Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

der  Obleute  mit  dem  bevorstehenden  Plebiszit  und  ihrer  Rolle  hierbei  konfrontiert
werden'2.  Regelmäßiges  Erinnern  an  die  nationale  Pflicht  konnte  zwar  kaum  offensichtliche
  Gegner  der  Rückgliederung  überzeugen,  aber  sicherlich  bei  einer  Vielzahl
von  Berechtigten  dazu  beitragen,  daß  sie  die  aufwendige  Registrierungsprozedur
sowie  anschließend  die  Strapazen  der  Reise  auf  sich  nahmen.  Den  Ortsgruppen  und
Stützpunkten  fiel  in  diesen  letzten  Monaten  vor  der  Abstimmung  die  wichtige  Aufgabe
  zu,  die  erfaßten  Abstimmungsberechtigten  nicht  nur  durch  zahlreiche  Vorträge,
Kundgebungen  und  Unterhaltungsveranstaltungen  bei  Laune  zu  halten,  sondern  ihnen
das  Gefühl  zu  vermitteln,  einer  privilegierten  Gemeinschaft  anzugehören.  Die  seit
Wochen  betriebene  Mobilisierungskampagne  in  der  Presse,  dem  Rundfunk  und  in
Kinos  erlebte  ab  dem  20.  August  noch  eine  Intensivierung32 33,  führte  aber  nicht  zu  dem
gewünschten  Ergebnis,  da  die  kommunalen  Behörden  die  Wähler  erneut  vor  Ablauf
der  Frist  zur  Eintragung  in  die  Abstimmungslisten  bewegen  mußten.  Gleichzeitig
wurden  die  Angehörigen  der  PO.  aufgerufen,  persönlich  bei  den  Abstimmungsberechtigten
  vorstellig  zu  werden,  um  sich  zu  überzeugen,  daß  diese  eingetragen
waren  '4.  Die  Obleute  und  die  lokalen  Vereine  leisteten  schon  in  der  ersten  Phase  bis
Ende  August  weitaus  mehr  als  nur  Hilfsdienste  bei  der  ordnungsgemäßen  und
rechtzeitigen  Abfassung  der  Anträge;  sie  ermittelten  wie  die  Kasseler  Ortsgruppe
eine  Reihe  Abstimmungsberechtigter,  die  von  den  Behörden  übersehen  worden
waren35.  In  Königsberg  wäre  ohne  die  Tätigkeit  der  Landesgruppe  sogar  die  Hälfte
der  letztendlich  registrierten  Wähler  des  13.  Januar  unter  den  Tisch  gefallen36.
Entsprechend  der  Wahlordnung  vom  7.  Juli  1934  mußte  auf  allen  bei  den  Gemeindeausschüssen
  eingehenden  Anträgen  eine  Anschrift  im  Saargebiet  benannt  sein,  über
welche  der  nachfolgende  Schriftverkehr  abgewickelt  und  an  die  zu  gegebener  Zeit  die
Abstimmungsausweise  verschickt  werden  sollten.  Die  ursprünglichen  Pläne  der
Behörden  sahen  vor,  auch  die  reichsdeutschen  Abstimmungsberechtigten  auf  die
„Beratungsstelle  der  Deutschen  Front  für  Abstimmungsberechtigte  in  Saarbrücken'1
zu  verweisen3  ,  doch  schon  nach  wenigen  Wochen  war  abzusehen,  daß  die  Bera¬32

 Die  Selbstdarstellung  der  Hamburger  Ortsgruppe  (30.11.34,  in:  BA-R  8014/391)  dürfte  nicht  von  der
Hand  zu  weisen  sein,  daß  die  Erfassung  durch  den  BdS  als  nach  außen  private  Organisation  effektiver
war,  weil  die  Abstimmungsberechtigten  den  Weg  leichter  zu  ihm  als  zu  den  Polizeidienststellen  fanden.
Vgl.  Brief  Pfundtners  an  Oberpräsident  von  Lüninck  (August  1934),  in:  BA-R  905/312.
34  Vgl.  Rundschreiben  des  RMI  an  alle  Polizeistellen,  Einwohnermeldeämter,  Landrats-  und  Bezirksämter
(23.08.34),  in:  StA  Göttingen,  II  A  15/7;  Meldung  des  Polizei-Funkdienstes  (22.08.34),  in:  GLA
Karlsruhe  344/7192;  Brief  Barths  an  Siebert  (17.08.34),  in:  BayHStA,  Mlnn  47.097.
35  Vgl.  SF  15  (1934)  4,  S.  66;  SF  15  (1934)  22,  S.  467  f.
36  Vgl.  Brief  Konsul  Jonas’  an  die  GSV  (20.12.34)  und  Antwortschreiben  Vogels  (23.12.34),  in:  BA-R
8014/447.  Gerade  in  ländlichen  Regionen  war  der  Aufwand  zur  Erfassung  gewaltig:  So  fanden  sich  in
den  139  Gemeinden  des  Bezirksamts  Regensburg  insgesamt  nur  fünf  Abstimmungsberechtigte  in  drei
Gemeinden:  Vgl.  Staatsarchiv  Amberg,  Bezirksamt  Regensburg  5232.  Zur  Arbeit  der  Obleute,  die  auf
dem  Land  große  Strapazen  auf  sich  nehmen  mußten,  vgl.  SF  15  (1934)  18/19,  S.  389  f.
17  Vgl.  Rundschreiben  des  RMI  (14.07.34),  in:  BA-R  43-1/255;  Besprechungsprotokoll  zwischen  Beratungsstelle
  und  GSV  vom  02.08.34  (02.08.34),  in:  LA  Saarbrücken,  Saar-Verein  28;  Besprechungsprotokoll
  (Juli  1934),  in:  BA-R  8014/1130.

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