Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

sich  nicht.  Gerüchte  zu  streuen136.  Indem  sie  darauf  drängte,  keine  Gemeinschaftstransporte
  zu  veranstalten,  sondern  die  Wähler  bewußt  individuell  ins  Saargebiet
reisen  zu  lassen137,  verspielte  die  AFS  selbst  die  Chance,  die  französischen  Abstimmungsberechtigten
  emotional  auf  das  Plebiszit  bzw,  den  Status  quo  einzustimmen.
  Geschah  dies  mit  der  Intention,  sich  von  den  reichsdeutschen  Transporten
abzugrenzen,  fehlte  den  anreisenden  Abstimmungsberechtigten  so  das  Gefühl  der
Stärke,  welches  sie  in  der  Masse  hätten  erleben  können.  Während  die  reichsdeutschen
  Abstimmungsberechtigten  in  den  vorangegangenen  Wochen  einen  Kundgebungsmarathon
  absolviert  hatten,  letzte  ermahnende  Instruktionen  unmittelbar  am
Bahnhof  erhielten  und  gemeinsam  in  geschmückten  Sonderzügen  an  die  Saar  fuhren,
waren  die  französischen  Wähler  auf  sich  gestellt138 139.  Da  die  „Association  Française“
zudem  jede  Verantwortung  für  den  Transport  innerhalb  des  Saargebietes  ablehnte136,
konnten  die  prodeutschen  Stellen  an  der  Saar  hier  einhaken  und  übernahmen  ab  der
Grenze  die  Betreuung  der  aus  Frankreich  angereisten  Abstimmungsberechtigten,  die
anscheinend  auch  rege  in  Anspruch  genommen  wurde140.
*  *  *
Die  „Association  Française  de  la  Sarre"  bzw.  die  „Union  Franco-Sarroise“  lösten
sich  nach  dem  Plebiszit  nicht  auf.  sondern  wandten  sich  allen  in  Frankreich  lebenden
Saarländern  zu,  um  deren  Assimilation  zu  unterstützen141.  Am  ersten  Jahrestag  der
Abstimmung  richtete  die  AFS  erneut  an  ihre  einstigen  Mitstreiter  die  Bitte,  ihren
Kampf,  der  sich  nach  der  Niederlage  an  der  Saar  nun  auf  das  Elsaß  und  Lothringen

136  Vgl.  Brief  des  Generalsekretärs  Klein  (  „Association  d’entr’aide  pour  la  Sarre“)  an  den  Abgeordneten
Soulier  (31.12.34),  in:  MAE,  Sarre  243.
137  Vgl.  Transportgutschein  (Januar  1935),  in:  Ebd.  Aus  dieser  flexiblen  Handhabung  des  Transportes
resultierte  letztendlich  das  Problem,  daß  die  AFS/UFS  nicht  in  der  Lage  war,  die  zu  erwartende  Zahl
von  anreisenden  Wählern  abzuschätzen  bzw.  in  Kauf  nehmen  mußte,  daß  Abstimmungsberechtigte
ihre  Anreise  zu  spät  antraten:  Vgl.  Aufzeichnung  der  AFS  (02.01.35),  in:  Ebd.  Einen  Teil  der  aus
entfernteren  Regionen  Frankreichs  anreisenden  Saarländer  hoffte  die  AFS  in  den  Schlafhäusem  der
„Administration  des  Mines  Domaniales“  unterbringen  zu  können.  Gemeinsam  mit  ihren  Abstimmungsausweisen
  und  den  Pässen  erhielten  die  Wähler  Verpflegungs-  und  Unterkunftsgutscheine:  Vgl.
Rundschreiben  derUFS  an  die  Abstimmungsberechtigten  in  Frankreich  (27.12.35  und  03.01.35),  in:
Ebd.
138  Lediglich  aus  den  grenznahen  Gemeinden  rollten  fünf  Sonderzüge  nach  Saarbrücken:  Vgl.  Wambaugh,
  S.  298.
139  An  den  Grenzbahnhöfen  kümmerten  sich  am  13.01.35  etwa  400  Helfer  mit  Armbinden  „Union
Franco-Sarroise“  um  die  Anreisenden  aus  Frankreich.  Bei  der  Verteilung  von  Essen  wurden  sie  von
Mitgliedern  der  „Action  Française“  unterstützt,  die  allerdings  nicht  propagandistisch  in  Erscheinung
traten:  Vgl.  Brief  des  Metzer  Präfekten  an  die  Direction  Générale  de  la  Sûreté  Nationale  (11.01.35),
in:  MAE,  Sarre  243;  Brief  des  Commissaire  Spécial  de  Boulay  an  den  dortigen  Unterpräfekten
(11.02.35),  in:  Ebd.
I4<1  Vgl.  Arbeitsbericht  der  Beratungsstelle  der  DF  (04.02.35),  in:  PA  AA,  Il  a  Saargebiet,  R  75.491.
Überzeugte  Status-quo-Anhänger  dürften  sich  natürlich  auch  durch  diese  Maßnahme  nicht  haben
beirren  lassen,  doch  wird  man  deren  propagandistische  Wirkung  auf  einen  Teil  der  noch  Unentschlossenen
  nicht  in  Abrede  stellen  können.
141 Vgl.  undatierter  Brief  Lanrezacs  an  das  französische  Konsulat  Saarbrücken,  in:  MAE,  Sarre  306;
Rundschreiben  der  AFS  (23.10.35),  in:  MAE,  PA-AP  212/2.

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