Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

„die  [...]  ermittelten  Abstimmungsberechtigten  über  alle  wichtigen  Saarfragen  aufzuklären  und
auf  dem  Laufenden  zu  halten,  insbesondere  durch  die  regelmäßige  Übersendung  des  ,Saar-Freund1
  und  aller  übrigen  Aufklärungsdruckschriften.  Dieser  Sache  muß  jedenfalls  die  größte
Bedeutung  beigemessen  werden,  damit  so  eine  lebendige  Propaganda  für  die  Abstimmungsberechtigten
  im  ganzen  Deutschen  Reiche  durchgeführt  wird.  In  besonders  geeigneter  Weise
müßte  aber  auch,  und  zwar  vertraulich,  möglichst  eine  gute  Auskunft  über  die  Zuverlässigkeit  der
in  Frage  kommenden  abstimmungsberechtigten  Saarländer  eingeholt  werden."'5
Jeweils  20  Abstimmungsberechtigten  wurde  ein  eigens  ernannter  Saarobmann  zugeteilt,
  der  anfangs  vor  allem  dafür  zu  sorgen  hatte,  daß  sich  die  im  Reich  verstreuten
Saarländer  rechtzeitig  in  den  Besitz  der  erforderlichen  amtlichen  Nachweise
brachten25 26 28.  Unmittelbar  nach  Erhalt  der  ersten  vorläufigen  Abstimmungslisten  Ende
Juni  1934  setzte  sich  die  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“  daher  mit  ihren  Obleuten  in
Verbindung  und  instruierte  sie  entsprechend  obiger  Absprache2  .  Die  Rekrutierung
der  Vertrauensmänner,  deren  Gesamtzahl  nicht  ermittelt  werden  konnte,  rein
rechnerisch  aber  die  Tausendergrenze  überschritten  haben  dürfte2*,  erfolgte  in  aller
Regel  aufgrund  eines  Vorschlags  der  Ortsgruppen.  In  dünner  besiedelten  Gebieten
bat  die  Geschäftsstelle  bei  den  Gemeindebehörden  um  Amtshilfe29 30.  Offensichtlich
erregte  ihr  Vorgehen  in  manchen  Ortsverbänden  Unmut,  da  diese  zwar  weiterhin
aktiv  in  die  Rückgliederungspropaganda  eingespannt  waren  und  die  Abstimmungsberechtigten
  in  ihren  Reihen  aufnehmen  sollten,  hinsichtlich  der  Erfassung  und
gegebenenfalls  psychologischen  Bearbeitung  der  Wähler  aber  übergangen  wurden'".
Mitte  Juli  1934  teilte  Reichsinnenminister  Frick  die  näheren  Abstimmungsmodalitäten
  auf  der  Basis  der  inzwischen  veröffentlichten  Wahlordnung  mit  und  verwies
dabei  explizit  auf  die  Kooperation  mit  der  Saarorganisation:
„Die  Abstimmungsberechtigten  werden  bis  zur  Abstimmung  von  Vertrauensleuten  des  Bundes
der  Saarvereine  betreut  werden.  Diese  mit  dem  Ausweis  des  Bundes  versehenen  Vertrauensleute
sind  von  den  amtlichen  Saarmeldestellen  bei  Erfüllung  ihrer  Aufgaben  in  jeder  Weise  zu
unterstützen.“31
Was  unter  „Betreuung“  zu  verstehen  war,  hatte  man  in  den  internen  Besprechungen
mit  der  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“  bereits  zwei  Monate  zuvor  zum  Ausdruck  gebracht.
  Die  ermittelten  Abstimmungsberechtigten  sollten  durch  persönliche  Besuche

25  Vgl.  Aktennotiz  (09.05.34),  in:  BA-R  8014/1030.
26  Vgl.  Brief  des  RMI  an  von  Papen  und  das  AA  (10.04.34),  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R  75.474.
27  Vgl.  erstes  vertrauliches  Rundschreiben  der  GSV  an  die  Obleute  (26.06.34)  und  erste  Anweisung  für
die  Saar-Obmänner  (09.08.34),  in:  LA  Saarbrücken,  Saar-Verein  27.
28  Nur  in  einem  einzigen  Fall  ließen  sich  weitergehende  Informationen  gewinnen:  So  waren  von  den  34
Obmännern  des  Restkreises  Merzig-Wadern  16  Gemeindeschulzen,  acht  Lehrer  sowie  fünf  Ortsgruppen-
  oder  Stützpunktleiter:  Vgl.  Verzeichnis  der  Obleute  (Dezember  1934),  in:  LHA  Koblenz,
661,11/19.
29  Vgl.  Vordrucke  von  Rundschreiben  der  GSV  an  Landräte  und  Bürgermeister  bzw.  potentielle  Obleute
(August  1934),  in:  BA-R  8014/135;  zweites  vertrauliches  Rundschreiben  der  GSV  (27.07.34),  in:  LA
Saarbrücken,  Saar-Verein  27.  Juden  waren  nicht  als  Obleute  zugelassen:  Vgl.  Brief  der  GSV  an  die
Geheime  Staatspolizei  Berlin  (i2.09.34),  in:  BA-R  8014/1145-1.
30  Die  GSV  mußte  die  Ortsgruppenführer  zur  Kooperation  mit  den  Obleuten  mahnen  und  ihnen  versichern,
  daß  die  Bedeutung  der  lokalen  Vereine  durch  die  neuen  Verbindungsleute  nicht  geschmälert
werde:  Vgl.  vertrauliches  Rundschreiben  der  GSV  (11.09.34),  in:  LA  Saarbrücken,  Saar-Verein  27.
31  Rundschreiben  des  RMI  (14.07.34),  in:  BA-R  43-1/255.

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