und den im Saargebiet wohnenden Wählern in einer vereinten Front. Ihr Eintreffen
sorgte in Saarbrücken für großen Aufruhr; schon am Bahnhof wurden ihnen, ähnlich
wie bei den vorangegangenen Transporten, ein begeisterter Empfang bereitet1*.
3.3 Maßnahmen Frankreichs zur Vorbereitung des Plebiszits
3.3.1 Erfassung der französischen Abstimmungsberechtigten
Konfrontiert mit der Tatsache, daß profranzösische bzw. autonomistische Organisationen
und Parteien in den zurückliegenden Jahren - wenn überhaupt - nur kurzzeitige
Erfolge verbuchen konnten, verzichtete Frankreich bis zur nationalsozialistischen
„Machtergreifung“ darauf, konkrete Maßnahmen zur Erfassung potentieller
Abstimmungsberechtigter in die Wege zu leiten. Eine Reaktion auf das Angebot der
„Association Française de la Sarre“ (AFS) an die Pariser Regierung von Mitte Mai
1932, gegen eine finanzielle Unterstützung von 150.000 Francs die organisatorischen
Vorarbeiten zu leisten41, erfolgte erst Anfang 1933, als sich an der Saar infolge der
Ernennung Hitlers zum Reichskanzler ein Stimmungsumschwung abzeichnete.
Frankreich rechnete sich nun wieder Chancen aus, zumindest so viele Stimmen für
die Option des Status quo mobilisieren zu können, daß das Mandatsgebiet entweder
geteilt würde oder die französischen Interessen ihre gebührende Berücksichtigung
fänden. Erheblich früher als ihre deutschen Gegenspieler entschieden die französischen
Behörden im Frühjahr 1933, sich einer privaten Vereinigung zur Erfassung,
Mobilisierung und Betreuung der innerfranzösischen Abstimmungsberechtigten zu
bedienen; ab April 1933 flössen hierfür monatlich 7.500 Francs an die AFS90 92 93. Schon
bald stießen die wenigen Mitarbeiter91 an ihre Grenzen, eine landesweite Registrierung
der Wahlberechtigten zu bewerkstelligen, weshalb die AFS im Sommer
1933 mit der „Union Franco-Sarroise“ (UFS) eine Tochterorganisation ins Leben
rief, die sich ausschließlich auf die logistische und propagandistische Vorbereitung
des Saarreferendums konzentrierte. Sie verfolgte gemäß ihren Satzungen vor allem
landsmannschaftliche Ziele zugunsten der in Frankreich lebenden Saarländer94 und
verschwieg auch in Werbeschreiben an potentielle Interessenten ihre tatsächlichen
90 Ihre Betreuung im Saargebiet übernahm des Verkehrs- und Quartieramt der DF unter der Leitung von
Max Iven.
91 Vgl. Brief der AFS an den französischen Präsidenten (13.05.32), in: MAE, Sarre 302. Bardoux schlug
in dem Schreiben vor, die in Frankreich lebenden abstimmungsberechtigten Saarländer in eigenen
Organisationen zusammenzufassen und die frankophilen Verbände im Saargebiet finanziell zu unterstützen.
92 Vgl. Note des französischen Außenministeriums (08.04.33), in: MAE, Sarre 302. Zur Haltung der
offiziellen französischen Außenpolitik in der Saarfrage vgl. MÜHLE, S. 344-350.
93 LEMPERT (S. 469 ff.) zufolge waren lediglich Robert Herly und der Saarlouiser Jean Louis Deve
gemeinsam mit Lanrezac für die Ermittlung der abstimmungsberechtigten Saarländer zuständig.
94 Vgl. undatierter „Auszug aus den Statuten der Union Franco-Sarroise“, in: LHA Koblenz, 403/16.872;
Brief des AA an die deutsche Botschaft Paris (04.11,33), in: PA AA, Botschaft Paris 716 b; Lempert,
S. 471-486; VON ZUR MÜHLEN: Schlagt Hitler, S. 152 f.
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