Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

3.2.1 Abstimmungsberechtigte  aus  dem  europäischen  Ausland
Obwohl  das  Auswärtige  Amt  noch  im  Dezember  1933  von  der  Gründung  einer
Ortsgruppe  des  Saarvereins  in  Luxemburg  abgeraten  hatte60,  formierte  sich  auch  im
Großherzogtum  ein  „Verein  heimattreuer  Saarländer",  der  sich  die  Erfassung,  Mobilisierung
  und  Betreuung  der  Abstimmungsberechtigten  auf  die  Fahnen  geschrieben
hatte.  Die  treibenden  Kräfte  hinter  der  Gruppe  waren  die  beiden  Ingenieure  Robert
Lordt  und  Wilhelm  Timmer61.  Ähnliche  Organisationen,  wie  sie  von  den  deutschen
diplomatischen  Vertretungen  beispielsweise  aus  der  Tschechoslowakei62,  der
Schweiz6'  oder  den  Niederlanden64  gemeldet  wurden,  dürften  eher  den  Charakter
spontan  gegründeter  Aktionskomitees  als  regulärer  Ortsgruppen  des  Bundes  der
Saarvereine  besessen  haben.  In  Belgien65  sowie  Danzig66  wurde  die  Erfassung  von
reichsdeutschen  Saar-Obleuten  wahrgenommen,  obwohl  Simon  den  Ortsgruppen
offiziell  jede  propagandistische  Betätigung  im  Ausland  zur  Vermeidung  außenpolitischer
  Verwicklungen  untersagte67.
Schon  allein  die  geographischen  Gegebenheiten  brachten  es  mit  sich,  daß  eine
größere  Zahl  abstimmungsberechtigter  Saarländer  nach  1919  ihren  Wohnsitz  in
Frankreich  genommen  hatten,  zumal  die  lothringischen  Bergwerksgesellschaften  ab

m  Aufgrund  der  politischen  Heterogenität  der  dortigen  Abstimmungsberechtigten  schwebte  dem  Saarreferenten
  als  mögliche  Alternative  die  Bildung  eines  allgemeinen  Ausschusses  vor,  der  dann  allerdings  mit
der  reichsdeutschen  Organisation  kooperieren  sollte:  Vgl.  Brief  des  AA  an  die  deutsche  Gesandtschaft
Luxemburg  (07.12.33),  in:  PA  AA.  11  a  Saargebiet,  R  76.096.
61  Zum  Luxemburger  Saarverein:  Vgl.  Schriftwechsel  in  LHA  Koblenz,  661,11/12  (Liste  der  Abstimmungsberechtigten)
  und  14.
62  Dort  wollte  ein  Peter  Lorang  den  „Heimatverein  der  Saarländer"  initiieren:  Vgl.  Brief  der  deutschen
Gesandtschaft  Prag  an  das  AA  (25.06.34),  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R  75.474.
63  Vgl.  Brief  des  deutschen  Konsulats  St.  Gallen  an  das  AA  (02.06.34),  in:  ebd.
64  Vgl.  Brief  der  deutschen  Gesandtschaft  Den  Haag  an  das  AA  (15.12.34),  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R
75.487.  Der  Stützpunktleiter  Walter  Linn  appellierte  im  Namen  der  „Arbeitsgemeinschaft  der  Saardeutschen
  in  Holland“  an  potentielle  Abstimmungsberechtigte,  sich  an  die  Amsterdamer  Zentrale  zu
wenden:  Vgl.  Inserat  im  „Algemeen  Handelsblad“  (09.08.34),  in:  MAE,  Sarre  282.
65  Neben  der  Ortsgruppe  Herzogenrath  (vgl.  BA-R  8014/410)  engagierte  sich  der  Aachener  Saarverein  in
der  Erfassung  der  belgischen  Abstimmungsberechtigten.  Wegen  der  hieraus  resultierenden  enormen
Belastung  des  Landesgruppenführers  Reden  wurde  dieser  bis  Jahresende  1934  vom  Schuldienst
freigestellt:  Vgl.  Brief  der  Geschäftsstelle  Koblenz  an  den  Regierungspräsidenten  von  Aachen
(03.11.34) ,  in:  BA-R  8014/184.
66  Als  ehrenamtlicher  Mitarbeiter  des  RMPropaganda  war  der  Landesgruppenleiter  für  Ostpreußen,
Konsul  Jonas,  nicht  nur  dort  für  alle  Saarfragen  zuständig,  sondern  auch  mit  der  Betreuung  der
Abstimmungsberechtigten  aus  Danzig,  Memel  und  dem  Baltikum  betraut:  Vgl.  Brief  Jonas’  an  die  GS  V
(10.11.34) ,  in:  BA-R  8014/1137.  Für  die  europäischen  Abstimmungsberechtigten  galten  die  Ortsgruppen
  Königsberg,  Breslau,  Stettin,  Hamburg,  Bremen,  Aachen,  Köln  und  München  als  zuständige
Anlaufstellen:  Vgl.  Brief  der  GSV  an  das  AA  (17.12.34),  in  PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R  75.487.  So
wurden  beispielsweise  fünf  Abstimmungsberechtigte  aus  dem  norwegischen  Bergen  durch  die  Ortsgruppe
  Hamburg  betreut:  Vgl.  Brief  des  AA  an  das  deutsche  Konsulat  Bergen  (10.12.34),  in:  PA  AA,
II  a  Saargebiet,  R  75.486.
67  Vgl.  Brief  Simons  an  das  AA  (12.05.34),  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet.  R  75.473;  Brief  der  Geschäftsstelle
Koblenz  an  die  Ortsgruppe  Beuthen  (11.05.34),  in:  BA-R  8014/253.

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