  versuchte,  wandte  sie  sich  auch  an  die
saarländischen  Studierenden  deutscher  Hochschulen  mit  der  Bitte,  akademische
Saargruppen  zu  gründen  und  über  diese  die  Bestrebungen  der  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“
  tatkräftig  zu  unterstützen"  .  Auf  längere  Sicht  beabsichtigte  Vogel  die
Bildung  eines  eigenen  Akademischen  Schutzbundes  mit  Zweigstellen  an  den  einzelnen
  Hochschulen"8,  was  letztlich  an  der  fehlenden  Unterstützung  seitens  der
studentischen  Verbände  scheiterte,  die  -  selbst  noch  in  der  Phase  der  Sammlung
begriffen  —keine  unnötige  Konkurrenz  heranwachsen  sehen  bzw.  eine  Zersplitterung
der  Kräfte  vermeiden  wollten111 119’.  Ab  Frühjahr  1920  wurde  das  Vorhaben  seitens  der
Geschäftsstelle  nicht  weiter  verfolgt,  und  sie  beschränkte  sich  wieder  auf  das  ursprüngliche
  Ziel,  die  Saarfrage  auch  im  studentisch-akademischen  Milieu  im  Bewußtsein
  zu  verankern.  Konnte  sich  an  einer  Hochschule  keine  eigenständige  Saargruppe
etablieren,  richtete  Vogel  die  Bitte  an  bestehende  studentische  Vereinigungen,  den
korporativen  Beitritt  zum  Bund  der  Saarvereine  zu  vollziehen.  Insbesondere  die
„Hochschulringe  Deutscher  Art“  standen  den  Bestrebungen  der  Saarorganisation
wohlwollend  gegenüber120.  Am  Rande  der  ersten  Bundestagung  in  Kassel  (1921)

116 Vgl.  Brief  Clara  Mendes  an  die  GSV  (06.03.25),  in:  BA-R  8014/779.  Für  ihr  Engagement  bei  der
Aufnahme  und  Unterbringung  saarländischer  Kinder  wurde  ihr  Ende  Oktober  1924  die  Bundesnadel
des  Vereins  ehrenhalber  verliehen:  Vgl.  BA-R  8014/704.  Im  Herbst  1933  löste  sich  der  Frauenausschuß
  selbst  auf:  Vgl.  Rundbrief  Mendes  (31.10.33),  in:  BA-R  8014/779.  Vgl.  ebenso  SCHECK,  S.
226:  SÜCHTtNG-HÄNGER.  S.  223-237.
11  Vgl.  Aushang  derGSV  an  der  Frankfurter  Universität  (04.09.19),  in:  BA-R  8104/739.  ln  Bonn  und
Hamburg  konstituierten  sich  im  Wintersemester  1919/20  erste  derartige  Vereinigungen.  Statistische
Angaben  zu  saarländischen  Studierenden:  Vgl.  SF  10  (1929)  12/13,  S.  280  ff.
I1S  Vgl.  Brief  derGSV  an  den  Studenten  Gerstein  (12.11.19),  in:  BA-R  8014/739.
119  Vgl.  Brief  der  „Deutschen  Studentenschaft“  an  die  GSV  (29.11.19),  in:  BA-R  8014/739.
120  Vgl.  Tätigkeitsbericht  Schulz  van  Enderts  (03.04.21),  in:  BA-R  8014/18.  Die  „Deutsche  Studentenschaft“
  als  Dachverband  der  „Allgemeinen  Studentenausschüsse“  hatte  sich  im  Juli  1919  in  Würzburg
zusammengeschlossen;  im  Juli  1920  erfolgte  die  Vereinigung  verschiedener  „Hochschulringe
Deutscher  Art“  im  „Deutschen  Hochschulring“,  der  fortan  die  bedeutendste  Gruppe  innerhalb  der
Studentenschaft  stellte.  Vgl.  FLIESS/JOHN:  Deutscher  Hochschulring  (DHR);  DIES:  Deutsche  Studentschaft
  (DSt).  Die  Werbekampagne  der  GSV  war  erfolgreich;  binnen  eines  Jahres  traten  die  „Hoch¬92


            
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