Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

genheiten,  der  neu  ernannte  Saarbevollmächtigte  Bürckel,  an  die  Massen.  Seine
kurzen  Ausführungen  zielten  darauf  ab,  die  Illusion  einer  möglichen  zweiten  Abstimmung
  zu  zerstören  sowie  die  Rückgliederungsfront  zur  Disziplin  zu  mahnen,  um
dem  politischen  und  nationalen  Gegner  keine  rechtliche  Handhabe  zur  Intervention
zu  geben.
Beide  Gauleiter  appellierten  an  die  Abstimmungsberechtigten,  die  Chance  im  bevorstehenden
  Plebiszit  zu  nutzen,  um  die  Verbundenheit  der  Saar  mit  dem  Reich  unter
Beweis  zu  stellen.  Große  Überzeugungsarbeit  mußten  sie  hierbei  freilich  nicht  mehr
leisten;  vielmehr  galt  es,  die  Zehntausenden,  die  sich  auf  den  Weg  zum  Rhein  gemacht
  hatten,  in  ihrer  Haltung  zu  bestätigen.  Alle  „Argumente“,  die  von  Bürckel  und
Simon  ins  Feld  geführt  wurden,  dienten  dem  Zweck,  bereits  vorhandene  Positionen
und  Meinungen  zu  bekräftigen  und  zu  festigen:  Man  erfülle  lediglich  seine  vaterländische
  Pflicht,  am  13.  Januar  für  die  Rückgliederung  zu  stimmen,  zumal  die  Saarländer
  seit  jeher  Deutsche  gewesen  seien  und  es  die  Option  eines  zweites  Plebiszits
nicht  geben  werde.
Höhepunkt  der  Kundgebung  war  selbstverständlich  die  Ansprache  Hitlers,  der  am
Nachmittag  nach  der  feierlichen  Eröffnung  der  Saarausstellung  mit  dem  Schiff  aus
Köln  eintraf.  Wie  bei  derartigen  Massenveranstaltungen  üblich,  durchschritt  er  auf
dem  Weg  zum  Rednerpult  eine  lange  Gasse  zwischen  den  Menschenblöcken,  um  an
der  Tribüne  angelangt,  minutenlange  Ovationen  entgegenzunehmen.  Anders  als  vor
ihm  Simon  und  Bürckel  gab  sich  Hitler  in  seiner  etwa  einstündigen  Ansprache  betont
staatsmännisch.  Er  verzichtete  auf  scharfe  Angriffe  auf  seine  politischen  Gegner  und
begnügte  sich  damit,  die  an  die  Saar  geflüchteten  Emigranten  als  Vaterlandsverräter
zu  brandmarken,  deren  Hauptanliegen  es  sei,  das  neue  Deutschland  aus  Eigennutz  zu
verunglimpfen.  Neben  grundsätzlichen  Prinzipien  der  nationalsozialistischen  Außenund
  Innenpolitik130  standen  die  Verdienste  und  bisherigen  Erfolge  seiner  Regierung
im  Mittelpunkt  der  Ausführungen.  Hitler  malte  das  Bild  der  „deutschen  Mutter“  in
den  kräftigsten  Farben:  Wirtschaftlich  gehe  es  seit  eineinhalb  Jahren  steil  bergauf,
4,5 Millionen  Arbeitslose  seien  wieder  in  Beschäftigung  gebracht  worden,  innenpolitisch
  seien  Parteienstreit  und  Partikularismus  überwunden,  und  außenpolitisch
stehe  das  Reich  erstmals  wieder  selbstbewußt  neben  den  anderen  Völkern.  Acht
Wochen  nach  der  parteiinternen  „Nacht  der  langen  Messer“  setze  sich  Hitler  gegen
den  Vorwurf  der  Gottlosigkeit  zur  Wehr.  Der  Nationalsozialismus  stehe  fest  auf  dem
Boden  „eines  wirklichen  Christentums“,  das  frei  von  Kulturbolschewismus  und
Klassenkampf  sei.
Erst  im  letzten  Drittel  seiner  durch  minutenlange  „Heilrufe“  und  Applaus  unterbrochenen
  Rede  ging  er  auf  die  bevorstehende  Saarabstimmung  ein.  Hatte  er  anfangs

130 „Außenpolitisch:  Erhaltung  des  Friedens,  aber  auch  Sicherung  der  deutschen  Gleichberechtigung.  [...]
Hierzu  Verteidigung  der  Freiheit  und  der  Ehre  unseres  Volkes.  [...]  Innenpolitisch  kämpfen  wir  für
das  Dasein  des  deutschen  Bauern,  des  deutschen  Arbeiters,  des  deutschen  Mittelstandes,  des  ganzen
deutschen  Volkes  in  seinen  wirklich  schaffenden  Kräften  und  Kreisen.“

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