bestand, daß sie abstimmungsberechtigt sein könnten. Ein Informationsblatt forderte
potentielle Wähler sogar explizit auf, die Bedingungen der Abstimmungskommission
zu ignorieren und es der Entscheidung des Metzer Zentralwahlbüros zu überlassen,
ob sie abstimmungsberechtigt seien"'.
Unter den über 7.00Ö eingegangenen Anträgen vermutete die „Union Franco-Sarroise"
maximal 4.000 tatsächlich berechtigte Personen. Daß zahlreiche Franzosen darauf
verzichteten, sich registrieren zu lassen, lastete sie der unzureichenden französischen
Propaganda an, der trotz aller Anstrengungen der Association die notwendigen
finanziellen Mittel fehlten. Diese zur Verfügung zu stellen, sei in den letzten drei
Monaten vor dem Referendum vor allem deshalb so wichtig, weil der Ausgang des
Urnengangs am 13. Januar keineswegs als sicher gelten könne113 114. Schließlich übten
die in Frankreich lebenden Saarländer großen Einfluß auf ihre Familien und Freunde
an der Saar aus; auch die Flugblätter der Union fänden dort rege Verbreitung1^ und
zu Versammlungen in Grenznähe erschiene immer eine große Zahl von Saarländern116.
Mit dem Ziel, eben jene Ergebnisoffenheit der Abstimmung zu proklamieren
und die Wichtigkeit der eigenen Arbeit hervorzuheben, fanden in den Monaten
August und September zahlreiche Versammlungen der lokalen Sektionen der UFS
statt, die quantitativ bei weitem nicht an die unzähligen Saarkundgebungen im
Deutschen Reich heranreichten. So plante die „Union Franco-Sarroise“ am 23.
September 1934 eine große Kundgebung auf den Spicherer Höhen, zu der sie etwa
50-70.000 saarländische Besucher erwartete. Als Redner waren Max Braun sowie
die Abgeordneten Fribourg und Oberkirch vorgesehen. Der Präfekt von Metz verweigerte
allerdings die Genehmigung zu der Veranstaltung, da sie bei der dort ansässigen
Bevölkerung, den Sektionen des „Souvenir Français“ sowie unter den ehemaligen
Frontkämpferverbänden auf erbitterten Widerstand und Ablehnung stieß117.
113 Vgl. Rundschreiben der UFS (August 1934), in: PA AA, Il a Saargebiet. R 75.718. Sofern die in
Frankreich lebenden Abstimmungsberechtigten keine Privatadresse im Saargebiet angegeben hatten,
trugen die Büros der UFS die Anschrift Lanrezacs auf dem Antrag ein: Vgl. Arbeitsbericht der
Beratungsstelle der DF (04.02.35), in: PA AA. Il a Saargebiet, R 75.491.
114 Anders sei der gewaltige Aufwand, der von der deutschen Gegenseite für die Erfassung der Abstimmungsberechtigten
betrieben werde, nicht zu erklären. Sogar an die Mitglieder der Union hätten
die deutschen Organisationen im Osten Frankreichs Unterlagen verschickt.
115 Flugblätter der UFS griffen sowohl aktuelle Themen als auch generelle Fragen auf, versuchten die
saarländischen Katholiken auf ihre Seite zu ziehen und stellten die wirtschaftlichen Vorteile der
fortdauernden Symbiose mit dem benachbarten Lothringen in den Vordergrund, ohne dabei die
Zielsetzungen der Union zu thematisieren: Vgl. PA AA, If a Saargebiet, R 75.717 f.
116 Vgl. Bericht über die Tätigkeit der UFS (nach 30.09.34), in: MAE, PA-AP212/1: Rundschreibendes
AA (10.10.34), in: BA-R 8036/44; Berichte der Gestapo über Versammlungen der UFS in Grenznahe
mit Listen der teilnehmenden Personen in: PA AA, Il a Saargebiet, R 75.717 sowie BA-R 8036/56
und 74.
n7 Außerdem würde sie in der öffentlichen Wahrnehmung ledigleich als Replik auf die imposante
Inszenierung am Rhein vier Wochen zuvor gewertet werden: Vgl. Briefe des Metzer Präfekten an die
Direction Générale de la Sûreté Nationale (01.09.34 und 05.09.34), in: AN, F 13,472; LEMPERT, S.
362 f.; von ZUR Mühlen: Schlagt Hitler, S. 153.
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