Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

2.4 Die  Kölner  Saarausstellung
Die  Entscheidung,  in  Verbindung  mit  der  Koblenzer  Kundgebung  eine  Saarausstellung
  auszurichten,  war  Anfang  Februar  1934  auf  der  Sitzung  des  Papenschen
Saarausschusses  gefallen.  Ähnlich  wie  die  Leipziger  Schau  aus  dem  Jahr  1930  sollte
die  Ausstellung  anschließend  durch  deutsche  Großstädte  wandern156.  Mit  der  Gesamtleitung
  beauftragte  das  federführende  Reichspropagandaministerium  den  Saarbrücker
Wirtschaftshistoriker  und  Volkswirt  Fritz  Hellwig157 158,  der  Mitte  April  auf  der  Basis
mehrerer  Besprechungen  erste  „Richtlinien  für  den  Aufbau  der  Saarausstellung  in
Köln“  erließ:  Entgegen  den  Vorstellungen  des  Ministeriums  sollten  typisch  nationalsozialistische
  Themenkomplexe  wie  „Blut  und  Boden“  oder  „Volk  und  Arbeit“
gegenüber  der  Erörterung  außenpolitischer  Aspekte  in  den  Hintergrund  treten.
„Die  Ausstellung  soll  betont  politisch  sein.  Sie  wird  dem  Ausländer  wie  dem  Inländer  das
Wesentliche  der  Saarfrage  zu  zeigen  haben;  sie  wird  ein  Teil  des  Endkampfes,  ein  Auftakt  für
1935  sein.  Damit  ergibt  sich  als  selbstverständlicher  Leitgedanke  der  des  politischen  Kampfes  um
die  Deutscherhaltung  des  Saargebietes.  Der  .Kampf  um  die  Saar'  ist  in  allen  Abteilungen
auszudrücken,  denn  er  ist  nicht  nur  auf  dem  Gebiete  der  reinen  Politik  ausgefochten  worden,
sondern  ebenso  sehr  auf  dem  Gebiete  des  Volkstums,  der  Geschichte,  der  Kultur,  des  Geistes-158

lebens  und  nicht  zuletzt  der  Wirtschaft.“
ln  den  von  Hellwig  skizzierten  Kampfsektionen  -  Landschaft,  Volkstum,  Geschichte,
kulturelles  Leben,  Politik  und  Wirtschaft  -  spiegelt  sich  zugleich  die  Gliederung  der
Ausstellung  wider,  die  -  um  einen  Ehrenhof  erweitert  -  auf  10.000  m2  im  Gebäude
der  Kölner  Ausstellungs-  und  Messe-GmbH  dargeboten  wurde.  Für  die  inhaltliche
Gestaltung  der  unterschiedlichen  Abteilungen  konnte  auf  die  Mitglieder  der
Saarforschungsgemeinschaft  zurückgegriffen  werden,  die  kurz  zuvor  den  „Saar-Atlas“
  publiziert  hatten.  Unter  den  festen  Mitarbeitern  der  Ausstellung  zeichnete  der
Aachener  Geograph  Hermann  Overbeck  für  die  Bereiche  Geographie  und  Bevölkerungsgeographie
  verantwortlich,  der  Saarbrücker  Historiker  Fritz  Kloevekorn  für
Kulturgeschichte,  Georg  Wilhelm  Sante  nahm  sich  der  politischen  Geschichte  an,
während  Walter  Zimmermann  kunstgeschichtliche  Aspekte  beleuchtete.  Hans  Bongard,
  der  Leiter  des  Saar-Sängerbundes,  wandte  sich  dem  saarländischen  Volks-  und
Chorgesang  zu  und  der  Propagandaleiter  der  DF,  Peter  Kiefer,  besann  sich  auf  sein
hauptsächliches  Betätigungsfeld  vor  1933,  den  Bergbau.  Hellwig  selbst  übernahm
gemeinsam  mit  seinem  Vorgänger  im  Saarbrücker  Saarwirtschaftsarchiv  die  Verantwortung
  für  die  umfangreiche  Sektion  Wirtschaft.  Mit  der  Umsetzung  der  Abteilung

156  Vgl.  Aktennotiz  (08.02.34),  in:  StK  6.126.  Vgl.  FREUND,  S.  137-144;  BA-R  8014/1121  f.;  Die
deutsche  Saar.  Zur  Ausstellung  in  Köln  vom  26.  Aug[ust]  -  30.  Sept[ember]  1934;  Thamer:  Geschichte
  und  Propaganda,  S.  360-370.
157  Hellwig  (*1912)  stand  kurz  vor  seiner  Promotion.  Zu  seiner  Biographie  und  weiteren  bibliographischen
  Angaben  vgl.  Freund,  S.  139  f;  Hellwig:  Das  Saarwirtschaftsarchiv,  S.  19.  Im  Vorfeld  des
zweiten  Abstimmungskampfes  um  die  nationale  Zugehörigkeit  der  Saar  fungierte  Hellwig,  der
zwischen  1953  und  1959  für  die  CDU  in  den  Bundestag  einzog,  kurzzeitig  als  Vorsitzender  des
„Deutschen  Saarbundes  e.V.“.
158  Vgl.  „Richtlinien  für  den  Aufbau  der  Saarausstellung  in  Köln“  (nach  16.06.34),  in:  LHA  Koblenz,
403/16.860.  Unterstreichungen  im  Original.

359
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.