Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Staatsbehörden,  Parteiformationen  und  Repräsentanten  des  öffentlichen  Lebens
eröffnet.  Gustav  Simon  wohnte  ihr  als  Bundesfiihrer  der  Saarvereine  beil62.  Der  enge
Zeitplan  sah  nach  der  Eröffnungsveranstaltung  am  Vormittag  lediglich  einen  einstündigen
  Rundgang  vor,  da  der  Sonderzug  nach  Koblenz  für  die  Ehrengäste  bereits
um  die  Mittagszeit  abfahren  mußte163.  Bis  zum  30.  September  gastierte  die  Saarschau
in  Köln  und  sollte  ursprünglich  in  den  letzten  drei  Monaten  vor  der  Abstimmung  auf
Wanderschaft  durch  deutsche  Großstädte  gehen.  Eine  Intervention  der  Stadt  Saarbrücken,
  die  an  den  vom  Reichspropagandaministerium  angefertigten  Exponaten  ihr
Interesse  bekundete,  verhinderte  allerdings  diese  Pläne164.  Die  Eröffnung  der  bereits
konzipierten  Saarbrücker  Ausstellung  „Saarländische  Kultur  und  Wirtschaft“  scheiterte
  vor  der  Abstimmung  ebenso  an  der  fehlenden  Genehmigung  der  Regierungskommission,
  die  aus  verständlichen  Gründen  wenig  geneigt  war,  einer  Neuauflage
der  Kölner  Saarausstellung  ihre  Zustimmung  zu  erteilen.  Insbesondere  die  politische
Abteilung  schien  kaum  vereinbar  mit  den  Grundsätzen,  welche  zwischen  der  deutschen
  und  der  französischen  Regierung  Anfang  Juni  1934  vereinbart  worden  waren.
Selbst  das  finnische  Mitglied  cPEhrnrooth,  dem  man  nach  Ansicht  seines  Kollegen
Morize  nicht  vorwerfen  könne,  von  Germanophobie  beseelt  zu  sein,  vertrat  nach
einem  Besuch  in  Köln  den  Standpunkt,  das  Ansehen  Frankreichs  sowie  der  Völkerbundregierung
  werde  in  den  Schmutz  gezogen165.  Die  Erkundigungen,  welche  die
französische  Regierung  über  ihr  dortiges  Generalkonsulat  einzog,  untermauerten
diese  Behauptung166.
2.5 Propaganda  auf  der  Straße
Noch  stärker  als  durch  die  literarische  und  rednerische  Agitation  konnte  die  Saar
während  des  Sommers  1934  durch  die  massiv  eingesetzte  Bildpropaganda  in  das  Bewußtsein
  der  reichsdeutschen  Bevölkerung  Vordringen.  B  lendet  man  die  künstlerisch
gestalteten  Plakate  und  Postkarten  des  Abstimmungskampfes  aus167,  so  lag  es  insbesondere
  an  den  Ortsgruppen  des  Bundes  der  Saarvereine,  die  Saarfrage  optisch
präsent  zu  halten:  Am  Schnittpunkt  von  fünf  Straßen  ließ  beispielsweise  der  Aachener
  Saarverein  das  zweiseitig  beschriftete  Transparent  „Deutsche  denkt  an  die

162  Vgl.  AdR,  Regierung  Hitler  1/2,  Dok.  268,  S.  1019.
163  Vgl.  Aufzeichnung  Cartellieris  und  Hellwigs  (08.08.34),  in:  Archiv  des  LVR,  28.303.
164  Vgl.  Brief  Neikes’  an  Kuhlmann  (27.09.34)  und  Protokoll  der  Besprechungen  vom  01.10.34  in  Köln,
in:  StA  Saarbrücken,  Großstadt  3149.
165  Vgl.  Brief  Morizes  an  Außenminister  Barthou  (12.09.34),  in:  MAE.  Sarre  282.
166  So  wußte  der  französische  Generalkonsul  in  Köln  einerseits  von  einer  riesigen  Tafel  zu  berichten,
welche  im  Hinblick  auf  die  Schulpolitik  Frankreichs  an  der  Saar  die  Unterschrift  „Lüge  schuf  Gewalt“
trug  und  von  links  nach  rechts  feuerspeiende  Schlangen  in  den  Farben  der  Trikolore  zeigte.  Die  Reko
hingegen  wurde  unter  anderem  durch  einen  Mann  mit  je  einem  europäisch  weißhäutigen,  einen
asiatisch  anmutenden  sowie  einem  negriden  Kopf  verunglimpft.  Dieses  Monster  verging  sich  an  den
Saarländern:  Vgl.  Briefe  Doblers  an  den  Außenminister  (21.09.34  und  20.10.34),  in:  Ebd.
167  Vgl.  zur  werbepsychologischen  Dimension  der  Rückgliederungsplakate,  mit  denen  die  textüberladenen
  Graphiken  der  Status-quo-Befiirworter  kaum  konkurrieren  konnten:  PAUL/SCHOCK,  S.  61-69
sowie  allgemein:  DOERING,

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