2.6 Finanzierung der Propaganda des Bundes der Saarvereine nach 1933
Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise waren zwar nicht spurlos am Bund der
Saarvereine vorbeigegangen, sein Bankrott konnte aber dank massiver Finanzspritzen
aus der reichsdeutschen Wirtschaft und der öffentlichen Hand abgewendet werden.
Mit dem Einzug der braunen Machthaber in die Reichs- und Länderministerien
blieben die staatlichen Gelder bis zur Klärung der Zuständigkeit zunächst aus18’, was
den Bund vorübergehend seiner Handlungsfähigkeit beraubte. Erst Ende Mai kam die
erlösende Nachricht, daß die beiden Berliner Ministerien für das laufende Rechnungsjahr
wieder regelmäßige Zahlungen in Aussicht stellen würden183 184.
Nachdem die Entscheidung gefallen war, in den kommenden eineinhalb Jahren bis
zum Plebiszit die Agitation zur Rückgliederung der Saar in erheblichem Maße zu
steigern und den Bund der Saarvereine hierzu vor den nun unter nationalsozialistischer
Regie fahrenden Propagandakarren zu spannen, reichten seine bisherigen
Finanzmittel zur Bewältigung der anvisierten Aufgaben natürlich nicht aus. Auch
ohne daß er bereits zu diesem frühen Zeitpunkt als Organisator des Transports der
reichsdeutschen Abstimmungsberechtigten ins Auge gefaßt worden wäre, verständigte
sich die Vereinsspitze um Vogel und Andres in einer Besprechung mit Vertretern
des Auswärtigen Amtes, des Reichsinnenministeriums, Preußens, Bayerns, des „Bundes
Deutscher Westen“ sowie dem im Vormonat ernannten Dreierausschuß auf die
Zahlung staatlicher Zuschüsse in Höhe von 170.000 RM185 - eine Verzehnfachung
binnen eines Jahres!
Anfang 1934 präsentierten die beiden Geschäftsstellen in Berlin und Koblenz jeweils
ihre Etatentwürfe für die letzten Monate des Abstimmungskampfes. Abzüglich der
Verwaltungskosten in Höhe von immerhin 51.500 RM veranschlagte Vogel etwa die
dreifache Summe für die Herausgabe von großformatigen Werbeplakaten, Neuauflagen
der wichtigsten Publikationen sowie die Verbreitung verschiedener Broschüren,
Postkarten, Druckschriften und sonstigem Propagandamaterial. Simon
reklamierte pauschal 200.000 RM für die letzte große Saarkundgebung auf dem
Ehrenbreitstein sowie 100.000 RM für die Durchführung der Saarpropaganda in den
Ortsgruppen des Bundes. Insgesamt sahen sich die staatlichen Behörden im Frühjahr
1934 mit finanziellen Forderungen in Höhe von etwa einer halben Million RM
konfrontiert, ohne daß hierfür schon Mittel für die Erfassung oder gar den Transport
183 Vgl. BriefderGSV an Wentz (16.05.33), in: BA-R 8014/811.
184 ln vierteljährlichen Raten sagte das RMI insgesamt 16.000 RM zu, das PrMI bewilligte wenige Tage
später 8.000 RM: Vgl. Briefe des RMI bzw. PrMI an die GSV (31.05.33 und 10.06.33), in: BA-R
8014/682.
185 80.000 RM glaubte der Verein aus eigener Kraft aufbringen zu können: Aktennotiz (16.06.33), in:
BayHStA, StK 6120. Die Reichsmittel stammten aus dem Etat der kulturellen Westhilfe, die in den
Jahren 1933 und 1934 eine erhebliche Aufstockung erlebte und sich insbesondere der Beseitigung der
Arbeitslosigkeit im Grenzgürtel verschrieben hatte: Vgl. Brief des RMI an das RMFinanz (07.08.33),
in: BA-R 2/4413. Vgl. zur „Westhilfe als Instrument der Saarpropaganda“: Blaich, S. 104-110: BA-R
2/4412^)420.
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