Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Schiffskette:  Das  Saargebiet
erschien  als  Bindeglied  zwischen
  links-  und  rechtsrheinischem
  Deutschland126.
Das  Kundgebungsgelände
war  durch  Holzschranken  in
fünf  Felder  eingeteilt,  wobei
die  mittlere  Sektion  vor  der
Rednertribüne  den  angereisten
  Saarländern  die  Möglichkeit
  bieten  sollte,  Hitler
aus  der  Nähe  zu  sehen.  Theoretisch
  war  geplant,  den  Platz
zunächst  mit  ihnen  zu  füllen  und  erst  anschließend  Besucher  aus  dem  Reich  zum
Ehrenbreitstein  zu  führen127 128.  Im  Chaos  der  Menschenmassen  ließ  sich  eine  derartige
Trennung  nicht  mehr  realisieren.  Da  abzusehen  war,  daß  das  Freigelände  bei  weitem
nicht  ausreichen  würde,  alle  Interessierten  aufzunehmen,  standen  Ausweichplätze  am
Deutschen  Eck,  auf  dem  Schloßplatz,  in  den  Rheinanlagen  oder  bei  den  Oberwerther
Sportanlagen  zur  Verfügung.
Gegen  14.30  begann  das  Spektakel  in  Koblenz  vor  etwa  200.000  Zuschauern  mit  dem
halbstündigen  Einzug  der  Fahnendeputationen.  300  Fahnenträger  der  SA,  SS,  der  PO
der  NSDAP,  des  Freiwilligen  Arbeitsdienstes,  des  NS-Frontkämpferbundes,  der
Hitlerjugend,  des  Bundes  Deutscher  Mädel  und  des  Jungvolks,  flankiert  von  200
Fahnenbegleitern,  nahmen  auf  der  Tribüne  hinter  dem  Rednerpult  Stellung.  Währenddessen
  trafen  die  zahlreichen  Ehrengäste  auf  dem  Kundgebungsgelände  eini  :s.
Ein  2.000  Mann  starker  Chor  eröffnete  die  Veranstaltung  mit  dem  Lied  „Freiheit,  die
ich  meine“.
Simon  ergriff  in  seiner  Eigenschaft  als  Vorsitzender  des  Bundes  und  Gauleiter  des
gastgebenden  Koblenz  als  erster  das  Wort.  In  seiner  etwa  20minütigen  Rede  reduzierte
  auch  er  die  bevorstehende  Entscheidung  auf  das  Votum  für  oder  gegen  Deutschland129.
  Weitschweifig  erinnerte  er  die  Zuhörer  an  ihre  moralische  Verpflichtung,  den
Gefallenen  des  Weltkriegs  die  Ehre  zu  erweisen,  indem  sie  deren  Testament  -  die
Deutscherhaltung  der  Saar  -  vollstreckten.  Dies  sei  zugleich  göttliches  Gebot,  so  der
kaum  im  Verdacht  übermäßiger  Religiosität  stehende  Simon,  denn  wer  wie  die  Status
quo-ler  Völker  auseinanderreißen  wolle,  der  vergehe  sich  an  Gott.  Nach  ihm  wandte
sich  sein  Konkurrent  im  Ringen  um  die  parteiinterne  Vorherrschaft  über  Saarangele¬Fahnenabordnungen

  auf  der  Koblenzer  Saarkundgebung

126  Vgl.  den  nicht  zur  Veröffentlichung  bestimmten  Programmentwurf  (März  1934),  in:  PA  AA,  II  a
Saargebiet,  R  76.097,
127  Vgl.  Sonderbefehl  Nr.  2  des  Regierungspräsidenten  (21.08.34),  in:  StA  Koblenz,  623/6194.
128  Vgl.  Minutenplan  der  Kundgebung  (August  1934),  in:  LHA  Koblenz.  661.11/22.
129  Vgl.  DNB-Bericht  (27.08.34),  in:  PA  AA.  II  a  Saargebiet,  R  76.098.

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