Full text: ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

harten Kurs Hilgers gegen sozialdemokratische und gewerkschaftliche Bestrebungen 
verteidigt und dem „saarländischen Bismarck“ anläßlich seines erzwungenen Aus¬ 
scheidens sogar eine Sonderausgabe gewidmet88. Über die Jahre hinweg bewahrte 
Vogel zu seinem ehemaligen Vorgesetzten ein von Respekt geprägtes, vertrauens¬ 
volles Verhältnis, was er im „Saar-Freund“ nicht zu verbergen versuchte89. 
Vogel, der von den Vorbehalten einiger Saarvereine gegen seine Person wußte und 
die Mitglieder daher aufforderte, konfessionelle und parteipolitische Streitpunkte 
ebenso wie Standesdünkel90 zugunsten der gemeinsamen Sache beiseite zu schieben, 
trug den Vorbehalten insofern Rechnung91, daß er den Vorschlag ins Spiel brachte, 
die rheinisch-westfälischen Ortsgruppen zu einer unabhängigen Arbeitsgemeinschaft 
zusammenzuschließen. Nach außen wahrte diese regionale Allianz den Schein 
völliger Selbständigkeit von Berlin, was de facto schon deshalb nicht zutraf, weil der 
christliche Gewerkschaftssekretär Heinrich Schneider aus Herne als Vorsitzender 
eines geschäftsführenden Ausschusses von der Königgrätzer Straße alimentiert 
wurde. Schneider entwickelte sich in dieser Aufbauphase zum wichtigsten Verbin¬ 
dungsmann im Revier, dessen Aufgabe es war, Vorträge über die Saar zu halten, 
weitere Ortsgruppen zu gründen und diese anschließend auf Berliner Kurs zu 
bringen92. Mag das Zugeständnis an die Befindlichkeit der rheinisch-westfälischen 
Ortsgruppen auch das eigentliche Motiv für Vogel gewesen sein, den von ihm zum 
Grundsatz erhobenen Zentralismus zu durchbrechen, so entlastete dieser Zusammen¬ 
schluß relativ vieler Vereine in einem verhältnismäßig kleinen Gebiet die Zentrale 
doch erheblich. Die Berliner Geschäftsstelle verfügte mit dem Ausschuß über einen 
verantwortlichen Ansprechpartner, der Vogel zahlreiche Reisen in das Industrierevier 
ersparte und das Konfliktpotential zwischen Ortsgruppen und Bundesleitung somit 
reduzierte. 
88 Hilger als Vorsitzender der Königlich Preußischen Bergwerksdirektion Saarbrücken hielt die Mitglied¬ 
schaft in der SPD mit der Arbeit in einem preußischen Staatsbetrieb für unvereinbar. Die Monopol¬ 
stellung des Bergbaus an der Saar brachte es mit sich, daß einem entlassenen Arbeiter keine andere 
Möglichkeit blieb, als in andere Montanregionen abzuvvandern. Zu Hilger (1859-1934), der 1928 
Vorsitzender der Fachgruppe „Bergbau“ im „Reichsverband der Deutschen Industrie“ wurde, vgl. Faus 
1968, S. 92 f. 
84 Ehrenbezeugungen an Hilger und Beiträge Hilgers im SF: Vgl. SF 5 (1924) 15, S. 225; SF 6 (1925) 14, 
S. 219; SF 8 (1927) 9, S. 145; SF 8 (1927) 15, S. 249; SF 15 (1934) 13; SF 15 (1934) 18/19, S. 396 f. 
90 Zu den traditionellen Vorbehalten der überwiegend katholischen Saararbeiterschaft gegen die protestan¬ 
tischen Arbeitgeber und das politisch dominierende Bürgertum der Doppelstadt Saarbrücken: Vgl. 
GEHLEN: Saarländische und lothringische Katholiken, S. 234; HAHN: Die Beamten. 
91 Anderenfalls drohte die Skepsis gegen den von ihm repräsentierten Zentralisierungskurs in offenen 
Widerstand gegen die Berliner Geschäftsstelle umzuschlagen. Auch die frankophile Gegenpropaganda 
hatte erkannt, daß publizistische Angriffe auf Vogel in Zusammenhang mit dessen Vergangenheit den 
größten Erfolg versprachen, um die Gesamtorganisation zu diskreditieren. Mehrfach griff der NSK 
daher die Vorbehalte gegen den Geschäftsführer auf: Vgl. NSK 215 (10.08.20); NSK 24 (29.01.21 ); 
NSK 70 (01.04.22); NSK 19 (27.01.24). Siehe hierzu allgemein S. 196 f. 
92 Vgl. Briefe der GSV an Schneider (08.07.20, 15.12.20 und 21.12.20), in: BA-R 8014/405. Schneider, 
der ab 1922 das Amt des stellvertretenden Bundesvorsitzenden begleitete, wurde im Herbst 1925 aus 
dem Verein wegen Veruntreuung von Geldern ausgeschlossen: Vgl. Brief der GSV an Pfarrer Schultz 
(05.10.25), in: BA-R 8014/406. 
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