Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Mitte  der  zwanziger  Jahre  die  Abwanderung  saarländischer  Bergarbeiter  förderten68.
Nach  einer  Untersuchung  aus  Gewerkschaftskreisen  lebten  in  den  benachbarten
Gemeinden  Lothringens  ungefähr  2.300  abstimmungsberechtigte  Bergleute,  deren
Gattinnen  meist  ebenfalls  die  Abstimmungsberechtigung  besaßen69.  Obwohl  die
deutschen  Behörden  schon  früh  ein  relativ  hohes  Wählerkontingent  aus  Frankreich
einkalkulierten,  waren  ihnen  dort  stärker  als  bei  anderen  europäischen  und  überseeischen
  Staaten  die  Hände  gebunden70 *,  da  Frankreich  als  selbst  am  Ausgang  des
Plebiszits  interessierte  Macht  auf  seinem  Territorium  bzw.  den  Kolonien  und  Mandatsgebieten
  keine  Werbekampagnen  für  die  dritte  Option  duldete.  Als  Kompromiß
wurde  schließlich  sehr  zum  Mißfallen  der  französischen  Behörden  der  Vorschlag  des
Auswärtigen  Amtes  realisiert,  sowohl  die  grenznahen  als  auch  die  wenigen  innerfranzösischen
  Abstimmungsberechtigten  vom  Saargebiet  aus  zu  erfassen  '.  Die
Saarbrücker  Beratungsstelle  der  „Deutschen  Front“  betreute  auf  diese  Weise  über
ihre  Vertrauensleute  in  Elsaß-Lothringen  eine  Vielzahl  ausgewanderter  Abstimmungsberechtigter.
  Eine  Sonderrolle  spielten  hierbei  die  in  Paris  ansässigen  Saarländer,
  die  von  einem  „Deutschen  Hilfsverein“  betreut  und  denen  auf  Antrag  auch
anfallende  Reisekosten  von  reichsdeutscher  Seite  erstattet  wurden72.
3.2.2 Abstimmungsberechtigte  aus  Übersee
Der  finanzielle  Aufwand  schreckte  die  deutschen  Behörden  zunächst  ab,  größere
Anstrengungen  in  Hinblick  auf  die  Erfassung  und  insbesondere  den  Transfer  der
außereuropäischen  Abstimmungsberechtigten  zu  unternehmen,  die  mit  etwa  2%c  der
Gesamtwähler  tatsächlich  kaum  ins  Gewicht  fielen.  Derartige  Bedenken  wurden
jedoch  in  dem  Moment  zerstreut,  als  sich  nicht  nur  abzeichnete,  daß  sie  gegebenenfalls
  in  einigen  Wahlbezirken  das  berühmte  Zünglein  an  der  Waage  sein  konnten,
sondern  man  das  propagandistische  Kapital  erkannte,  das  aus  ihnen  zu  schlagen  war:
Wie  hätte  das  nationalsozialistische  Deutschland  die  gebetsmühlenartig  wiederholte

68  Da  die  saarländische  „Administration  des  Mines  Domaniales“  Entlassungen  im  größeren  Umfang
vorgenommen  hatte,  boten  die  grenznahen  lothringischen  Gruben  trotz  geringerer  Löhne  und  Sozialleistungen
  für  viele  Bergleute  die  einzige  Alternative:  Vgl.  HERR/  JAHNS,  S.  211  ff.
69  Verteilung  nach  Gemeinden:  Kleinrosseln:  835,  Stiering-Wendel:  260,  Forbach:  156,  Merlebach:  242,
Freyming:  454,  Spittel:  210,  Creutzwald:  145.  Aufgrund  von  Entlassungen  waren  Anfang  1933
allerdings  viele  dieser  Abstimmungsberechtigten  wieder  an  die  Saar  verzogen:  Vgl.  Bericht  über  in
Lothringen  lebende  Abstimmungsberechtigte  (08.01.33),  in:  LH  A  Koblenz,  442/7500.  Am  18.03.33
übersandte  das  RMI  diese  Liste  dem  AA,  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R  75.457,  Vgl.  hierzu  die  Auflistung
  der  „Association  Française“  (02.11.33),  in:  AN,  F7  13.472.
70  In  Polen  versuchten  die  deutschen  Auslandsvertretungen,  sich  hinter  der  privaten  Organisation  des
Bundes  zu  verstecken,  der  als  Initiator  von  Aufrufen  in  der  deutschsprachigen  Presse  fungieren  sollte:
Vgl.  Brief  des  deutschen  Konsulats  Thorn  an  das  AA  (19.07.34).  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R  75.475.
1  Vgl.  Arbeitsbericht  der  Beratungsstelle  der  DF  (04.02.35),  in:  PA  AA.  II  a  Saargebiet.  R  75.491  sowie
Briefe  des  AA  an  die  deutsche  Botschaft  Paris  (18.03.34,  in:  Botschaft  Paris,  717  b  bzw.  20.10.34,  in:
PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R  75.480).
2  Vgl.  Briefe  des  AA  an  die  deutsche  Botschaft  Paris  (20.10.34,  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R  75.480  und
30.12.34,  in:  Botschaft  Paris,  719)  sowie  Brief  der  deutschen  Botschaft  Paris  an  das  AA  (28.01.35),  in:
PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R  75.491.

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