Versammlung mittels subjektiv gefärbter Berichte und hämischer Seitenbemerkungen
herunterzuspielen149, werteten die deutschen Behörden hingegen als Beleg, daß die
Tagung auch in Frankreich die erhoffte Wirkung erzielt habe150. Die Rede Hitlers
zumindest fand in der französischen Presse überwiegend günstige Aufnahme und
wurde zumeist als Versöhnungsgeste gewertet1'’1. Auch das offizielle Frankreich
atmete auf, da sich die Befürchtung, Hitler könnte das Forum nutzen, die antifranzösische
Propaganda zu verschärfen und die Kampagne gegen den Versailler Vertrag
ihrem Höhepunkt entgegenzuführen, als nicht berechtigt erwies: „Le discours de
Hitler à Coblence ait pris la forme plutôt d'une manifestation de conciliation que
d’une provocation.“152
Die beiden großen Saarkundgebungen 1933 und 1934 wurden verschiedentlich als
mit Reichsparteitagen vergleichbare Probeabstimmungen gewertet. Zumindest die
Ehrenbreitsteintagung war darüber hinaus auch ein groß aufgezogener organisatorischer
Testlauf: Die Erfahrungen der Saarvereins-Landesgruppe Westmark, die insgesamt
etwa 200 Sonderzüge innerhalb weniger Stunden am Verkehrsknotenpunkt
Koblenz zu koordinieren hatte1"3, flössen direkt in die Planungen ein, welche im
Vorfeld des 13. Januar in bezug auf den Transport der Abstimmungsberechtigten aus
dem Reichsgebiet und dem Ausland angestellt wurden. Und es war es sicherlich kein
Zufall, daß die beiden für Transportfragen verantwortlichen Mitglieder des saarländischen
Vorbereitungsausschusses, Dr. Max Iven und Wallacher, Mitte September
mit der Aufgabe betraut wurden, die logistischen Vorbereitungen für die Anreise der
nichtsaarländischen Abstimmungsberechtigten zu treffen1"4.
In der öffentlichen Wahrnehmung handelte es sich bei beiden Tagungen um Veranstaltungen
der reichsdeutschen NSDAP und SA; die zwar reduzierte, aber nicht
gänzlich eingestellte Beteiligung des Bundes rückte schon in den zeitgenössischen
Presseberichten in den Hintergrund. „Der Führer hatte gerufen [...]“155 - nicht mehr
die Saarvereine!
149 Die Saarländer seien in ihrer Mehrheit unzufrieden gewesen, da sie mehr als zwölf Stunden ausharren
mußten, um Hitler in weiter Entfernung zu sehen: Vgl. Brief des französischen Konsulats Mainz an
Außenminister Barthou (29.08.34), in: MAE, Sarre 282. Das „Echo de Paris“ (27.08.34) meinte zu
der Tagung: „Ces esclaves célèbrent la liberté...“.
150 Vgl. Rundschreiben des AA u.a. an die bayerische Staatskanzlei (07.09.34), in: BayHStA, StK 6131 ;
SF 15(1934) 18/19, S. 390 ff.
151 Vgl. „Deutscher Saar-Dienst“ Nr. 33 (28.08.34). Zu den französischen Erwartungen hinsichtlich der
Hitlerrede vgl. Telegramm François-Poncets an das französische Außenministerium (21.08.34), in:
MAE, Sarre 282.
152 Vgl. Brief des Chargé d'Affaires Berlin an Außenminister Barthou (05.09.34), in: Ebd.
153 Vgl. den Schriftverkehr in: LHA Koblenz, 661,11/21.
134 Vgl. Protokoll der Besprechung vom 13.09.34 (13.09.34), in: PA AA, il a Saargebiet. R 75.466.
155 Dill, S. 167.
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