Full text: ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Alexander Dominicus62 63 zur Mitarbeit gewonnen werden; insbesondere letzterer 
beteiligte sich rege an den vierteljährlichen Ausschußsitzungen des Bundes. Auf 
Beschluß der Mitgliederversammlung in Hannover 1925 gehörten nur noch Orts¬ 
gruppendelegierte dem Vorstand an; mit Ausnahme des Regierungspräsidenten von 
Würzburg, Julius von Henle, und des Regierungsrats Julius Bachem bzw. des Staats¬ 
ministers a.D. Max Wallraf wechselten alle Parteivertreter in den 1922 geschaffenen 
und nun erweiterten Aufsichts- und Beratungsausschuß der Geschäftsstelle „Saar- 
Verein“. Die Aufgabe dieses zeitweise 26köpfigen Gremiums bestand in der Praxis 
primär darin, den anvisierten Kurs der Geschäftsstelle vor einem einflußreichen 
Publikum zu diskutieren64. Die Mitgliedschaft von Sozialdemokraten wie August 
Brust65, Direktor Löffler oder Albert Südekum verhalf der Saarorganisation, ihr 
Postulat der Überparteilichkeit weiterhin aufrechtzuerhalten. 
Die parlamentarischen Mitglieder im Aufsichts- und Beratungsausschuß waren 
zugleich die Kristallisationskerne eines 1922 ins Leben gerufenen interfraktionellen 
Saarausschusses, der weniger der Kontrolle oder einer wirklichen Beratung der 
Geschäftsstelle „Saar-Verein“ als vielmehr deren Finanzierung diente66 67. Die Bedeu¬ 
tung des Gremiums, das in der Folgezeit etwa vierteljährlich zusammentrat, ist 
schwer zu ermessen. Zwar ergriffen Vertreter des interfraktionellen Saarausschusses 
mehrfach die Initiative zu parlamentarischen Anfragen'’ , doch bewegen sich Aus¬ 
sagen über die Hintergründe dieser Initiativen im Bereich der Spekulation und sollen 
daher nicht weiter ausgeführt werden. Es blieb den Fraktionen selbst überlassen, 
geeignete Kandidaten zu benennen; zumindest im Hinblick auf den Reichstag läßt 
an. Vgl. zu Stegerwald allgemein: FÖRSTER. 
62 Der Publizist Dr. Südekum (1871-1944) gehörte dem rechten Flügel der SPD an und bekleidete von 
März 1919 bis März 1920 das Amt des preußischen Finanzministers im Kabinett Hirsch. 
63 Dr. Adolf Alexander Dominicus (1873-1945) erwarb sich nach dem Krieg mit der Reorganisation der 
Berliner Stadtverwaltung große Verdienste während ihrer Entwicklung zur Großstadt. Als Mitglied der 
DDP gehörte er dem Kabinett Stegerwald von April bis November 1921 als preußischer Innenminister 
an. 
64 Eine Übersicht über den Bundesvorstand, den Vorstand der GSV und die jeweiligen Beisitzer 1920- 
1935 siehe im Anhang, Dok. 6 und Dok. 7. Unter den Beisitzern befanden sich 1925 ein preußischer 
Ministerpräsident a.D. (Stegerwald), zwei preußische Staatsminister a.D. (Südekum, Dominicus), zwei 
Reichsminister a.D. (Becker, Jarres). drei Parlamentarier (Bachem, Löffler, Winkler), zwei Regierungs¬ 
präsidenten (von Halfern, von Henle), ein Oberlandesgerichtsrat (Andres), ein Berghauptmann (Cleff), 
zwei Bergräte (Hilger. Flemming), ein ausgeschiedener (Mangold) und zwei amtierende Oberbürger¬ 
meister (Jarres, Dominicus): Vgl. „Die Organisation der Geschäftsstelle .Saar-Verein* und des Bundes 
der Saarvereine“ (Sommer 1925), in: StA Gießen, L 1365/III. 
65 August Brust (1862-1924) gehörte dem Aufsichts- und Beratungsausschuß von etwa 1923 bis zu 
seinem Tod Ostern 1924 an. Als Gründer und Vorsitzender (1894-1904) des „Gewerkvereins Christli¬ 
cher Bergarbeiter“ verfügte er über nicht unerheblichen Einfluß in der christlichen Arbeiterbewegung 
und half der GSV in seiner Funktion als Direktor des niedersächsischen Kohlensyndikates in Hannover 
während der Inflation: Vgl. SF 5 (1924) 7, S. 105. 
66 Vgl. undatiertes Protokoll der Sitzung des Aufsichts- und Beratungsausschusses vom 28.10.22, in: BA- 
R 8014/7. Vgl. Tagesordnung für die Sitzung des Aufsichts- und Beratungsausschusses sowie des 
interfraktionellen Saarausschusses am 15.12.22 (20.11.22), in: Ebd. 
67 Vgl. exemplarisch die Beratungen der Saarfrage im Preußischen Landtag: B A-R 8014/889; SF 2 (1921) 
12, S. 153-156. 
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