vorbei'*. Vertreter des Bundes der Saarvereine spielten weder während des Staatsaktes
noch bei den Rahmenfeierlichkeiten eine herausragende Rolle. Insgesamt hatte die
Saarvereinigung anstatt der erbetenen zwölf nur drei Ehrenkarten erhalten9 10 und in
den zahlreichen Ansprachen wurden die Verdienste des Bundes nur unzureichend
gewürdigt. Eine derartige Entwicklung hatte sich bereits in den letzten Monaten
abgezeichnet. Fast alle Publikationen, die anläßlich des Plebiszits erschienen, blendeten
die Rolle des Bundes der Saarvereine bei der Erfassung und Mobilisierung der
Abstimmungsberechtigten aus. Insbesondere die beiden großen Saarkundgebungen
am Rhein 1933 und 1934 schienen als organisatorische Glanzleistung der Nationalsozialisten
- das Interesse an den ursprünglichen Initiatoren dieser Versammlungen
reichte in den meisten Fällen nicht einmal mehr für Randnotizen.
Wie läßt sich dieses Phänomen erklären? Die Vermutung, der Verein sei vom neu
ernannten Reichskommissar für die Rückgliederung des Saarlandes dafür abgestraft
worden, daß er Bürckels Rivalen Gustav Simon geholfen habe, seinen Einfluß in
Saarfragen zu stärken, läßt sich anhand der Quellen nicht verifizieren. Plausibler
scheint die These, daß der Bund der Saarvereine nicht mehr zum Zeitgeist paßte, der
nach außen durch Kooperation und nicht mehr durch Konfrontation gegenüber dem
einstigen „Erbfeind“ geprägt war. Mit seinen Polemiken stand der Verein der
Friedens- und Versöhnungspropaganda Hitlers entgegen und konterkarierte dessen
Beschwichtigungspolitik zur Vertuschung der geheimen Aggressionspläne. Nach der
Saarrückgliederung waren Organisationen wie die im Oktober 1935 neu gegründete
„Deutsch-Französische Gesellschaft“ und Publikationen in der Art der „Deutschfranzösischen
Monatshefte“11 gefragt. Die offizielle deutsche Außenpolitik bemühte
sich, unnötige Provokationen Frankreichs zu vermeiden. Aus diesem Grund wurde
beispielsweise die Verbreitung des am 16. November 1934 im Berliner Hotel „Kaiserhof1
von Vogel präsentierten „Saarbuchs“ von Friedrich HEISS auf Veranlassung
des Propagandaministeriums unterbunden und die im Folgejahr erschienene überarbeitete
zweite Auflage um ihre aggressiven antifranzösischen Passagen entschärft12 13.
Zu spät stimmte der Bund der Saarvereine das Hohelied der deutsch-französischen
Verständigung an, beispielsweise als er behauptete, ein dauerhafter Ausgleich lasse
sich nur durch den eindeutigen Ausgang der Abstimmung realisieren und markiere
den Beginn einer gesamteuropäischen Friedensordnung1 ’.
9 Ablauf der Veranstaltung: Vgl. SF 15/16 (1934/35) 30. S. 648-656. Vgl. ebenso das Minutenprogramm
aus der Feder des RMPropaganda (28.02.35), in: BA-R 43-1/257; REUTH, Bd. 3, S. 857 f. (Eintrag vom
02.03.35).
10 Vgl. Brief derGSV an Sutter (28.02.35), in: BA-R 8014/335; Ehrenkarte Vogels (26.02.35), in: BA-R
8014/1132. Neben Vogel nahmen Andres und Debusmann am Staatsakt teil.
11 Vgl. BOCK: Die deutsch-französische Gesellschaft, S. 96 ff.; Ray, S. 156-189.
12 Vgl. Vortrag Vogels (16.11.34), in: BA-R 8014/896: DNB-Rundruf vom 17.11.34. in: BOHRMANN/
TOEPSER-ZlEGERT (Hrsg.): Bd. 2, S. 505 f.
13 Vgl. SF 15/16 (1934/35) 27. S. 581 ff.; SF 15/16 (1934/35) 28, S. 602 ff. „Wir hegen keinen Haß gegen
die Franzosen als solche, wissen wir doch, daß das französische Volk selbst die Unterdrückung der Saar
nicht will.“: Sondernummer (1934/35) I.S. 8.
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