Full text: ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

die er jegliche Parteipolitik im Interesse der ihm für die Saarheimat gestellten Auf- 
gaben ausschließen müsse29 *. 
2.2 Die Geschäftsstelle „Saar-Verein“ 
Um die junge Geschäftsstelle überden engen Kreis der diversen Bünde, Vereinigun¬ 
gen, Institute und Zirkel, die sich nach dem verlorenen Weltkrieg der Deutschtums¬ 
pflege verschrieben hatten, hinaus bekannt zu machen, trat Vogel im Juli 1919 mit 
einem Gründungsaufruf an die Öffentlichkeit. In Anlehnung an die zum Mythos 
verklärte Willenserklärung der Saarbrücker Bürgerschaft von 1815 versuchte er, den 
Saarverein in eine Reihe mit dem glorifizierten Böcking zu stellen und damit den 
eigenen Kampf gegen die Bedrohung aus dem Westen historisch zu legitimieren: 
„Wie unsere Väter vor hundert Jahren, so dürfen auch wir nimmer müde werden, dem Deutsch¬ 
tum an der Saar einen festen Halt zu geben und nach wie vor für deutsche Art und Sitten, für die 
Pflege deutscher Kultur in unserer Saar-Heimat einzutreten. 
Vorläufig müssen sich unsere lieben Brüder im Saarlande in das Unvermeidliche schicken. Sie 
sollen und müssen aber wissen, daß das Vaterland und ihre Landsleute von der Saar, die rechts¬ 
rheinisch wohnen, sie nicht verlassen und vergessen werden. (...] 
Mit leidenschaftlicher Liebe hängen wir an unserer schönen Saarheimat Der Saarbrücker Boden 
ist uns immer heilig gewesen, weil er mit deutschem Herzblut getränkt ist und weil ihn Helden¬ 
gräber bedecken. Die heiligsten Stätten sind uns die Spicherer Höhen, das Saarbrücker Ehrental 
und der neue Ehrenfriedhof, wo wir bei den unvergeßlichen Gedächtnisfeiern das Gelöbnis der 
Treue zu unserem Vaterland in hehren Stunden so oft abgelegt haben, wo unsere Saarbrücker 
Jugend alljährlich daran erinnert wurde, daß das Große und Herrliche das wir besessen nur mit 
heiligen Opfern hatte errungen werden können. Nie dürfen wir aber auch vergessen, daß unsere 
Brüder an der Saar während des Weltkrieges mit ihren deutschen Brüdern gekämpft, geblutet, 
gelitten und gebetet haben und daß sie bereit waren und heute noch bereit sind, als gute Deutsche 
in Deutschlands tiefster Not mit uns weiter zu darben, zu arbeiten und aufzubauen, [...]“ 
Diese pathetische Kombination aus sakraler Überhöhung des Abwehrkampfes und 
emotionalem Appell an das Pflichtbewußtsein war ein Stilmittel, auf welches Vogel 
immer wieder zurückgriff. Zum Ende des Aufrufes wurde er konkreter und offenbar¬ 
te, was die Initiatoren der Geschäftsstelle „Saar-Verein“ mit ihrer Forderung meinten, 
der Nachfolger des Saargebietsschutzes müsse auf einer breiteren Basis stehen: 
„Zur Unterstützung unserer Brüder und Schwestern an der Saar gilt es nun, einen festen Zu¬ 
sammenschluß aller rechtsrheinischen Saarbrücker Landsleute und aller Freunde des Saarlandes 
zu schaffen. [...) Durch den Zusammenschluß aller rechtsrheinischen [Saar - F.B.] Vereine soll 
dazu eine stetige Fühlungnahme zur Wahrung und Pflege des Deutschtums an der Saar gewonnen 
werden [.,.]“3 
Während der halbamtliche Saargebietsschutz auf sein Geschäftsbüro in Berlin mit 
einigen wenigen, eher zufällig gegründeten Nebengruppen beschränkt war, sollten 
also fortan systematisch und möglichst flächendeckend Ableger der Berliner Zentrale 
im unbesetzten Reich unter einer noch zu schaffenden Dachorganisation ins Leben 
gerufen werden. Herzstück und Motor des Gesamtverbandes war von Anfang an die 
29 Vgl: Brief Vogels an Dr. Hugo (12.08.19), in: BA-R 8014/9. Eine ähnliche Begründung führte er 
eineinhalb Jahre erneut an, als er seine Nominierung für die Wahl ins Preußische Abgeordnetenhaus 
ablehnte: Vgl. Brief der GSV an die Reichsgeschäftsstelle der DVP (21.01.21), in: BA-R 1603/2519. 
Rundschreiben der GSV (Juli 1919), in: BA-R 8014/737. Unterstreichungen im Original. Auszugsweise 
abgedruckt in: VOGEL: Geschäftsstelle „Saar-Verein“, S. 223. 
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