Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

gestellt  wurden130.  Wenngleich  der  Aufwand  für  etwa  5.000  Wähler131  natürlich
geringer  als  für  die  mehreren  Zehntausend  Abstimmungsberechtigten  im  Reich  war.
hinkte  Frankreich  in  dieser  Frage  im  Vergleich  zu  Deutschland  mehrere  Monate
hinterher.  Die  französische  Regierung  hatte  mit  Problemen  ganz  anderer  Art  zu
kämpfen  hatte:  Das  „Comité  de  Direction  des  Grands  Réseaux  de  Chemin  de  fer
Français“  stellte  anfangs  für  den  Transport  in  Frankreich  lediglich  eine  Reduktion  in
Höhe  von  75%  in  Aussicht  und  wollte  die  Frage  der  freien  Fahrt  davon  abhängig
machen,  wie  groß  der  Kreis  der  Nutzer  sein  würde132.  Ferner  erklärten  sich  die
privaten  Schiffahrtsgesellschaften  des  Mittelmeeres  nur  zu  einer  maximalen  Ermäßigung
  von  50%  für  die  aus  Nordafrika  anreisenden  Abstimmungsberechtigten
bereit,  und  gleichzeitig  mußte  sich  Außenminister  Laval  gegen  Widerstände  innerhalb
  des  eigenen  Kabinetts  durchsetzen133.
Ähnlich  wie  der  Bund  der  Saarvereine  in  bezug  auf  die  deutschen  Behörden  machten
die  „Union  Franco-Sarroise“  und  die  „Association  Française  de  la  Sarre“134  die
französische  Regierung  auf  organisatorische  Versäumnisse  aufmerksam  und  halfen
aktiv  bei  ihrer  Beseitigung.  Nach  außen  hin  traten  sie  ebenfalls  als  Finanziers  des
Transports  der  französischen  Abstimmungsberechtigten  zu  den  Wahlurnen  auf135.  Um
hierfür  die  erforderlichen  Geldmittel  zu  erhalten,  malten  die  Privatorganisationen  die
Zukunft  des  Saargebiets  nach  einem  deutschen  Sieg  in  dunklen  Farben  und  scheuten

130  Vgl.  Note  des  französischen  Außenministeriums  (04.12.34),  in:  MAE,  Sarre  243.  Eine  Aufstockung
der  finanziellen  Mittel  sowohl  für  die  Organisation  als  auch  die  Unterbringung  und  Verpflegung  der
Abstimmungsberechtigten  schien  schon  bald  unumgänglich;  allein  für  die  Verpflegung  veranschlagte
die  AFS  120.000  Francs:  Vgl.  „Note  relative  au  transport  des  votants  en  Sarre“  (03.12.34)  und  Brief
Lanrezacs  an  Außenminister  Laval  (13.12.34),  in:  ebd.
131  Nach  Ablauf  der  Eintragungsfristen  waren  in  Frankreich  und  seinen  Kolonien  insgesamt  etwa  5.000
Abstimmungsberechtigte  ermittelt  worden.  Etwa  70%  stammten  aus  den  östlichen  Departements
Moselle,  Bas-Rhin  und  Meurthe  et  Moselle,  20%  aus  dem  Großraum  Paris  sowie  insgesamt  etwa  500
Personen  aus  dem  restlichen  Frankreich  sowie  dem  nichtdeutschen  Ausland:  Vgl.  Brief  der  AFS  an
Außenminister  Laval  (26.11.34),  in:  ebd.  Eine  alphabetische  und  nach  Wohnorten  geordnete  Auflistung
  von  3.269  Abstimmungsberechtigten  in  aller  Welt  (02.01.35),  in:  ebd.  Die  Differenz  der
Zahlenwerte  ergibt  sich  aus  der  Tatsache,  daß  bei  weitem  nicht  alle  Abstimmungsberechtigten  aus
Frankreich  den  Weg  über  die  Tarnorganisation  wählten,  sondern  ihre  Anträge  direkt  an  die  saarländischen
  Gemeindebüros  richteten.
132  Vgl.  Noten  des  französischen  Außenministeriums  (24.08.34,  29.10.34  und  17.11.34),  in:  ebd.
Letztlich  wurde  doch  kostenloser  Transport  gewährt:  Vgl.  Note  des  französischen  Außenministeriums
(08.01.35),  in:  MAE,  Sarre  217.
133  Vgl.  Brief  der  „Services  Contractuels  des  Messageries  Maritimes“  an  das  Außenministerium
(18.12.34)  sowie  Brief  Außenminister  Lavais  an  den  Minister  für  Öffentliche  Arbeiten  (11.12.34)  und
den  Präsidenten  der  Reko  Knox  (21.12.34),  in:  Ebd.
134  Neben  den  beiden  Gruppierungen  konstituierte  sich  unter  der  Leitung  André  Fribourgs  im  Dezember
1934  mit  der  „Association  d’entr’aide  pour  la  Sarre“  noch  eine  dritte  Vereinigung,  welche  sich
ebenfalls  um  die  technischen  Seiten  des  Transportes  und  die  Verpflegung  der  französischen  Abstimmungsberechtigten
  kümmerte.  In  seinem  Propagandakomitee  waren  16  Senatoren  und  20
Kammerabgeordnete  vertreten:  Vgl.  Brief  des  Generalsekretärs  Klein  an  den  Abgeordneten  Soulier
(27.12.34) ,  in:  MAE,  Sarre  243.
133  Vgl.  Rundschreiben  der  UFS  (Januar  1935),  in:  PA  AA,  1!  a  Saargebiet,  R  75.720.

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