Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Deutschland  aussprechen  werde,
erhielten  die  deutschen  Auslandsvertretungen
  vom  Auswärtigen
Amt  die  Genehmigung,  auch  bereits
  erteilte  Beförderungsaufträge
zu  widerrufens0.  Aus  diesem
Grund  riet  die  Auskunftsstelle  der
„Einheitsfront“  in  Saarbrücken  abstimmungswilligen
  Hitlergegnern
im  Ausland,  ihre  Einstellung  nicht
öffentlich  zu  äußern,  um  den  kostenlosen
  Transfer  an  die  Saar  in
Anspruch  nehmen  zu  können*1.
Mitte  Dezember  stach  der  Schnelldampfer  „Bremen"  mit  Abstimmungsberechtigten
aus  Chicago  und  New  York  in  See.  die  während  der  Überfahrt  durch  die  Landesstelle
Übersee  des  Reichspropagandaministeriums  betreut  wurden.  Am  18.  Dezember
inszenierte  sie  an  Bord  einen  Saarabend,  auf  welchem  die  NS-Propagandafilme  „Aus
der  Tiefe  empor“  und  „Unser  Führer“  gezeigt  wurden.  Hätte  die  Veranstaltung  nicht
auf  hoher  See  stattgefunden,  so  wären  kaum  Unterschiede  zu  den  unzähligen  Kundgebungen
  im  Reichsgebiet  während  der  zurückliegenden  Monate  festzustellen
gewesen*2.  Drei  Tage  später  trafen  die  etwa  300  nordamerikanischen  Abstimmungsberechtigten
  in  Bremerhaven  ein.  Das  ihnen  dort  gebotene  Spektakel  war  das  Ergebnis
  mehrmonatiger  Planungen  des  Bremer  Saarvereins,  dessen  Vorschläge  zur
Betreuung  der  aus  Übersee  stammenden  Abstimmungsberechtigten  direkt  in  die
offiziellen  Richtlinien  einflossen*2.  Nach  einer  Besprechung  mit  Vertretern  der
Reichsbahn,  des  Saarbrücker  Quartier-  und  Verkehrsbüros  der  „Deutschen  Front“,
des  Norddeutschen  Lloyd,  der  beiden  Saarvereinen  Hamburg  und  Bremen  sowie  der
zuständigen  Propagandastellen*4  teilte  die  Berliner  Zentrale  des  Ministeriums  mit,
daß  bei  der  Ankunft  der  Dampfer  Kundgebungen  mit  „spontanem  Charakter“  zu
veranstalten  seien,  deren  Träger  offiziell  die  Ortsgruppe  des  Bundes  der  Saarvereine

Vgl.  Brief  des  AA  an  das  deutsche  Generalkonsulat  Montreal  (10.11.34),  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet.  R
75.797  bzw.  New  York  (04.12.34),  in:  PA  AA.  II  a  Saargebiet.  R  75.485.
81  Auf  Vorschlag  des  „Norddeutschen  Lloyd“  wurde  der  Saarverein  gegenüber  der  amerikanischen
Einwanderungsbehörde  als  offizieller  Geldgeber  der  Passage  angeführt,  tatsächlich  erstattete  das  AAdie
Kosten:  Vgl.  Runderlaß  des  AA  (11.10.34),  in:  PA  AA.  II  a  Saargebiet,  R  75.479;  Brief  der  GS  V  an  das
AA  (08.01.35),  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R  75.489.
s:  Vgl.  Bericht  im  AA  (21.12.34),  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R  75.488;  Brief  des  Pr/RMI  an  das  AA
(24.11.34),  in:  BA-R  8014/1141.
83  Vgl.  Brief  Wittmanns  an  die  GSV  (15.11.34).  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R  75.484.  Die  Bremer  Gruppe
selbst  zählte  bei  etwa  125  Abstimmungsberechtigten  zum  damaligen  Zeitpunkt  ungefähr  150  Mitglieder.

84  Vgl.  Aufzeichnung  (14.12.34),  in:  PA  AA.  II  a  Saargebiet,  R  75.488.

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