der Abstimmungsberechtigten enthalten gewesen wären1'''1. Angesichts der engen
Verbindungen, welche das Reichspropagandaministerium an den anderen Ressorts
vorbei zur Koblenzer Geschäftsstelle unterhielt, dürfte dem Saarausschuß die Entscheidung
nicht schwergefallen sein, die Federführung in Fragen, welche den Bund
der Saarvereine betrafen, an das Goebbels-Ministerium abzugeben. Seit Ende Februar
1934 oblag dem dortigen Referenten Kuhlmann damit zugleich auch die alleinige
Verantwortung für den Bund186 187,
Die genaue Summe, welche der Bund der Saarvereine nach 1933 tatsächlich aus
Reichs- und Staatsmitteln erhalten hat, läßt sich nur ungefähr abschätzen, weil sich
spätestens mit der Übertragung organisatorischer Fragen im Zusammenhang mit der
Abstimmung Zuwendungen für allgemeine Propaganda mit der Erstattung der Auslagen
für Erfassung, Betreuung und Transport mischten. Offiziell wies Vogel in den
beiden letzten Jahren vor dem Plebiszit Ausgaben von etwa 126.000 RM (1933) bzw.
217.000 RM (1934) nach188. Doch wie schon die beiden Etatentwürfe zeigen, lagen
die realen Aufwendungen deutlich über diesem Rahmen.
2.7 Zusammenfassung
Ab Sommer 1933 war die Saar in der reichsdeutschen Öffentlichkeit allgegenwärtig.
Kein damals zur Verfügung stehendes Medium wurde ausgelassen, der Bevölkerung
die Parole von der „Deutschen Saar“ einzuhämmern, hinter welcher das gesamte
Volk wie ein Mann stehen müsse. Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, Flugblätter,
Plakate, Rundfunksendungen und Filmberichte, Vorträge an Hochschulen und Saarkundgebungen
allerorten trugen zu dieser Mobilisierung bei. Gleich, welche Propagandaform
in den letzten Monaten vor dem Plebiszit eingesetzt wurde, alle dienten
sie dem Ziel, auf den „Tag X“ der Abstimmung hinzuarbeiten, indem sie die reichsdeutsche
Bevölkerung sensibilisierten, potentielle Abstimmungsberechtigte erfaßten
und den Gegnern der Rückgliederung den Wind aus den Segeln zu nehmen versuchten.
Während die „Saar-Freunde“ vor ihrer Gleichschaltung mit Recht darauf verweisen
konnten, daß sie als einzige Organisation über eine kontinuierliche Erfahrung
in der privaten Saarpropaganda verfügten, traten ab dem Frühjahr 1933 neue Protagonisten
in Gestalt verschiedener Parteiformationen, offiziöser oder vielfach selbst
ernannter Akteure der Saarpropaganda hervor189. Der Bund der Saarvereine profitierte
zwar von den organisatorischen, personellen und finanziellen Ressourcen des
Nationalsozialismus, mußte sich aber vielfach unliebsamer Konkurrenz erwehren und
sah sich in traditionellen Propagandafeldern ins Abseits gedrängt.
186 Vgl. Protokoll der Sitzung vom 26.10.33 (27.10.33), in: B A-R 8014/683; Etatentwurf des BdS für das
Jahr 1934 (05.01.34), in: PA AA, II a Saargebiet, R 76.096.
187 Vgl, Aktennotiz (22.02.34), in: BayHStA, StK 6126; Aktenvermerk (26.02.34), in: PA AA, II a
Saargebiet, R 76.096.
188 Vgl. Jahresbericht 1933, S. 30-33; Geschäftsbericht 1934/35, S. 16 f.
189 Vgl. hierzu die noch immer hervorragende Arbeit von Jacoby, S. 83-158.
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