Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

frontiert74.  Nach  dem  Krieg  wurde  Andres  Oberlandesgerichtsrat
  in  Naumburg,  wo  er  auch  als  Vertrauensmann
  der  Geschäftsstelle  „Saar-Verein"
fungierte.  Zum  1.  April  1928  erfolgte  seine  Beförderung
  zum  Senatspräsident  am  Oberlandesgericht
Frankfurt  am  Main,  doch  schon  drei  Jahre  später
zog  er  zurück  an  die  Saale.  Politisch  war  Andres
bei  der  DNVP  beheimatet54 55.
In  erster  Linie  repräsentierte  er  den  Bund  nach  außen,
  während  die  eigentliche  Arbeit  in  der  Berliner
Geschäftsstelle  erledigt  wurde.  Andres  selbst  charakterisierte
  seine  Aufgabe  nach  seiner  Demission
im  Juli  1933  dahingehend,  daß  er  die  zur  Extravaganz
  neigende  Propaganda  Vogels  auszugleichen
bemüht  war56.  Infolgedessen  blieb  das  Verhältnis
zwischen  Vorsitzendem  und  Geschäftsführer  bis  zuletzt  kühl  und  förmlich;  phasenweise
  fühlte  sich  Vogel  gegenüber  Andres  zurückgesetzt,  von  diesem  bevormundet
und  in  seiner  Arbeit  nicht  ausreichend  gewürdigt57.  Da  Andres  als  Vorsitzender  über
keinen  persönlichen  Mitarbeiterstab  verfügte,  waren  ihm  zu  größerer  Aktivität  die
Hände  gebunden.  Als  Fachmann  für  juristische  Angelegenheiten  im  Umfeld  der
Saarfrage  war  er  vor  allem  in  die  Vortragspropaganda  des  Bundes  vor  akademischem
Publikum  involviert.  Andres,  der  auch  dem  Aufsichts-  und  Beratungsausschuß  der
Geschäftsstelle  „Saar-Verein"  angehörte,  wurde  nach  elfjähriger  Amtszeit  auf  der
Niederwald-Bundestagung  1933  zum  Ehrenpräsidenten  des  Bundes  gewählt.  Im
Gleichschaltungsprozeß  setzte  er  sich  massiv  dafür  ein,  daß  wenigstens  Vogel  auf
seinem  Posten  bleiben  und  damit  eine  gewisse  Kontinuität  in  der  Saarorganisation
wahren  konnte58.

Otto  Andres

*  *  *
Im  Herbst  1920  drohte  für  Vogel  freilich  keine  Gefahr,  durch  rebellierende  Kontrahenten
  ausgebootet  zu  werden;  seine  dominierende  Position  innerhalb  des  Gesamtverbandes
  wurde  sogar  noch  dadurch  gestärkt,  daß  er  kraft  Amtes  zum  Bundesgeschäftsführer
  ernannt  wurde.  In  der  Wahl  des  ersten  Beisitzergremiums  demonstrierte
  die  Bielefelder  Versammlung  ihre  proklamierte  Überparteilichkeit  und  war
bemüht,  unterschiedliche  gesellschaftliche  Gruppierungen  zu  befriedigen:  Mit  dem
zentrumsnahen  Studienrat  Dr.  Scholl  (Essen),  dem  sozialdemokratischen  Kaufmann

54  Vgl.  Nachrichten  aus  dem  Saargebiet  IX  (25.04.19),  in:  BA-R  8014/820;  Aufzeichnung  Walter  Wolfs
(Januar  1931),  in:  BA-R  43-1/251.
55  Vgl.  Brief  Andres'  an  Treviranus  (14.04.30),  in:  BA-R  1603/2525.
56  Vgl.  Brief  Andres'  an  das  AA  (18.07.33),  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R  76.095.
57  Vgl.  Brief  der  GSV  an  Posselt  (17.07.28),  in:  LA  Saarbrücken,  Saar-Verein  5.
58  Vgl.  Brief  Andres’  an  Simon  (18.07.33),  in:  LA  Saarbrücken,  Saar-Verein  19.

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