Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Saarkundgebung  in  Breslau  (1934)

greifend,  einigten  sich  die
Sachbearbeiter  der  verschiedenen
  Ministerien  und  Saardienststellen
  im  Herbst  1934
darauf,  daß  erwerbslose  Abstimmungsberechtigte
  für  die
Reise  ins  Saargebiet  neu  eingekleidet
  werden  sollten.
Saarobleute  des  Bundes  waren
  daher  aufgefordert,  Verzeichnisse
  bedürftiger  Saarländer
  in  ihrem  Einzugsgebiet
zu  erstellen  und  gemeinsam
mit  der  Reichsleitung  der  „Nationalsozialistischen  Volkswohlfahrt“  (NSV)134  entsprechende
  Maßnahmen  aus  den  Mitteln  des  Winterhilfswerks  einzuleiten.  Gleichzeitig
  sollten  sie  Erkundigungen  über  notwendige  Geschäftsvertretungen,  Lohnfortzahlungen
  für  abstimmungsberechtigte  Arbeiter  und  Angestellte  sowie  erforderliche
  Betreuung  von  Kleinkindern  und  Pflegefällen  einziehen135.  Selbstverständlich
führte  die  Anweisung  der  NSDAP-Reichsleitung,  daß  die  Unterstützung  der  Saarabstimmungsberechtigten
  aus  den  Mitteln  der  NS  V  engstirnig  geschehen  dürfe,  auch
zu  Mißbrauch  und  Übereifer1'’6,  doch  wurden  diese  Auswüchse  notgedrungen  akzeptiert,
  um  zu  vermeiden,  daß  sogenannte  verschämte  Arme  nur  deshalb  nicht  zur
Abstimmung  fuhren,  weil  es  ihnen  an  der  nötigen  Winterbekleidung  fehlte137.  Auf
Antrag  der  Ortsgruppenleiter  bzw.  Obleute  erhielten  bedürfte  Abstimmungsberechtigte
  auch  kleinere  Geldsummen  als  Zehrgeld  während  ihres  Aufenthaltes  im  Saargebiet
  und  wurden  Selbständige  entschädigt  bzw.  Verdienstausfälle  ausgeglichen138.
So  konnte  sich  die  nationalsozialistische  Reichsregierung  als  eben  jene  treusorgende

154  Seit  Anfang  Mai  1933  besaß  die  NSV  das  Monopol  in  der  Wohlfahrtspflege  und  Fürsorge:  Vgl.
Vorländer.
155  Vgl.  Aktennotiz  (23.10.34),  in:  BA-R  8014/1131;  Protokoll  der  Sitzung  vom  23.10.34  (23.10.34),  in:
PA  AA,  II  a  Saargebiet.  R  73.481;  Rundschreiben  derGSV  (23.10.34)  und  vierte  Anweisung  der  GS  V
an  die  Saarobmänner  (09.11.34),  in:  LA  Saarbrücken,  Saar-Verein  27.  Hiervon  ausgenommen  waren
selbstverständlich  offensichtliche  Gegner  der  Rückgliederung:  Vgl.  Aktenvermerk  (08.01.35),  in:  BA-R
  8014/689.
156  Vgl.  Abschrift  eines  Artikels  aus  der  „Grenzland“  (Dezember  1934),  in:  StA  Aachen,  OB-Reg  2-17.
Siehe  auch  den  Bericht  eines  aus  einem  Konzentrationslager  entlassenen  Kommunisten,  in:  PAUL:
Deutsche  Mutter,  S.  361.  Die  Behauptungen  decken  sich  mit  Berichten  der  Obleute:  Vgl.  Brief  des
Kreisobmanns  von  Baumholder  an  die  Landesgruppe  Westmark  (28.12.34),  in:  LHA  Koblenz,
661,11/10.
157  Vgl.  Rundschreiben  der  NS-Frauenschaft  Gau  Koblenz-Trier  an  alle  Kreis-  und  Orts-Frauenschaftsleiterinnen
  und  Sozialreferentinnen  des  Gaus  (04.12.34),  in:  LHA  Koblenz,  661,11/29.
158  Vgl.  Rundbrief  Debusmanns  (31.12.34),  in:  LA  Saarbrücken.  Saar-Verein  27;  Sonderrundschreiben
der  NSV  an  Gauleiter  und  Gauamtsleiter  Nr.  2,  in:  BA-R  8014/992.  Meldebögen  für  bedürftige
Saarländer,  in:  LA  Speyer  H  38/402.  Vgl.  den  umfangreichen  Schriftverkehr  über  Betreuungsfragen,
in:  BA-R  8014/993-998.

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