Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Ziele95.  Nur  zwischen  den  Zeilen  war
zu  erkennen,  daß  die  UFS  für  das
bevorstehende  Plebiszit  gegründet
worden  war:  Eher  beiläufig  wurde
auf  der  Beitrittserklärung  nach  dem
Wohnsitz  am  28.  Juni  1919  gefragt
und  den  Satzungen  zufolge  sollte  die
Mitgliedschaft  gebürtigen  Saarländern,
  deren  Kindern  sowie  Saarabstimmungsberechtigten
  Vorbehalten
bleiben.
Die  deutsche  Seite  durchschaute  das  Tarnmanöver:  Im  Herbst  1933  berichtete  der
„Saar-Freund“  erstmals  über  den  „Verein  der  Saarländer  in  Frankreich“,  der  neben
die  bisher  bestehenden  Organisationen  wie  die  „Société  des  Amis  des  Pays  de  la
Sarre“  oder  den  „Groupement  Economique  des  Français  ayant  des  intérêts  en  Sarre“
getreten  sei  und  sich  die  Erfassung  und  Mobilisierung  der  schätzungsweise  10.000
abstimmungsberechtigen  Saarländer  in  Frankreich  auf  die  Fahnen  geschrieben  habe96.
Was  Vogel  hingegen  verschwieg,  waren  die  zahlreichen  Parallelen,  welche  die  Union
zum  Bund  der  Saarvereine  aufwies97:  Ähnlich  wie  dieser  präsentierte  sich  die  französische
  Vereinigung  als  Interessenvertreterin  friedensliebender  Saarländer  und  sonstiger
  Abstimmungsberechtigter,  und  ebenso  wie  der  Bund  untergliederte  sich  die
Union  in  lokale  Ortsverbände  und  regionale  Comités  zur  Entlastung  der  Pariser
Zentrale98 99.  Die  Gesamtleitung  oblag  nach  der  ersten  Generalversammlung  in  Paris
(27.  Juli  1933)  einem  zehnköpfigen  Verwaltungsrat  unter  der  Führung  des  Präsidenten
  Paul  Collong,  seinen  Stellvertretern  Jules  Wenger  und  Villeroy  de  Galhau
sowie  dem  Generalsekretär  und  Schatzmeister  Jean  Louis  Dêve".
Die  Suche  nach  potentiellen  Abstimmungsberechtigten  in  Frankreich,  welche  die
AFS/UFS  gemeinsam  mit  den  Präfekturen  unternahm,  brachte  rasche  Erfolge:  Allein
in  30  Gemeinden  des  Arrondissements  Forbach  konnten  bis  Anfang  November  1.388
abstimmungsberechtigte  Saarländer  festgestellt  werden,  wovon  sich  1.275  Personen
in  acht  Orten  konzentrierten.  Sektionen  der  „Union  Franco-Sarroise“  existieren  zu

95  Vgl.  undatiertes  Werbe  schreiben  der  UFS,  in:  PA  AA,  Botschaft  Paris  716  b.  Offiziell  gab  es  keine
Verbindungen  zur  AFS,  die  allerdings  ebenso  wie  die  UFS  in  der  Pariser  Rue  Taitbout  ansässig  war.
96  Vgl.  SF  14(1933)  22,  S.  414  ff.
97  Im  Grunde  erhob  sie  einen  ähnlichen  Anspruch  wie  der  BdS  -  bezogen  auf  Frankreich:  Vgl.  „Saar-Chronik“
  Nr.  321  (11.08.34).  Da  die  französische  Regierung  ebenfalls  an  die  Garantievereinbarungen
von  Anfang  Juni  1934  gebunden  war,  erfüllte  die  AFS/UFS  auch  dort  vergleichbare  Handlangerdienste
und  ermöglichte  den  Behörden,  sich  hinter  der  Organisation  zu  verbergen.
98  Allein  im  grenznahen  Département  Moselle  existierten  im  Herbst  1934  acht  Bezirke;  die  Pariser  Sektion
konstituierte  sich  unter  dem  Namen  „Fédération  Sarroise“.
99  Vgl.  undatierter  „Auszug  aus  den  Statuten  der  Union  Franco-Sarroise“,  in:  LHA  Koblenz,  403/16.872;
LEMPERT,  S.  473  f.  Ab  Juli  1933  amtierte  der  Sohn  des  umstrittenen  saarländischen  Rekomitglieds
Edgar  Hector  ebenfalls  als  Vizepräsident.

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