Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

tungssteile  überfordert  sein  würde  -  ein  Eindruck,  der  sich  mit  Beginn  der  Einspruchsfrist
  (26.  September)  erhärtete'8.  Bis  dahin  hatten  insgesamt  532.740  Abstimmungsberechtigte
  ihre  Eintragung  in  die  vorläufigen  Wählerverzeichnisse
beantragt,  unter  ihnen  55.794  Personen,  die  ihren  Wohnsitz  außerhalb  des  Saargebietes
  hatten38 39.  Etwa  gegen  jeden  elften  Antrag  (46.033)  wurde  Einspruch  eingelegt,
  wozu  weitere  32.854  Einsprüche  auf  nicht  erfolgte  Eintragung  kamen40.  Angesichts
  dessen  trafen  die  DF-Beratungsstelle  in  Saarbrücken  und  die  Geschäftsstelle
„Saar-Verein“  die  Übereinkunft,  daß  fortan  der  Bund  der  Saarvereine  für  die  Bearbeitung
  der  gegen  reichsdeutsche  Abstimmungsberechtigte  bzw.  der  von  diesen
eingelegten  Einsprüche  zuständig  war41.  Etwa  12.000  Aufforderungen  zur  nachträglichen
  Eintragung  wurden  in  den  kommenden  Wochen  (bis  25.  Oktober)  versandt  und
ungefähr  3.000  Einsprüche  gingen  der  Geschäftsstelle  zur  Prüfung  von  der  Beratungsstelle
  zu42 43.  Hierdurch  wuchs  Vogels  Mitarbeiterstab  in  der  Stresemannstraße
während  der  bleibenden  Monate  bis  zum  Plebiszit  von  ursprünglich  etwa  einem
halben  Dutzend  Angestellten  auf  60-70  Personen;  allein  25  Stenotypistinnen  erledigten
  den  Schriftverkehr  in  der  um  einige  Räumlichkeiten  erweiterten  Geschäftsstelle"'.
Aufgrund  der  Masse  eingegangener  Ablehnungsbescheide  und  der  Kürze  der  zur
Verfügung  stehenden  Zeit44  delegierte  Vogel  die  Bearbeitung  der  Einsprüche  an  die
Ortsgruppen  weiter.
So  vollständig  und  umfassend  die  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“  alle  prodeutsch
gesinnten  Abstimmungsberechtigten  erfaßt  und  mobilisiert  wissen  wollte,  so  zurückhaltend
  verhielt  sie  sich  gegenüber  vermeintlichen  Gegnern  der  Rückgliederung.  Von

38  Vgl.  hierzu  die  Statistik  über  die  Tätigkeit  der  Beratungsstelle  in  der  Zeit  zwischen  01.08.34  und
31.01.35  (13.02.35),  in:  LHA  Koblenz  442/8538.
M  Vgl.  dritter  Bericht  der  Abstimmungskommission  (31.10.34),  in:  JO  15  (1934)  12-1,  S.  1660;  SF  15
(1934)  24.  S.  526  f.
40  Diese  Art  des  Einspruchs  betraf  den  Personenkreis,  der  es  versäumt  hatte,  sich  rechtzeitig  bis  31.08.34
in  die  Listen  eintragen  zu  lassen.  Insgesamt  lagen  107.145  Einsprüche  vor,  da  in  28.258  Fällen  noch
Namenskorrekturen  beantragt  wurden:  Vgl.  vierter  Bericht  der  Abstimmungskommission  (15.11.34),
in:  JO  15(1934)  12-1,  S.  1671.
41  Vgl.  Merkblatt  2  und  zweite  Anweisung  an  die  Saar-Obmänner  (10.09,34),  in:  LA  Saarbrücken,  Saar-Verein
  27;  Funkspruch  der  Berliner  Polizeifunkstelle  Nr.  138  (18.09.34),  in:  Staatsarchiv  Freiburg,  A
96/1/2197.
42  Vgl.  SF  15  (1934)  22,  S.  464  f.;  SF  15  (1934)  24,  S.  522  f.;  nach  Gemeinden  geordnete  Unterlagen  der
Beratungsstelle  (Oktober  1934),  in:  BA-R  8014/1160.  Zum  Schriftwechsel  zwischen  Beratungsstelle
und  GS  V  (August  1934-  März  1935)  vgl.  BA-R  8014/1139.  In  derGSV  entstand  auf  diese  Weise  eine
eigene  Kartei  der  reichsdeutschen  Abstimmungsberechtigten:  Vgl.  undatiertes  Protokoll  der  Besprechung
  mit  Vollert  im  RMI  am  06.08.34.  in:  BA-R  8014/1145.  Selbst  wenn  die  Voraussetzungen
offensichtlich  nicht  gegeben  waren,  wurde  zahlreichen  Antragstellern  beim  Einlegen  ihres  Einspruches
geholfen,  sofern  sie  im  deutschen  Interesse  abzustimmen  versprachen:  Vgl.  Brief  der  Ortsgruppe
Hamburg  an  die  Saarbrücker  Botenmeisterei  (28.12.34),  in:  StA  Saarbrücken,  Großstadt  2967.
43  Vgl.  Brief  der  GSV  an  Karius  (25.10.34),  in:  LA  Saarbrücken,  Saar-Verein  12;  Geschäftsbericht
1934/35,  S.  15.
44  Die  Einspruchsfrist  endete  zwar  erst  am  25.10.34,  doch  hatten  Personen,  welche  aus  den  vorläufigen
Listen  gestrichen  werden  sollten,  lediglich  vier  Tage  Zeit,  beim  zuständigen  Kreisbüro  zu  reagieren:
Vgl.  Pressenotiz  des  BdS  (20.10.34),  in:  BA-R  1501/5409.

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