Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Etwa  bis  Sommer  1935  fungierte  die  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“  wieder  als
Anlauf-  und  Auskunftsinstanz14.  Gegen  ein  monatliches  Gehalt  von  600  RM  bereitete
Vogel  ab  dem  darauf  folgenden  Frühjahr  die  Übergabe  der  Akten  des  Vereins  und
des  Schriftverkehrs  mit  Behörden.  Privatpersonen  und  den  Ortsgruppen  an  das
Reichsarchiv  Potsdam  vor.
Es  war  abzusehen,  daß  der  „Saar-Freund“  nicht  mehr  lange  nach  der  Abstimmung  zur
Verfügung  stehen  würde.  Deshalb  startete  der  einstige  Mitarbeiter  im  Pressereferat
der  RfFF  Dr.  Rochlitz,  bereits  in  den  letzten  Monaten  des  Jahres  1934  die  Artikelserie
  „190  Monate  Kampf  um  Saarrecht.  Saarwahrheit  und  Saarfreiheit“,  welche  das
Kerngerüst  der  späteren  Gesamtdarstellung  bildete1^.  Eine  wichtige  Triebfeder  für
diese  Art  der  Selbststilisierung  dürfte  die  Furcht  vor  Bedeutungslosigkeit  und  der
gekränkte  Stolz  Vogels  gewesen  sein,  von  anderer  Seite  nicht  entsprechend  gewürdigt
  zu  werden.  Zugleich  besaß  die  Außendarstellung  einen  durchaus  pragmatischen
Grund:  Die  Aufarbeitung  der  eigenen  Geschichte  noch  vor  dem  Plebiszit  wurde  in
dem  Maße  notwendiger,  wie  nach  dem  Rückzug  Simons  aus  der  Bundesführung  das
Damoklesschwert  der  erzwungenen  Auflösung  über  dem  Verein  schwebte.
Im  Spätsommer  1935  folgte  mit  dem  etwa  400seitigen  „Saar-Befreiungskampf  im
Reich  1918-1935“,  der  als  „Gedenkbuch  für  den  16jährigen  Treuekampf  der  deutschen
  Saarbevölkerung  gegen  Gewalt-  und  Fremdherrschaft“  beworben  wurdei6,  eine
Gesamtdarstellung  der  politischen  und  wirtschaftlichen  Geschichte  des  inzwischen
rückgegliederten  Saargebiets.  Noch  einmal  wurden  die  Verstöße  der  Regierungskommission
  und  Frankreichs  aufgerollt  und  in  das  saarvereinstypische  Interpretationsschema
  eingeordnet.  Vogel,  der  schon  lange  vor  der  Abstimmung  mit  den
Vorarbeiten  begonnen  hatte17 18,  beging  allerdings  den  Fehler,  die  Verdienste  der
NSDAP  am  Ausgang  des  Plebiszits  nicht  entsprechend  ausreichend  zu  würdigen.  Er
wollte  sich  konzeptionell  bewußt  von  der  anderen  Saarliteratur  und  insbesondere  von
der  „Weltgeschichte  an  der  Saar“  abgrenzen,  in  welcher  Bürckels  Hagiograph  Karl
Bartz  den  Erfolg  der  Abstimmung  in  erster  Linie  seinem  Gauleiter  zuschrieb'8.  So
war  es  sicherlich  kein  Zufall,  daß  die  Parteiamtliche  Prüfungskommission  zum
Schutz  des  NS-Schrifttums  Ende  1936  Einwände  gegen  das  weitere  Erscheinen  des
Buches  erhob;  erst  nach  einem  klärenden  Gespräch  mit  Vogel  sah  die  Kommission
von  einem  generellen  Verbot  ab,  untersagte  aber  den  öffentlichen  Vertrieb  über  den

14  Vgl.  Schriftverkehr  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R  75.494  und  BA-R  8014/972.
15  Vgl.  SF  15  (1934)  22,  S.  457-461;  SF  15  (1934)  23.  S.  497  ff.;  SF  15  (1934)  24,  S.  518  ff.;  SF  15
(1934)  25.  S.  551  f.;  SF  15  (1934)  26,  S.  568-571;  SF  15/16  (1934/35)  27,  S.  594  ff.;  SF  15/16
(1934/35)  S.  618-622.
16  Vgl,  Rundschreiben  derGSV  (August  1935),  in:  StA  Erlangen,  406/110  a.
Vgl.  Brief  derGSV  an  Oberstudienrat  Kneuper  (18.09.33),  in:  BA-R  8014/875.
18 Vgl.  Brief  Vogels  an  Andres  (01.10.35),  in:  LA  Saarbrücken,  NL  Vogel  2.

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