zur Verteilung in Wartezimmern. Hotels, Gasthöfen usw. In seinen Publikationen
beschränkte sich der Saargebietsschutz nicht allein auf die Saarregion, sondern
widmete seine Aufmerksamkeit ebenso dem Problem der Reannexion Elsaß-Lothringens*11.
Vordergründiges Ziel dieser vor allem ins Englische übersetzten Schriften
war es - abgesehen von der noch immer als notwendig erachteten Mobilisierung
der deutschen Bevölkerung-, die Öffentlichkeit im neutralen Ausland anzusprechen.
Hierzu wurden Zugeständnisse an die neuen Verhältnisse und an die Adresse Wilsons
gerichtete Schmeicheleien gezielt mit ethnographischen, geographischen,
historischen und wirtschaftlichen Details vermischt.
Der Saargebietsschutz entfaltete allerdings nicht nur auf dem publizistischen Sektor
eine rege Aktivität, sondern versuchte ebenfalls, Einfluß auf die Tagespolitik zu
nehmen*1. Im direkten Verkehr mit der Reichsregierung und den Staatsregierungen
in München und Berlin bemühte er sich, die Lebens- und Futtermittelversorgung im
Saargebiet zu verbessern, um die französische Militäradministration ihres Lock- und
Druckmittels zu berauben. Schon frühzeitig nahm er zu allen Fraktionen und insbesondere
zu den saarländischen Abgeordneten der Nationalversammlung Verbindung
auf, um diese zu einer entschiedenen Positionierung gegen die Abtrennung des
Saargebiets zu bewegen. Ähnliche Anstrengungen wurden auch bei anderen deutschen
Parlamenten unternommen. Als zentrales Aufgabenfeld betrachtete der Saargebietsschutz
selbst die Versorgung der deutschen Friedensdelegation in Versailles
mit Informationen. Hierbei dürfte es ihm gelungen sein, das Ansehen seiner Ausschußmitglieder
in die Waagschale zu werfen; insbesondere Hermann Röchling als
ehemaliger Sachverständiger der Waffenstillstandskommission* 82 und die preußischen
Ministerialbeamten dienten ihm als „Türöffner“ zu den deutschen Unterhändlern.
Gegen Ende der deutschen Erwiderungsfrist intervenierte der Ausschuß bei der
deutschen Delegation und übersandte eine sechsseitige Denkschrift, die um einige
Passagen entschärft unter der Rubrik „Saargebiet“ in die deutsche Antwortnote vom
29. Mai einging. Hierin bekundete die Reichsregierung wie auch schon in den vorangegangenen
Noten vom 13. und 16. Mai ihre prinzipielle Bereitschaft, den französischen
Kohlebedarf durch entsprechende Lieferverträge und Beteiligungen sicherzustellen,
legte aber Verwahrung gegen die vereinbarte Abtrennung des Saargebietes
zu diesem Zwecke ein*3. Nur einen Tag später überreichte der Ausschuß mit „Das
Saargebiet in den durch den vorgeschlagenen Vorfrieden geschaffenen Verhältnissen“
eine als Manuskript gedruckte weitere Denkschrift, die in insgesamt 50.000
Exemplaren an deutsche Behörden, Parlamentarier und Versammlungsredner verteilt
M1 Vgl. STEGEMANN: Die elsaß-lothringische Frage. Vgl. außerdem:„Merkblatt für die Agitation betr.
Saargebiet und Elsaß-Lothringen“ (15.03.19), in: BA-R 8014/836.
81 Vgl. im folgenden: SF 10 (1929) 4, S. 68; SF 15 (1934) 16/17, S. 314 f.; SF 15 (1934) 23, S. 497.
82 Zudem war sein älterer Bruder Louis (1863-1926) Sachverständiger in Versailles.
Vgl. ursprüngliche Denkschrift (26.05.19), in: PA AA, Ia Friedensdelegation Paris/ Versailles, R
22.536. Endgültige Fassung in: Urkunden zum Friedensvertrage, Dok. 60, S. 459-462.
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