Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Parole  der  Volksgemeinschaft  besser  demonstrieren  können,  als  dadurch,  weder
Kosten  noch  Mühen  zu  scheuen,  um  selbst  den  Abstimmungsberechtigten  aus
entlegenen  Regionen  die  Möglichkeit  zu  bieten,  ihr  Votum  abzugeben?  In  noch  viel
stärkerem  Maße  als  dies  für  die  reichsdeutschen  Wähler  des  13.  Januar  galt,  besaßen
die  nord-  und  südamerikanischen  Abstimmungsberechtigten  eine  propagandistische,
Funktion,  da  ihr  aufwendiger  Empfang  im  deutschen  Mutterland  vor  allem  die
Gruppe  der  noch  unentschlossenen  Saarländer  auf  die  Seite  der  Rückgliederungsbefürworter
  ziehen  sollte  ?  Gleichzeitig  beabsichtigten  die  deutschen  Behörden,  die
wieder  in  ihre  Wahlheimat  zurückkehrenden  Abstimmungsberechtigten  als  aktive
Werbeträger  für  das  neue  Deutschland  zu  nutzen73 74.
Schon  im  Frühjahr  1933  warf  der  argentinische  Saarverein  in  Buenos  Aires  erstmals
die  Frage  des  Transports  der  jenseits  des  Atlantiks  seßhaft  gewordenen  Abstimmungsberechtigten
  auf75.  Er  war  es  auch,  der  sich  in  den  südamerikanischen  Staaten
auf  die  Suche  nach  möglichen  Wählern  machte76  und  in  Kooperation  mit  der  deutschen
  Gesandtschaft  schließlich  jene  26  Personen  ermittelte,  die  Ende  November
1934  mit  dem  Schiff  in  Richtung  Europa  aufbrachen  7.  Einen  Monat  später,  am  19.
Dezember,  lief  die  M/S.  Monte  Olivia  im  Hamburger  Hafen  ein,  wo  die  Abstimmungsberechtigten
  gemeinsam  von  den  Staatsbehörden  und  Landesgruppenleiter  Dr.
Kuhn  feierlich  begrüßt  wurden78.
Auch  die  nordamerikanischen  Saarvereinigungen  kooperierten  bei  der  Suche  und
Erfassung  potentieller  Berechtigter  eng  mit  den  deutschen  Auslandsvertretungen.  So
fungierte  die  New  Yorker  Gruppe  an  der  Ostküste  offiziell  als  Sammelstelle  für
Abstimmungsunterlagen,  bevor  sie  diese  an  das  dortige  Generalkonsulat  weiterleitete.
Sie  ließ  es  sich  nicht  nehmen,  wohlgemeinte  Vorarbeit  zu  leisten,  indem  sie  Anträge
von  Personen  kennzeichnete,  die  ihrer  Ansicht  nach  im  Verdacht  standen,  mit  Frankreich
  oder  dem  Status  quo  zu  sympathisieren79.  Für  den  Fall,  daß  bei  einer  abstimmungsberechtigten
  Person  einwandfrei  festgestellt  werden  konnte,  daß  sie  sich  gegen

73  Die  ausländischen  Abstimmungsberechtigten  verfehlten  ihre  Wirkung  selbst  auf  Gegner  des  Regimes
nicht:  Vgl.  RETZLAW,  S.  390  f.
74  Aus  diesem  Grund  plädierte  der  deutsche  Generalkonsul  in  Chicago  auch  dafür,  die  amerikanischen
Abstimmungsberechtigten  bereits  vor  Weihnachten  anreisen  und  dann  längere  Zeit  im  Saargebiet
verweilen  zu  lassen,  damit  diese  mit  möglichst  positiven  Eindrücken  des  nationalsozialistischen
Deutschlands  nach  Hause  zurückkehren  könnten:  Vgl.  Brief  Jaegers  an  das  AA  (26.09.34),  in:  PA  AA,
Ii  a  Saargebiet.  R  75.479.
75  Vgl.  Brief  der  Ortsgruppe  Argentinien  an  die  GSV  (24.04.33),  die  dieses  umgehend  an  das  AA
weiterleitete,  in:  PA  AA,  11  a  Saargebiet,  R  75.457.
76  Vgl.  Briefe  der  deutschen  Gesandtschaft  Buenos  Aires  an  das  AA  (18.10.33,  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet,
R  75.458,  21.03.34,  in:  R  75.473  und  14.08.34,  in:  R  75.476).
77  Vgl.  Brief  der  Hamburg-Südamerikanischen  Dampfschiffahrts-Gesellschaft  an  das  AA  (05.12.34),  in:
PA  AA,  II  a  Saargebiet.  R  75.486.
78  Vgl.  „Nordwestdeutsche  Zeitung“  (22.12,34);  „Berliner  Börsen-Zeitung“  Nr.  597  (21.12.34).  Eine
weitere  Gruppe  aus  Südamerika  traf  am  nächsten  Tag  auf  der  „Cap  Arcona“  ebenfalls  in  Hamburg  ein:
Vgl.  „Nordwestdeutsche  Zeitung“  (24.12.34).
79  Vgl.  Briefe  des  deutschen  Generalkonsulates  New  York  an  das  AA  (21.08.34  und  20.11.34),  in:  PA
AA,  II  a  Saargebiet,  R  75.476  und  R  75.485.

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