Die Mobilisierung der reichsdeutschen
Öffentlichkeit für die Saar erreichte in
jenen Tagen ihren absoluten Höhepunkt.
Während mancherorts die Aufmärsche
zur Begrüßung der heimkehrenden Abstimmungsberechtigten
gerade ausklangen
und verschiedene Sonderzüge noch
unterwegs waren, erfolgte bereits der
nächste Appell zu Gemeinschaftsempfang
und Beflaggung177. In den meisten
Fabriken, Betrieben, Behörden und Verwaltungen,
auf öffentlichen Plätzen und
in Gaststätten, in Universitäten und
Wartehallen war die deutsche Bevölkerung
gehalten, ihr Interesse an der staatsrechtlichen
Zukunft der Saar und ihre
Verbundenheit mit ihren saardeutschen
Brüdern und Schwestern durch das gemeinsame
Hören der Rundfunkübertragung
aus der Saarbrücker Wartburg unter
Beweis zu stellen. Nach der propagandistischen Vorarbeit der zurückliegenden
Monate dürfte die in den nun folgenden Feierlichkeiten zum Ausdruck gebrachte
Freude über den Ausgang des Plebiszits bei vielen Deutschen einer innerer Überzeugung
entsprochen haben. Schließlich wurde mit der nun allseits erwarteten Rückkehr
des Saargebiets zum Deutschen Reich eine weitere territoriale Bestimmung des
Versailler „Diktatfriedens“ zu Grabe getragen. Nach den beeindruckenden Erfolgen
bei der Reduzierung der Arbeitslosenzahlen konnte sich die nationalsozialistische
Reichsregierung unter der Führung Hitlers nun als Vollstreckerin der allseits ersehnten
Revision präsentieren.
Wiederum weisen die Feierlichkeiten nach der Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses
große Ähnlichkeit untereinander auf. Sofern die Häuser nicht ohnehin noch
den Fahnen-, Girlanden- und Blumenschmuck der vergangenen Tage trugen, wurden
sie erneut staffiert, während tagsüber Marschkolonnen durch die Straßen zogen und
die örtlichen Parteiformationen die Vorbereitungen für die abendlichen Saartreuekundgebungen
trafen. Reichsweit läuteten um die Mittagszeit für eine Stunde die
Glocken. In den Schulen endete der Unterricht und die städtischen Verwaltungen
stellten bereits am frühen Nachmittag die Arbeit ein. Lange defilierten am Abend
Fackelzüge der Reichswehr, von sämtlichen lokalen Parteigliederungen, von Ver-?•>.'
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Die Ankunft der Berliner Abstimmungsberechtigten
am Potsdamer Bahnhof
7 Vgl. Funksprach der Regierung von Oberfranken und Mittelfranken (14.01.35), in: Staatsarchiv
Coburg, LRA Coburg 9127.
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