Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

13. Entschließung  der  Kasseler  Bundestagung  1921
Saarkundgebung
auf  der  ersten  Tagung  des  Bundes  „Saar-Verein“
am  3.  April  1921  in  Cassel.
Entschließung
Die  am  3.  April  d.J.  in  Cassel  versammelten  Vertreter  sämtlicher  Ortsgruppen  des  Bundes
„Saar-Verein“,  der  sämtlichen  angeschlossenen  öffentlichen  Körperschaften,  Vereine  usw.  und
zahlreiche  Einzelmitglieder  des  Bundes  sowie  die  in  gewaltiger  Menge  erschienen  Angehörigen
  aller  politischen  Parteien  Deutschland  richten  im  Namen  des  Volkes  an  der  Saar,  das  durch
ein  durch  nichts  zu  rechtfertigendes  Militärregime  im  Saargebiet  mundtot  gemacht  ist.  einen
Aufruf  an  das  ganze  deutsche  Volk  und  weit  über  die  Grenzen  hinaus  an  alle  zivilisierten
Völker  der  Erde,  insbesondere  aber  an  jene  Völker,  die  dem  Völkerbund  angehören:  „Helft
dem  Volke  an  der  Saar,  befreit  es  aus  seiner  politischen  und  moralischen  Unfreiheit,
Rechtlosigkeit  und  Tyrannei.  Laßt  nicht  zu,  daß  ein  hochzivilisiertes  Volk  im  Herzen
Europas  als  willenloser  Spielball  des  französischen  Propagandaregimes  mißbraucht  wird,  das
darauf  ausgeht,  die  Seele  dieses  Volkes  zu  vergiften,  es  durch  wirtschaftliche  Not  in  seinen
reinen  Gefühlen  zu  vergewaltigen.“
Noch  einmal  muß,  wie  es  schon  vorher  so  oft  geschah,  festgestellt  werden:  Clemenceau  log
bewußt,  als  er  den  Vertretern  jener  Völker,  die  am  Friedensdiktat  von  Versailles  beteiligt  sind,
das  Saargebiet  als  französisches  Interessengebiet  bezeichnete  wegen  der  angeblich  dort
seßhaften  Franzosen.  Im  Saargebiet  wohnten  vor  dem  Kriege  nicht  mehr  Franzosen  als  in
jedem  anderen  Gebiet  Deutschlands,  wo  sich  einzelne  Franzosen  aus  persönlichen  Interessen
niederließen.  Die  gesamte  Bevölkerung  ist  und  war  von  jeher  rein  deutsch.  Die  französische
Regierung  soll  jene  Adresse  mit  den  angeblichen  150.000  Unterschriften  vorlegen,  worin  diese
angeblichen  150.000  Franzosen  des  Saargebietes  den  Präsidenten  der  französischen  Republik
um  Annexion  des  Saargebietes  bitten.  Diese  angeblichen  150.000  Unterschriften  der  Franzosen
sind  eine  gemeine  Lüge  oder  eine  noch  gemeinere  Fälschung.  Auf  Grund  dieser  Lüge  oder
Fälschung  sind  die  drückenden  Bestimmungen  des  Friedensvertrages  über  das  Saargebiet
gefaßt  worden,  die  ein  blutiger  Hohn  sind  auf  den  demokratischen  Gedanken  und  auf  das  Recht
der  Selbstbestimmung  eines  Volkes.  Sollen  die  Völker  auf  dem  Boden  des  Rechtes  untereinander
  verkehren,  so  muß  zuallererst  dieses  Unrecht  aus  der  Welt  geschaffen  werden,  das  dem
Volk  an  der  Saar  angetan  wurde.
Laßt  Euch  nicht  täuschen  über  die  Ruhe,  die  im  Saargebiet  herrscht.  Ein  Terror  sondergleichen
  lastet  auf  dem  Volk  an  der  Saar.  Obwohl  das  Saargebiet  der  Verwaltung  des  Völkerbundes
  untersteht,  herrscht  heute  noch  das  französische  Militär  dort,  in  Verbindung  mit  der
seelenfängerischen,  vor  nichts  zurückschreckenden  französischen  Propaganda.  Jede  Äußerung,
  die  irgendwie  diesen  beiden  über  alles  Recht  sich  hinwegsetzenden  Gewalten  mißfällt,
selbst  wenn  sie  im  Sinne  der  Vertragsbestimmungen  lautet,  wird  mit  Ausweisung  der  betreffenden
  Person  bestraft.  Rücksichtslos  werden  auf  Grund  gemeiner  Spitzelberichte  und
Denunziationen  Familienmitglieder  auseinander  gerissen,  Existenzen  vernichtet  und  Freiheit
und  Recht  des  Einzelnen  und  der  Gesamtheit  mit  Füßen  getreten.  Das  Volk  muß  schweigen,
will  es  sich  nicht  brutaler  Gewalt  ausliefern.  Keine  Hilfe  steht  ihm  zur  Verfügung,  ihm
bleibt  nur  der  Appell  an  die  Gerechtigkeit  der  Welt  und  der  Appell  an  den  ihm  zum  Schutzherrn
  bestellten  Völkerbund.
Wir  wissen,  daß  der  Völkerbund  einseitig  durch  die  Organe  der  französischen  Annexionspolitik
  im  Saargebiet  informiert  wird.  Wir  wissen,  daß  der  Völkerbund  deshalb  keine
Ahnung  hat  von  den  wahren  Zuständen  des  Saargebietes,  daß  er  nichts  weiß  von  der

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