Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

13.  Januar  befanden  sich  ferner  mehrere  Tausend  Personen,  die  aus  beruflichen  oder
wirtschaftlichen  Gründen  Deutschland  verlassen  und  ins  Ausland  gezogen  waren.
Diese  Gruppe  wurde  quantitativ  völlig  unterschätzt.
3,2 Ausländische  Abstimmungsberechtigte
Die  ersten  Schritte  zur  Erfassung  der  jenseits  der  Reichsgrenzen  lebenden  Wahlberechtigten
  im  Frühjahr  1934  waren  eher  verhalten.  Lediglich  in  Frankreich,  Luxemburg
  und  den  Niederlanden  wurden  größere  Gruppen  vermutet,  denen  die  Wilhelmstraße
  zum  damaligen  Zeitpunkt  allerdings  noch  keine  Bedeutung  beimaß51.  Voigt  als
zuständiger  Saarreferent  des  Auswärtigen  Amtes  überließ  es  den  deutschen  diplomatischen
  Vertretungen,  ob  für  die  Saarländer  eigens  ein  Saarverein  gegründet  wurde
oder  ob  die  Ermittlung  mit  Hilfe  bereits  bestehender  deutscher  Vereine  erfolgen
sollte52 53.  Wichtig  schien  aber,  daß  Aufrufe  in  der  Presse  von  privaten  und  nicht  von
offiziellen  reichsdeutschen  Stellen  geschaltet  wurden,  wodurch  man  die  späteren
Garantievereinbarungen  zwischen  Frankreich  und  dem  Deutschen  Reich  ihres  Sinnes
beraubte.  Bis  Mitte  Juni  1934  hatte  das  Auswärtige  Amt  erst  knapp  900  mögliche
Berechtigte  außerhalb  Frankreichs  und  Deutschlands  ermitteln  können,  darunter  560
Personen  aus  europäischen  Staaten.  Wenn  seiner  Ansicht  nach  auch  die  etwa  325  in
Nord-  und  Südamerika  beheimateten  Saarländer  für  den  Ausgang  des  Plebiszits
quantitativ  kaum  ins  Gewicht  fielen,  so  verkannte  Voigt  keineswegs  die  propagandistische
  Wirkung,  welche  ihre  Heranführung  besaß.  Aus  diesem  Grund  plädierte  er
dafür,  von  Reichsseite  die  Kosten  für  den  Transfer  zu  den  Urnen  zu  übernehmen^'.
Ein  wirklich  durchgreifender  Wandel  machte  sich  erst  in  der  zweiten  Jahreshälfte
bemerkbar,  als  sich  abzeichnete,  daß  die  Gesamtzahl  der  in  Frage  kommenden
Personen  nicht  nur  höher  sein  würde,  als  bis  zum  damaligen  Zeitpunkt  angenommen
worden  war,  sondern  daß  ein  Teil  der  Abstimmungsberechtigten  aus  kleinen  Dörfern
an  der  deutsch-französischen  Grenze  stammte,  in  denen  selbst  wenige  Stimmen  das

insgesamt  52.045  Personen  umfaßte,  unter  denen  sich  1.074  Nichtabstimmungsberechtigte  und  161
Nichtabstimmungsfähige  befanden,  während  bei  5.553  Personen  die  Berechtigung  noch  nicht  geklärt
war.  2.106  Berechtigte  waren  zwischenzeitlich  ins  Saargebiet  zurückgekehrt:  Vgl.  Aktennotiz  (Januar
1935),  in:  BA-R  8014/1132.  Besonders  ergiebig  sind  die  Unterlagen  aus  dem  Regierungsbezirk  Trier,
wo  in  fast  jeder  Gemeinde  Abstimmungsberechtigte  gemeldet  waren.  Eine  Auflistung  von  Mitte
November  1934  verzeichnete  7.299  Abstimmungsberechtigte  in  zehn  Landkreisen  bzw.  der  Stadt  Trier:
Vgl.  LH  A  Koblenz,  442/8538.  Da  in  Bremerhaven  die  Erfassung  der  saarländischen  Seeleute  erfolgte,
reisten  relativ  viele  Saarländer  von  dort  an:  Vgl.  undatiertes  Verzeichnis  der  Abstimmungsberechtigten
von  Bremerhaven,  in:  StA  Bremerhaven,  F  365/1.
51  Vgl.  Rundschreiben  des  AA  an  die  Botschaften,  Gesandtschaften,  Generalkonsulate  und  Konsulate  im
Ausland  (06.02.34),  in:  PA  AA,  11  a  Saargebiet.  R  75.473;  Bericht  des  Gesandten  Sperr  an  das  BayMA
über  die  Referentenbesprechung  vom  14.03.34  (14.03.34),  in:  BayHStA,  StK  6100.
32  Vgl.  Rundschreiben  des  AA  an  die  Botschaften,  Gesandtschaften,  Generalkonsulate  und  Konsulate  im
Ausland  (18.03.34),  in:  PA  AA.  11  a  Saargebiet,  R  75.473.
53 Voigt  rechnete  mit  etwa  10.000  RM  für  die  europäischen  Abstimmungsberechtigten  und  mit  etwa  230-270.000
  RM  für  die  erwarteten  300-325  Wähler  aus  Übersee.  Insgesamt  beantragte  er  300.000  RM:
Vgl.  Brief  des  AA  an  das  RM1  (16.07.34),  in:  PA  AA,  11  a  Saargebiet,  R  75.474.

377
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.